Skigebiete lieben Superlative: Die meisten Pistenkilometer, die steilsten Hänge, die größte Hüttengaudi. Während sich vor allem in Österreich große Regionen wie Ischgl, Saalbach, Sölden oder Kitzbühel Jahr für Jahr um führende Positionen in Rekord-Rankings streiten, gehen die Skizentren auf der Südseite der Alpen oft andere Wege. Mehr Klasse statt Masse, lautet das Motto vor allem rund um die Dolomiten.
 

Schneesicher bis in den April

 

Beispiel: Das Ski-Center Latemar-Obereggen (auf 1.550 bis 2.500 Metern Höhe), gut 20 Kilometer östlich von Südtirols Provinzhauptstadt Bozen. Das grandiose Dolomiten-Panorama unterhalb des Latemars galt schon länger als Geheimtipp unter Skifahrern. 2009 wurde das Gebiet noch geadelt, die Unesco hatte die Dolomiten in den Status eines Naturdenkmals erhoben. Ein Ritterschlag mit touristischer Signalwirkung für den Sommer. Im Winter wäre die Unesco-Urkunde aber nur wenig wert, wenn sie im Gebiet zwischen Obereggen, Pampeago und Predazzo im Fleimstal nicht jene Meisterschaft entwickelt hätten, auf die Skifahrer größten Wert legen: Die perfekte Pistenpflege und hundertprozentige Schneegarantie.

Rund 200 Schneekanonen sorgen dafür, dass in Obereggen-Latemar auch ohne größere Schneefälle bis weit nach Ostern in den April Skifahrer und Snowboarder nach Frühjahrsbeginn noch auf ihre Kosten kommen. Wobei es dabei keine Probleme mit Umweltschützern gibt. Der Kompaktschnee werde zu 100 Prozent aus nachhaltiger Südtiroler Wasserkraft produziert, versichern die Verantwortlichen. Wie generell in Obereggen großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird.

Wedeln im Weltnaturerbe

Der Ort wird mit erneuerbaren Energieträgern beheizt, auch der Strom für die Seilbahnen und Beschneiungsanlagen ist grün. Mit der Schneegarantie und dem Dolomiten-Romantik-Faktor hat sich Obereggen-Latemar seit seinem Start 1970 zu einem der attraktivsten Skigebiete im südlichen Alpenraum entwickelt. Wedeln, Carven und Winterwandern mitten im Weltnaturerbe, das verfehlt seine Wirkung nicht. Wer am Tag nicht genug bekommt, der kann sich abends auf der von 19 bis 22 Uhr beleuchteten Oberholz-Piste dreimal pro Woche noch ordentlich die Skikante geben. Der Clou parallel zur Piste: Die ebenfalls beleuchtete Rodelbahn für eine zünftige Gaudi auf zwei Kufen.
 
Auf den 100 Pistenkilometern (18 Lifte) kommen auch Könner nicht zu kurz. Die wunderbar gelegene Absam-Maierl-Abfahrt (tiefrot) oder die schwarze Piste vom Zangen (Sprachgrenze von Südtirol zum Trentino) müssen erst mal gefahren werden und sind für Anfänger nur bedingt zu empfehlen. Dazwischen gibt es aber jede Menge breite Pisten für jedermann und einen Snowpark mit Halfpipe, der auch Snowboarder und Freestyler zufriedenstellt. Was sich in jedem Fall auch von den Hütten sagen lässt: keine Massenabfertigung, sondern eine Melange aus italienischer und Südtiroler Küche wie etwa in der Mayrl-Alm (2050 Meter) am Rand der Absam-Abfahrt. Wer hier einkehrt, der genießt „La dolce vita“ auf Skiern. Wenn die Sonne dann scheint, wie so oft in Südtirol, ist das eine unschlagbare Wintermischung.