Usedomer Bernsteinbäder | reisereporter.de
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Usedomer Bernsteinbäder: sagenumwobene Orte

Wie Perlen einer Kette reihen sich die Seebäder Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz in der Mitte der Ostseeinsel Usedom aneinander. Weil sie dort sehr schmal ist, erlebst du dort das echte Inselgefühl.

Usedomer Bernsteinbäder von oben
Luftaufnahme Usedomer Bernsteinbäder

Foto: Foto Adrion

Heller Sandstrand, flache Dünenlandschaft, Buchenwälder und Steilufer entlang der Ostseeküste; Schilf gesäumte Ufer, reizvolle Landschaften und romantische Sonnenuntergänge am Achterwasser – in der Mitte der Ostseeinsel Usedom findest du so viel Ruhe wie sonst nirgends.

Die ehemaligen Fischerdörfer auf der Insel haben sich mit ihren reetgedeckten Häusern und idyllischen Häfen ihre Ursprünglichkeit und ihren maritimen Charakter bewahrt.

Zempin: das kleinste Seebad Usedoms

Der historische Ortskern des ehemaligen Fischer- und Bauerndorfes liegt am Achterwasser. Dort versteckt sich auch der kleine Anglerhafen von Zempin im Schilf. Wenn du es lieber lebhafter magst, gehst du stattdessen zum Kurplatz direkt am Ostseestrand. Im Sommer pulsiert dort das Leben.

Geschichtsfans können in der Ausstellung „Uns olle Schaul“ in der ehemaligen Schule alles über die Geschichte des Fischerdorfes erfahren. Da, wo früher Kinder die Schulbank drückten, kannst du dir heute Bootsmodelle und einen liebevoll rekonstruierten Kolonialwarenladen aus dem Jahre 1928 angucken.

Statt großer Ketten gibt es in Zempin kleine Hotels, familiäre Pensionen und gemütliche Ferienwohnungen.

Fischerboot am Strand
Fischerboot am Strand von Stubbenfelde Foto: Günter Kamp

Kunst und Tradition in Koserow

Koserow liegt in der schmalen Mitte der Insel am Fuß des Streckelsberg. Mit 58 Metern über dem Meeresspiegel ist er die höchste Erhebung an der Usedomer Küste. Im Buchenwald bei Koserow kannst du prima spazierengehen. Im Frühjahr wirst du dort über die vielen Leberblümchen staunen, die den Boden des Buchenwaldes wie ein Teppich bedecken.

Bei einem Spaziergang auf dem Steilufer hast du einen sensationellen Blick auf die Ostsee bis nach Rügen und Wollin. Wenn du ein Kulturfan bist, solltest du dir unbedingt das Anwesen von Otto-Niemeyer-Holstein ansehen, einem der bekanntesten Künstler im Nordosten Deutschlands. 

Sein Wohnhaus mit Atlier und Skulpturengarten ist mit seiner außergewöhnlichen Architektur ein Kunstwerk für sich. Sehenswert ist auch die über 750 Jahre alte Feldsteinkirche im alten Dorfkern. In den Sommermonaten gibt es dort Theateraufführungen von „Klassik am Meer“.

In der Nähe der Seebrücke stehen denkmalgeschützte Salzhütten, in denen Fischer früher Salz lagerten und Heringe haltbar machten. Heute beherbergen sie ein kleines Museum.

Wenn du bei der Besichtigung Lust auf Fisch bekommst, kannst du anschließend im Restaurant mit eigener Fischräucherei, das ebenfalls in den Salzhütten untergebracht ist, essen gehen. Eine der urigen Katen dient sogar als kleinstes Standesamt von Mecklenburg-Vorpommern.

Ruhe und Natur im Seebad Loddin

Loddin hat nur drei Ortsteile, das ursprüngliche Fischerdorf Loddin am Achterwasser und die jüngeren Ortsteile Kölpinsee und Stubbenfelde an der Ostsee. Zwischen Ostseestrand und dem Loddiner Höft kannst du dort Erholungs-Urlaub machen. 

Der Hafen am Achterwasser ist von Schilf eingerahmt, die Häuser sind mit Reet gedeckt. Auf einer hügeligen Landzunge südlich vom Dorfkern befindet sich das Naturschutzgebiet „Loddiner Höft“. Der Kölpinsee im gleichnamigen Ortsteil ist ein Zufluchtsort für ruhesuchende Naturfans.

Hier kannst du prima Wasservögel beobachten. Am Ufer des Sees liegt auch eine schöne Orchideenwiese. Über eine Dünenpromenade mit Mehrgenerationenspielplatz gelangst du in den dritten Ortsteil der Gemeinde: Stubbenfelde. Der Orstteil liegt am Küsten-Rad- und Wanderweg und ist ein optimaler Ausgangspunkt für Insel-Entdecker.

Naturparadies Ückeritz

Das ehemalige Fischer- und Bauerndorf Ückeritz liegt mitten im Wald. Der Weg zum weißen Strand und zur Steilküste führt durch einen kleinen Buchenwald. Im Naturschutzgebiet „Wockninsee“, das in einer alten Sturmflutrinne zwischen Ostsee und Achterwasser liegt, gibt es einen Naturlehrpfad, auf dem du mehr über die Tiere und Pflanzen im Ort lernen kannst.

