Flatrateschlürfen – Wo du Austern sammeln kannst

Drei Euro für eine mickrige Muschel sind dir zu viel? Dann geh doch selber sammeln. In Holland und Dänemark ist die Austernsafari schon Geschäftsmodell, in Deutschland kannst du noch komplett umsonst schlürfen.

Yammie, ein großer Teller Austern. Muss auch gar nicht teuer sein.
Yummie, ein großer Teller Austern. Muss auch gar nicht teuer sein.

Foto: unsplash.com/Sweet Ice Cream Photography

Vor den Küsten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins, Zeelands, Frieslands und Süddänemarks rappeln die Eimer der Touristen. Denn seit Jahren breitet sich die pazifische Felsenauster von den verschiedenen Zuchtstationen in Holland oder auch auf Sylt über das gesamte Wattenmeer aus. Holland und Dänemark betreiben inzwischen eine Art Austerntourismus, besonders auf beliebten Ferieninseln wie Texel, Rømø oder Fanø.

Geführte Austernsafaris in Dänemark

Eineinhalb bis fünf Stunden dauern die geführten Touren, die sich nach den Gezeiten richten, um sicher wieder im Hafen anzukommen. Motto: Sammle, was du essen kannst. Im Internet kursieren Rekordzahlen von mehr als 30 Kilo schweren Säcken voll mit Austern. Und das für einen Tourenpreis von 15 bis 35 Euro. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
 
Auf Fanø spazierst du 1,5 Kilometer auf meist festem Untergrund ins Watt und sammelst die wie Golfbälle herumliegenden Austern einfach ein. Und auch die Miesmuscheln, denn die schmecken ebenso fantastisch, wenn Jesper Voss – der selbst ernannte Fanø Oyster King – sie nach der Wanderung mit Kräuterbutter, Schinken oder Parmesan auf seinem Grill überbackt. Sein bestes Rezept für rohe Austern übrigens: Ein paar Spritzer Limette statt Zitrone, ein Hauch frischer schwarzer Pfeffer und zwei bis drei Erdbeerscheibchen dazu. Wirklich köstlich! 

Auf die harte Tour

Weiter südlich vom dänischen Festland aus sind es einige Kilometer mehr bis zur nächsten Austernbank, die hoffentlich noch nicht abgegrast ist (kann passieren!). Dann müssen die bis zu 30 Zentimeter langen und fünf Zentimeter dicken Biester mit Hammer und Hacke aus dem Felsen gehauen werden – in Gummistiefeln, Gummihose und ähnlichen Spaßmonturen. Schöne Grüße vom Herz-Kreislauf-System! Aber das Erlebnis bezeichnen Kenner als einmalig.
 
Ganz anders ist das alles in deutschen Gewässern. Hier gibt es bisher keine geführten Austerntouren – und eine weitreichende Telefonkette durch die deutschen Behörden ergab das Fazit: Eigentlich weiß keiner so genau, warum. Eine Kleinsthürde stellt vielleicht die deutsche Bürokratie dar, nach der das „Fangen“ von Muscheln genauso wie das Fischen dem Fischereigesetz untersteht, das jeweils vom Land geregelt wird.
 
Schleswig-Holstein schreibt vor: Pro Tag darf ein jeder, der einen Fischereischein besitzt, einen Zehn-Liter-Eimer mit nach Hause nehmen. Aber den voller Austern muss man erst mal schleppen und verzehren können. In Niedersachsen gilt das Fischereigesetz auch, aber laut Behörde sage niemand etwas, wenn Touristen sich für den privaten Gebrauch etwas mitnehmen. Komplett umsonst.

Austern aus der deutschen Nordsee

Sammeln kannst du praktisch überall im Watt, wobei du die Gezeiten im Blick haben musst. Wer tief ins Watt oder zwischen die nordfriesischen Inseln will, sollte vorher einen Wattführer kontaktieren. Die wissen, wo zur jeweiligen Zeit noch Muscheln liegen, auch wenn sie die Touren nicht explizit anbieten.

Die Austern liegen da, wo sie sich festhalten können oder hingespült wurden. Auf Föhr zum Beispiel vor Utersum oder bei Greveling raus, links vom Anleger vor Stenodde auf Amrum oder auf dem Festland in Bensersiel am Steindamm.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Die Autorin
Alexa v. Busse hat erst als Flugbegleiterin, dann als Journalistin die Welt bereist. Liebt jedes Land – besonders die, in denen französisch gesprochen wird und Wein auch aus Tüten ... mehr
#Trending
Zur
Startseite