Usedomer Bernsteinbäder | reisereporter.de
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Die Bernsteinbäder auf der Ostseeinsel Usedom

Die Ostseeinsel Usedom ist ein Naturparadies. Die landschaftliche Vielfalt aus endlosem Sandstrand, Buchen- und Kiefernküstenwäldern, hügeligen Endmoränen, Mooren und Salzwiesen wird dich faszinieren.

Bernstein am Strand.
An Usedoms Stränden kannst du mit etwas Glück Bernstein finden.

Foto: © Mandy Knuth

In der Mitte der Insel reihen sich die Seebäder Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz wie Bernsteine an einer Kette aneinander. An der schmalsten Stelle liegen Ostsee und Achterwasser dicht beieinander. Hier spürst du echtes Inselgefühl. Entlang der Ostseeküste verläuft heller Sandstrand und erheben sich imposante bewaldete Steilufer. Am Achterwasser verströmen mit Schilf gesäumte Ufer und romantische Sonnenuntergänge eine wunderbare Ruhe. Mit ihren reetgedeckten Häusern und idyllischen Häfen haben sich die ehemaligen Fischerdörfer ihre Ursprünglichkeit und ihren maritimen Charakter bewahrt. 

Zempin ist das kleinste Seebad Usedoms. Verträumt liegt der historische Ortskern mit seinen rohrgedeckten Häusern am Achterwasser, während rund um den Kurplatz am Ostseestrand im Sommer das Leben pulsiert. Alles über seine Geschichte als Fischerdorf kannst du in der Ausstellung in der ehemaligen Schule „Uns olle Schaul“ erfahren. 

Der Streckelsberg, die höchste Erhebung an der Usedomer Küste, prägt das Ostseebad Koserow. Vom Steilufer genießt du einen sensationellen Blick auf die Ostsee. Kulturelles und Traditionelles bieten das Atelier des Malers Otto-Niemeyer-Holstein, die historischen Koserower Salzhütten und die Theaterreihe „Klassik am Meer“.

Das Seebad Loddin erstreckt sich vom ursprünglichen Fischerdorf am Achterwasser zu den jüngeren Ortsteilen Kölpinsee und Stubbenfelde an der Ostsee. Das Naturschutzgebiet „Loddiner Höft“ und der Kölpinsee sind Refugien für ruhesuchende Naturliebhaber.

Ein wahres Naturparadies ist auch das Ostseebad Ückeritz, das gänzlich von Wald umgeben ist. Reizvoll sind das Naturschutzgebiet „Wockninsee“, der Hafen Stagnieß und der Sportboothafen. Auf einer Länge von 4,5 Kilometern erstreckt sich der Naturcampingplatz „Am Strand“ durch den Küstenwald. Die Künstlerkolonie, die in den 1930er Jahren von bedeutenden Malern und Malerinnen gegründet wurde, hat das Ostseebad bekannt gemacht.

Usedomer Bernsteinbäder von oben
Luftaufnahme Usedomer Bernsteinbäder Foto: Foto Adrion

Schatzsuche am Strand der Bernsteinbäder

Wenn im Herbst die letzten Sommergäste abgereist sind und die Tage kürzer werden, wird es ruhig in den Bernsteinbädern. Das Laub der Alleen und Wälder leuchtet in den buntesten Farben und die Natur zeigt sich von einer besonders schönen Seite. Auch der Winter hat auf der Ostseeinsel einen besonderen Reiz, wenn die zauberhafte Winterlandschaft eine herrliche Ruhe verströmt. Jetzt ist die beste Zeit, ausgedehnte Spaziergänge am menschenleeren Strand zu unternehmen und Kraft in der Natur zu tanken. Wenn die Herbst- und Winterstürme über die Ostsee fegen und tosende Wellen an den Strand schlagen, wirst du die belebende Kraft der Naturgewalten hautnah spüren.

Paar am Strand.
Mit etwas Glück findest auch du am Strand einen Bernstein. (Symbolbild) Foto: © Mandy Knuth

Im Herbst und im Winter kannst du dich an den Stränden der Bernsteinbäder sogar auf Schatzsuche begeben. Halte auf deinen Wanderungen Ausschau nach gelb leuchtenden Steinchen im Spülsaum. Tatsächlich sind um diese Jahreszeit die Chancen besonders groß, hier Bernstein zu finden. Allerdings musst du früh aufstehen, denn viele Einheimische und Gäste werden vom Bernsteinfieber gepackt.

Mann im Wasser sucht Bernstein.
Auch die Einheimischen sind immer fleißig am Bernstein suchen. Foto: Matthias Gründling

Nicht zufällig haben sich die vier Orte in der Inselmitte „Bernsteinbäder“ getauft. Gerade am Fuße der Steilufer kannst du das „Gold des Meeres“ relativ häufig finden. Wenn Herbst- und Winterstürme die Ostsee aufwühlen, wird der leichte Bernstein an die Oberfläche getrieben und an den Strand gespült. Insbesondere bei Temperaturen von 4 Grad, wenn das salzige Ostseewasser die größte Dichte aufweist, gerät Bernstein ins Schweben. Wenn Bernstein angespült wird, verstecken sich die kleinen Stückchen meist im Spülsaum zwischen Muscheln, Treibholz und Seegras. Ambitionierte Bernsteinjäger fischen die „Tränen der Götter“ mit Käschern aus dem Flachwasser, bevor die Ostsee sie wieder ins weite Meer zurückspült

Bernstein – Das Gold des Meeres

Ob du tatsächlich Bernstein gefunden hast, kannst du auf verschiedene Weise testen. Wenn du das Stückchen vorsichtig an einen Zahn klopfst, erkennst du ihn an seinem dumpfen Klang. Eine Salzlösung verrät es dir auch: Wenn die Steinchen schwimmen, handelt es sich um Bernstein. Bernstein lädt sich elektrostatisch auf. Größere Stückchen ziehen kleine Papierschnipsel an, wenn du sie mit einem Wolltuch reibst. Außerdem lässt sich Bernstein entzünden und verströmt dabei einen harzig-aromatischen Geruch. Deshalb verbrannten Priester ihn in früheren Zeiten auch als Weihrauch-Ersatz. Tatsächlich leitet sich das Wort Bernstein vom niederdeutschen „bernen“ (brennen) ab und bedeutet eigentlich Brennstein.

Bernstein in der Sonne.
Bernstein ist für Laien nicht immer leicht zu erkennen. Foto: © Mandy Knuth

Ungeübte Sammler erkennen Bernstein oft nicht, denn die Farben der Bernsteine variieren stark. Je nach Einflüssen wie Sauerstoff, Mineralien oder Transportwege gibt es ihn von hellgelb, rötlich, braun bis fast schwarz. Manchmal leuchtet er durchsichtig wie Honig, manchmal ist er trübe. Klare Stückchen wurden meist in tiefen Sedimentschichten konserviert oder beim Transport im Sand glatt geschliffen. Wenn Bernsteine mit Sauerstoff in Berührung kommen, oxidieren sie und bilden eine Verwitterungskruste. 

Bernstein hat die Menschen seit jeher fasziniert und galt zu allen Zeiten als Zeichen von Luxus und Macht. Das berühmteste aus Bernstein gefertigte Kunstwerk war ohne Zweifel das Bernsteinzimmer. Bereits seit der Steinzeit wurde Bernstein in der Heilkunde, im Handwerk und als Tausch- und Handelsgut verwendet. Im Mittelalter wurde ihm magische Wirkung zugesprochen und sollte gegen Unfruchtbarkeit, Hexen und Dämonen schützen. Noch heute wird dem Bernstein schmerzstillende und beruhigende Wirkung nachgesagt. So sollen Bernsteinkettchen Kleinkindern das Zahnen erleichtern.

Bernsteinschleifen und Schmuckstücke

Bernstein gilt als einer der beliebtesten Schmucksteine überhaupt. Da das „Gold des Meeres“ aus fossilem Harz besteht, ist er relativ weich und lässt sich sehr gut bearbeiten. In den Bernsteinbädern Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz kannst du unter fachkundiger Anleitung eines professionellen Bernsteinschleifers dein persönliches Souvenir aus Bernstein anfertigen. Seien es Handschmeichler, kleine Skulpturen oder ein individuelles Schmuckstück: Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Bernstein lässt sich wunderbar mit besonderen Treibhölzern und hübschen Muscheln zu interessanten Kreationen kombinieren. Beim Schleifen wirst du den würzigen Duft des Harzes wahrnehmen. Großes Glück hast du, wenn im blanken Bernstein ein Einschluss zu erkennen ist. Die so genannten Inklusen entstanden, wenn Insekten wie Fliegen, Mücken oder Ameisen auf dem flüssigen Harz kleben blieben und unter den Harzschichten wie in einem gläsernen Sarg begraben wurden. Bernsteine mit Einschlüssen sind wegen dieser über Millionen Jahre konservierten Lebensformen wissenschaftlich höchst interessant. Eindrucksvolle Exemplare kannst du in verschiedenen Museen des Landes bewundern.

Bernstein wird bearbeitet.
Auf Usedom hat die Handwerkskunst mit Bernstein eine lange Tradition. Foto: Matthias Gründling

Solltest du an den Stränden der Bernsteinbäder nicht fündig werden, kannst du Naturbernsteine, hübsche Kunstgegenstände und individuellen Bernsteinschmuck in den Souvenir- und Schmuckläden der Insel erwerben. Sie werden dich das ganze Jahr über an deinen Urlaub in den Bernsteinbädern erinnern.

Themenwoche Bernstein

Im Frühjahr, mit Beginn des Osterfestes, widmen die Bernsteinbäder dem kostbaren Naturmaterial eine ganze Veranstaltungswoche. Während der Bernsteinwoche kannst du an Bernsteinwanderungen teilnehmen, in Workshops Bernsteine schleifen und zu Schmuckstücken verarbeiten.

Sagen & Mythen – Die Bernsteinhexe

Um die „Tränen der Götter“ ranken sich auch zahlreiche Sagen und Mythen. Der Legende nach soll die Koserower Pfarrerstochter Maria Schweidler im Streckelsberg eine Bernsteinader gefunden und mit dem Erlös die Hungersnot der Bevölkerung gelindert haben. Wegen ihres unerklärlichen Reichtums wurde sie von einem verschmähten Verehrer der Hexerei bezichtigt. Erst in letzter Sekunde rettete sie Graf Rüdiger von Nienkerken vom Scheiterhaufen. Die Geschichte der „Bernsteinhexe“ hatte der Koserower Pfarrer Wilhelm Meinhold im Jahr 1843 niedergeschrieben. 

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