In den 1930er Jahren gründeten Maler und Malerinnen eine Künstlerkolonie in Ückeritz. Sie hat das Ostseebad genauso bekannt gemacht wie seine einzigartige Natur. Die Künstler wählten Ückeritz als Rückzugsort, um sich von Natur, Meer, Licht und der Weite inspirieren zu lassen. Jedes Jahr im Herbst erinnert eine Ausstellung im Haus des Gastes an die Ückeritzer Künstler und ihre Weggefährten.

Wassersportfans kommen in Ückeritz auch auf ihre Kosten. Am Achterwasser liegen der Hafen Stagnieß mit seinem Wasserwanderrastplatz und der Sportboothafen. Von dort aus kannst du auf einem Fahrgastschiff Ausflüge über das Achterwasser unternehmen, ein Elektroboot chartern oder an Segel-, Surf- oder Kite-Kursen teilnehmen.

Camper werden den Naturcampingplatz von Ückeritz lieben. Er erstreckt sich über ganze 4,5 Kilometer durch den Küstenwald.

Familie im Sonnenuntergang
Familie am Strand Foto: Mandy Knuth

Die Bernsteinhexe von Koserow

Um das Bernsteinbad Koserow ranken sich Sagen und Mythen. Vor seiner Küste soll die versunkene Stadt Vineta gelegen haben. Sie soll in einer Sturmflut untergegangen sein, weil ihre Bewohner arrogant und verwschwenderisch lebten.

In den Höhlen des Streckelsbergs soll der berühmte Seeräuber Klaus Störtebecker ein Versteck gehabt haben. Das Bernsteinbad dient außerdem Schauplatz für den Roman „Die Bernsteinhexe“ des Koserower Pfarrers Wilhelm Meinhold.

Als es 1843 veröffentlicht wurde erregte das Buch großes Aufsehen, weil zum ersten Mal ein Autor einen mittelalterlichen Hexenprozess und das Elend der Bevölkerung während des Dreißigjährigen Kriegs beschrieb. 

Das Buch beschreibt die Legende der Pfarrerstochter Maria Schweidler, die im Streckelsberg eine Bernsteinader gefunden haben und mit dem Erlös die Hungersnot der Koserower Bevölkerung gelindert haben soll. Wegen ihres unerklärlichen Reichtums wurde sie von einem verschmähten Verehrer der Hexerei bezichtigt. Graf Rüdiger von Nienkerken rettete sie in letzter Sekunde vom Scheiterhaufen.

Bernstein am Strand
Bernstein Foto: Mandy Knuth

Bernstein an der Ostsee

Die vier Orte in der Inselmitte heißen nicht ohne Grund Bernsteinbäder. Am Fuße der Steilufer kannst du das „Gold des Meeres“ recht häufig finden.

Bernstein gibt es im gesamten Ostseeraum. Wusstest du, dass er aus dem Harz der Nadelwälder entstand, die von der heutigen Ostsee überflutet wurden? Das Harz war Millionen von Jahren in tiefe Sediment- und Gesteinsschichten luftdicht eingeschlossen. Unter dem Druck entstand der Bernstein.

Das fossile Harz war schon in der Antike ein wertvolles Handelsgut. Das weiche Material lässt sich leicht zu Schmuck und Kunstobjekten verarbeiten. Es wird außerdem als Heilstein oder Handschmeichler verwendet. Im Mittelalter glaubten die Menschen, es habe magische Funktionen.

Heute wird ihm schmerzstillende, beruhigende Wirkung nachgesagt. Das Wort Bernstein kommt vom niederdeutschen „bernen“ (brennen) und bedeutet eigentlich Brennstein. Tatsächlich lässt sich Bernstein entzünden. Priester verbrannten ihn wegen seines aromatischen Geruchs früher auch als Weihrauch-Ersatz.

Bernsteine gibt es in allen Farbnuancen von hellgelb bis braun. Wenn du sie polierst, schimmern sie im Licht wie klarer Honig. Die Steine aus Harz sind kaum schwerer als Wasser. Deshalb schwimmen sie auf Salzwasser. Besonders im Winter, wenn das kalte salzige Meerwasser eine höhere Dichte hat, spülen die Ostseewellen die leichten Bernsteine an den Strand.

Nach Herbst- und Winterstürmen hast du die besten Chancen, die Steinchen zu finden. Meistens verstecken sie sich im Spülsaum zwischen leichtem Tang, kleinen Holzstückchen und Muscheln. Die Usedomer Bernsteinbäder feiern das „Gold des Meeres“ jedes Jahr feiern  mit einer Bernsteinwoche.

Bei Vorträgen, Wanderungen, Führungen und Workshops zum Bernsteinschleifen kannst du alles über das Naturprodukt erfahren. Es gibt sogar eine Bernsteinprinzessin. Sie wirbt für die Bernsteinbäder auf Messen, Festen und Veranstaltungen.

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