Während im Tal schon längst die Tulpen sprießen, ist auf den Gletschern im Südwesten Tirols der Schnee sicher. In 3.000 Metern Höhe verheißt die angetaute Schneedecke, der sanfte Firn, gefühlvolle Schwünge im Sonnenlicht. Doch so manchem Skifahrer reicht der sportliche Hochgenuss nicht. Er kehrt ein, um auf dem Dach Tirols wertigen Wein zu probieren.

Firn, Wein & Genuss heißt das zweitägige Event zum Saisonende im April, bei dem Spitzenwinzer aus ganz Österreich alljährlich ihre besten Weine in der Pitztaler Bergwelt präsentieren. Dazu gehört die „höchste Weinverkostung Österreichs“: Im trendigen Café 3.440 mit frei schwebender Terrasse und Panoramaglasfront begrüßt dann Hüttenwirt Sepp Eiter Gäste, die mit der Wildspitzbahn eingeschwebt kommen.

Schmeckt der Wein auf dem Gipfel anders?

Gegen Mittag stapft der Weinfreund mit Skistiefeln von Stand zu Stand, nippt hier am Niederösterreicher Zierpfandler, dort am Cabernet Sauvignon aus der Steiermark, am Blaufränkischen aus dem Burgenland und plaudert mit den Weinproduzenten, die ihre Flaschenkisten mal eben für ein paar Stunden auf den Dreitausendergifel geschafft haben.

Ob denn der Wein in 3.440 Metern Höhe anders schmeckt? Weinkenner schütteln den Kopf. Hier oben geht’s mehr um die Gaudi. Zur Gaudi dazu gehört auch eine ordentliche Brotzeit, Semmeln, Weißwürstl und Leberkäs’ – schließlich will man den Berg auch wieder hinab. „Zur Not“, sagt der Tourismusverbandsfunktionär Bruno Füruter, „fährt man eben mit der Bahn runter.“

Spitzenköche tischen auf

Schade wäre das. Kannst du dir doch vor der Tür des Panoramacafés direkt die Ski anschnallen und die 41 Pistenkilometer (und Offtrack-Varianten) der miteinander verbundenen Skigebiete Pitztaler Gletscher und Rifflsee erkunden, von denen viele noch im Frühjahr feinsten Schnee aufweisen. Dazu gibt es herrliche Ausblicke über die Gletscherwelt mit der Zugspitze, der Silvretta-Gruppe, dem Großglockner, den Ötztaler und Stubaier Alpen.

Doch die Weinverkostung am Mittag ist erst der Anfang. Am Abend lassen es Einheimische und Touristen dann bei der Wein- & Gourmetnacht im Tal krachen. Im Gasthof Pitztaler Alm ist allerdings Abendgarderobe angesagt, wenn Tirols Spitzenköche auftischen.

Auch die Winzer sind runter vom Berg, einige von ihnen werden im beheizten Festzelt von einer Jury für ihre besonderen Jahrgänge ausgezeichnet. Was wie ein Klassentreffen heimischer Touristiker wirkt, soll weit über die Grenzen des Pitztals hinausstrahlen. Mittlerweile gebe es schon so einige Nachahmer, sagt Touristiker Bruno Füruter und lächelt auf typische Tiroler Art, das bedeutet, dass er auch das Gegenteil meinen kann. Tatsächlich hat Pitztals direkter Nachbar, das Ötztal, sein ähnliches Event Wein am Berg schon ein paar Jahre länger im Programm.

Ein Berg der Superlative 

Noch vor Kurzem galt das Pitztal im Contest als eher genügsam. Doch seit 2013 die Wildspitzbahn in Betrieb genommen wurde und Gäste ins ewige Eis auf den 3440 Meter hohen Brunnenkogel befördert, befindet sich die 7400-Einwohner-Gemeinde im Höhenrausch. „Wir sind die Höchsten – so etwas lässt sich doch gut kommunizieren“, sagt Füruter. Immerhin bringen die mit Sitzheizung ausgestatteten Achtergondeln Touristen zum „höchsten Café“ mit dem „höchsten WLAN-Anschluss“ Österreichs und einem Gastronomieangebot „auf der Höhe der Zeit“. Auch die Investition war ein Superlativ: Gut 20 Millionen Euro hat die höchste Seilbahn Österreichs gekostet.

Einen Höhenrausch kann indes auch bekommen, wer den Einkehrschwung am zweiten Festtag nimmt – zur exklusiven Champagnerverkostung in der Gletschereishöhle. Und im Anschluss wartet schon das Weinfest im Tal, bei dem nebst regionalen Schmankerln und zünftiger Musik auch der aktuelle Firnwein Verkostungspremiere hat. Wer da im Firn allerdings noch Ski fahren will, sollte besser ein paar Tage dranhängen.