So geht’s: Meeresschildkröten adoptieren

Wie ich plötzlich 83-fache Schildkröten-Mama wurde

Eine gute Tat mit Folgen: reisereporterin Leo Bartsch hat in Costa Rica ein Schildkrötennest adoptiert. Als sie schon lange wieder zu Hause ist, bekommt sie eine herzerwärmende Nachricht.

Dank des Schutzprojekts von Punta Banco in Costa Rica können diese kleinen Babys einer vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten-Art sicher ins (Meer-)Leben starten.
Dank eines Schutzprojekts können diese kleinen Babys einer vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten-Art sicher ins (Meer-)Leben starten.

Foto: instagram.com/Tortugas Punta Banco

Alle Meeresschildkröten-Arten gehören zu den bedrohten Tierarten. Dazu tragen die Verschmutzung ihres Lebensraumes und der Fischfang bei, nicht zuletzt aber auch der Mensch ganz direkt. Denn: Seit Jahrhunderten wird die Schildkröte aufgrund ihres Fleisches, der Eier oder des Panzers gejagt.

Zum Glück gibt es Schutzprojekte für diese wunderschönen Tiere – eines davon befindet sich im Süden Costa Ricas. Dort ging ich nachts mit auf „Tortugas-Patrouille“ und erhielt Wochen später ein berührendes Urlaubssouvenir.

Die erste Begegnung mit einer Wasserschildkröte

Ich hatte schon immer ein Herz für Schildkröten. Als ich elf Jahre alt war, wollte ich gern eine Wasserschildkröte als Haustier haben, es sollte jedoch noch weitere 17 Jahre dauern, bis ich einer begegnete. So richtig. In freier Wildbahn, nicht im Zoo.

Das war beim Surfen – auf einmal tauchte dieser Kopf neben mir auf, und nach einem ersten Schreck konnte ich die Augen nicht mehr von diesem magischen Tier losreißen. Trotz ihres Gewichts von bis zu 160 Kilo gleitet sie elegant durchs Wasser und kommt nur zum Atmen an die Oberfläche.



Meeresschildkröten sind faszinierende Tiere – wusstest du zum Beispiel, dass sie die ältesten noch lebenden Reptilien sind? Seit 220 Millionen Jahren bevölkern sie unseren Planeten und haben damit die Dinosaurier überlebt. Geheimnisvoll ist auch ihr Orientierungssinn: Ein Leben lang reisen die Meeresschildkröten durch die Ozeane und legen unglaublich weite Strecken zurück. Dennoch finden sie, vermutlich dank einer Art „inneren Landkarte“, immer wieder an den Ort ihrer Geburt zurück, wo sie dann selbst nisten.

An dem Punkt komme ich ins Spiel: Im Süden Costa Ricas, in einem kleinen Örtchen namens Punta Banco, durfte ich live dabei sein, als ein großes Tortuga-Weibchen seine Eier ablegte. Der Küstenabschnitt ist eine bekannte Brutstätte der gepanzerten Ozeanbewohner, und daher hat sich ein Schutzprojekt hier etabliert. 

Das „Proyecto Conservación Tortugas“ ist ein Netzwerk aus lokalen Tierschützern, die dafür sorgen, dass möglichst viele neugeborene Schildkröten es auch ins Meer schaffen, sodass die Meeresschildkröten irgendwann nicht mehr zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehören.

Dazu starten sie in der Brutzeit nächtliche „Tortugas-Patrouillen“, auf denen sie die frischen Nester suchen, die Eier ausgraben und in einen geschützten Brutkasten umsiedeln, damit diese nicht von Dieben geplündert werden.

Schildkröteneier gelten in einigen Kulturen bis heute als potenzförderndes Wundermittel und werden in Costa Rica illegal für rund einen Dollar pro Ei verkauft. Bei durchschnittlich 90 Eiern pro Nest ist das für viele Einheimische eine Menge Geld und somit leider sehr verlockend.


Unterwegs zum Schutz der Schildkröten

Mit Rotlicht-Taschenlampen ziehen wir gegen 23.30 Uhr leise los, immer den Strand entlang, und halten Ausschau. Während ich mir erst nicht recht vorstellen kann, wonach genau man gucken muss, erkenne ich die Schleifspuren im Sand sofort, als ich sie sehe: Hier hat sich eine riesige Meeresschildkröte den Strand hochgeschleppt, um mit ihren Flossen ein Loch zu graben, und legt dort nun seelenruhig ihre Eier. 

Es ist für mich so ein berührendes Erlebnis, dass ich am liebsten vor Glück weinen möchte. Ei für Ei plumpst hier neues Leben in den Sand. Als sie fertig ist, buddelt sie das Loch wieder zu und klopft den Sand mit ihren Flossen und ihrem ganze Körper fest, bevor sie sich dann Richtung Wasser bewegt und im Dunkeln verschwindet.

Die Babys, die in den Eiern wachsen werden, sind nun auf sich allein gestellt. Wobei – nicht ganz. Schließlich sind wir da! Vorsichtig gräbt unser Guide die Eier aus und rettet sie so vor potenziellen Wilderern. Jeden Tag vollbringen die Freiwilligen in Punta Banco so eine kleine Heldentat und machen die Welt ein Stückchen besser.

Kurz vor meiner Abreise beschließe ich, einen Teil meines Restbudgets der Reise zu spenden, und adoptiere symbolisch ein Nest. Mein Name wird als Dank auf einem Schild an den Brutkasten genagelt, und mit ihm bleibt auch ein kleines Stück meines Herzens bei den Meeresschildkröten in Costa Rica. Ich habe hier viel gelernt, ein unglaubliches Erlebnis gehabt und dabei auch noch eine tolle Sache unterstützt. Deshalb fliege ich mit einem guten Gefühl nach Hause.

Die Babys sind geschlüpft

Ein paar Wochen später erhalte ich eine Videobotschaft aus Costa Rica, die mir die Tränen in die Augen treibt: Mein Nest ist geschlüpft! Die 83 kleinen Meeresschildkröten werden am Strand ausgesetzt und krabbeln begeistert ins Wasser.

Sie wissen sofort, wohin sie müssen, und werden nun einen weiten Weg vor sich haben. Durchschnittlich überlebt nur eine von ihnen, aber die wird irgendwann, wenn die Zeit reif ist, wieder an diesen Strand in Süd-Costa-Rica zurückkehren.

So wurde ich zur überglücklichen Schildkrötenmama, und dieses Video ist das berührendste Urlaubssouvenir aller Zeiten.

Wenn du auch ein Nest adoptieren oder das Tortugas-Projekt in Punta Banco unterstützen möchtest, kannst du das über die Website tun, oder such dir einfach ein Schutzprojekt, das dich anspricht.

Wenn du mehr über die Reisen der Meeresschildkröten erfahren willst, empfehle ich dir diesen spannenden Dokumentarfilm.

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