Monowi: In der kleinsten Stadt der USA lebt nur eine Frau

Monowi: In der kleinsten Stadt der USA lebt nur eine Frau

Jedes Jahr wählt sie sich selbst zur Bürgermeisterin und zahlt Steuern an sich selbst: Elsie Eiler (84) ist die einzige Bewohnerin des ansonsten verlassenen Örtchens Monowi. Ein Einblick in den verrückten Alltag der kleinsten Stadt der USA.

Ortsschild von Monowi, der einzigen Stadt in den USA mit nur einem Einwohner.
Monowi, Einwohnerzahl: 1. Dieses Schild begrüßt Besucher am Ortseingang.

Foto: Instagram/Alexander Lai (Screenshot)

Im abgeschiedenen Norden des US-Bundesstaats Nebraska liegt Monowi inmitten endloser Weizenfelder. Nur eine buckelige Schotterpiste führt in das Dorf. Auf dem Schild am Straßenrand prangt über dem Ortsnamen eine große Eins. Heißt: Ein Einwohner lebt an diesem verlassenen Fleckchen Erde. 

In Monowi (USA) lebt nur eine Person

Seit ihr Mann Rudy vor 14 Jahren gestorben ist, wohnt Elsie Eiler mutterseelenallein in Monowi. Kein Nachbar, kein anderes Geschäft außer ihrer Kneipe ist übrig geblieben. Ihre Kinder zogen schon nach der Schule aus dem Kaff weg, aber: Allein fühlt sie sich nicht.

In einem Interview mit der BBC erklärt sie: „Morgens um neun Uhr öffne ich die Bar, und es kommen Trucker, Händler und Kunden.“ Ihre Gastwirtschaft sei ein Treffpunkt für viele, und alle würden sich bei ihr willkommen fühlen. Viele kämen auch nur auf einen Kaffee und um zu sehen, ob es Elsie Eiler gut gehe. Meistens sei sie rund zwölf Stunden im Laden, bis sich der letzte Gast verabschiede und sie bis zum nächsten Tag schließen könne.

Ein Beitrag geteilt von Newsgur (@newsgur) am

Barbesitzerin und Bürgermeisterin in einem

Neben der Bar hat sie, als einzige Einwohnerin, aber noch andere Aufgaben. So ist Eiler gleichzeitig Bürgermeisterin (viel Wettbewerb gebe es bei den Wahlen nicht) und einzige Wählerin. Wenn sie die Ausschanklizenz für ihre Bar beantragt, schickt der Staat die Anfrage an die Sekretärin der Stadt (Eiler selbst), die als Beamtin (auch Eiler) die Lizenz ausstellt und an die Barbesitzerin (wieder Eiler) „weiterleitet“.

500 US-Dollar (umgerechnet etwa 400 Euro) Steuern zahlt sie im Jahr an sich selbst, um die drei Straßenlaternen leuchten und das Wasser fließen zu lassen. 

Die Geschichte der kleinsten Stadt der USA

In den 1930ern ist Monowi ein florierender Landwirtschaftsort, 150 Leute wohnen hier, es gibt eine Schule, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, eine Kirche. Ihren späteren Mann Rudy lernt Elsie im einzigen Klassenraum der Schule kennen, mit 19 heiraten beide.

Als sie sich 1971 entschließen, die ehemalige Taverne von Elsies Vater wiederzubeleben, sind die anderen Geschäfte der Stadt bereits geschlossen: Schlechtere Landwirtschaftsbedingungen sorgten dafür, dass viele Einwohner wegzogen, die übrigen verstarben nach und nach. Heute ist Elsie die einzige Einwohnerin.

Skurriles Reiseziel

Mittlerweile ist Monowi in den USA, aber auch außerhalb, eine schrullige Berühmtheit: Menschen aus 47 US-Bundesstaaten haben Eiler bereits besucht, ebenso wie Reisende aus mehr als 40 Ländern weltweit.

Solltest du selbst die beeindruckende Dame mal besuchen, kannst du deinen Namen unter den anderen in einem der vier Gästebücher verewigen.

Auch wenn viele ihre Entscheidung nicht verstehen – Elsie Eiler kann sich ein Leben außerhalb von Monowi, wo sie aufgewachsen ist, nicht mehr vorstellen: „Ich habe wirklich keinerlei Bedürfnis, irgendwo anders zu leben. Mir geht es gut hier.“

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite