Bucket Lists zerstören Hotspots – reise lieber hierhin

Bucket Lists zerstören Hotspots – reise lieber hierhin

Vergiss mal Venedig, den Yellowstone-Nationalpark und den Taj Mahal. Reise lieber an Ziele, die nicht auf jeder „Diese Orte musst du unbedingt gesehen haben!“-Liste stehen. Alternativen gibt’s hier.

Touristenmassen am Taj Mahal. So sieht es an vielen Bucket-List-Hotspots aus. Daher zeigen wir dir die Alternativen.
Touristenmassen am Taj Mahal. So sieht es an vielen Bucket-List-Hotspots aus. Daher zeigen wir dir die Alternativen.

Foto: pixabay.com/SuzyT

Einmal in Venedig Gondel fahren. Einmal den Machu Picchu sehen. Einmal auf das Empire State Building fahren. Alles typische Punkte für eine Bucket List. Und es war noch nie so einfach wie heute, Punkte auf der Bucket List abzuhaken: Günstige Flüge und Unterkünfte à la Airbnb machen es möglich.

Und genau hier liegt das Problem: Die Punkte stehen auf ganz vielen Reise-Bucket-Lists und werden dementsprechend überrannt. Stichwort Overtourism. Venedig, der Machu Picchu, Mallorca oder Neuseeland sind vom Andrang überfordert und ergreifen Gegenmaßnahmen.

Es wird Zeit, als Urlauber ein paar nicht so ausgetretene Wege zu gehen. Für jeden dieser Hotspots gibt es Alternativen, die genauso schön, aber weniger überlaufen sind. Hier sind ein paar Inspirationen:

Chioggia statt Venedig

Venedig, diese wunderschöne und eigentlich romantische Stadt, ist selbstverständlich eine Reise wert. Aber Touristen überrennen dieses Idyll: Fast 30 Millionen Besucher kommen jährlich, viele davon Tagestouristen. Venedig will die Kreuzfahrtkolosse zwar aus der Altstadt verbannen, das wird aber wohl nicht verhindern, dass sich auf dem Markusplatz und am Canal Grande die Massen wälzen.

Die kleine Fischerstadt Chioggia liegt im Süden von Venedigs Lagune, lockt mit einer übersichtlichen Altstadt inklusive Kanälen, Brücken und Stegen. Klar, die Vigobrücke ist nicht zu vergleichen mit der Rialtobrücke – aber dafür drängelt hinter dir niemand, weil er auch ein Foto machen will.

Was du dir angucken solltest: Den Corso del Popolo (die 830 Meter lange Hauptstraße mit alten Palästen und Cafés) und den Hauptkanal Canal Vena (von mehreren Brücken überspannt und mit bunten Fischerbooten).

Nationalparks ohne Touristenmassen

Du willst Natur ohne Menschenmassen erleben? Dann mach in den USA einen Bogen um die Nationalparks Great Smoky Mountains, Grand Canyon, Yosemite und Yellowstone. Nach Angaben des National Park Service wollen jedes Jahr mehr als 20 Millionen Menschen diese Parks sehen.

Yellowstone wurde 1872 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark der Welt. Die Hauptattraktionen sind die wilden Tiere – Grizzlybären, Bisons und Wölfe – sowie Geysire und Schlammtöpfe. Die sind auch sehr beeindruckend.

Beeindruckend sind allerdings ebenso die Schlange an Urlaubern, die sich an den Hauptsehenswürdigkeiten entlangschiebt un in der jeder mit der Kamera im Anschlag darauf wartet, dass einer der Geysire ausbricht und eine Wasserfontäne in den Himmel schießt.

Drei Alternativen zum Yellowstone:

1. Theodore-Roosevelt-Nationalpark 

Es heißt, in dem Nationalpark im US-Bundesstaat North Dakota kommen die Bisons bis zum Campingplatz. Daher: Mehr Wildlife geht nicht. Daneben kannst du bei einer Wanderung auf einem der 19 Wege (von leicht bis schwierig) noch Elche, Wildpferde, Hirsche und mehr als 180 Vogelarten beobachten. 

2. Lassen-Volcanic-Nationalpark

Der Name ist Programm: In dem 429 Quadratkilometer großen Gebiet ist die Erde immer noch vulkanisch aktiv. Die Folge: In dem Nationalpark in Kalifornien gibt’s kochende Schlammlöcher, heiße Quellen und es tritt Dampf aus der Erde aus.

3. Custer State Park

Der State Park in South Dakota erstreckt sich über 287 Quadratkilometer und beheimatet unter anderem Bisons, Wapitis, Hirsche, Schneeziegen und Präriehunde. Du kannst dort campen, wandern, Rad fahren, schwimmen oder angeln.

Für den Grand Canyon hat mein Kollege Justus für dich gleich sechs alternative Nationalparks in Arizona herausgesucht.

Alternativen zu Cinque Terre

Der Blick auf das wunderschöne italienische Dorf Manarola ist ein Motiv, das du auf gefühlt jedem zweiten Reiseblogger-Instagram-Profil findest. Kein Wunder: Es sieht einfach wunderschön aus, wie sich die pastellfarbenen Häuser an die schroffe Küste schmiegen. 

Manarola ist eines der fünf pittoresken Dörfer der Cinque Terre. Noch vor ein paar Jahren galten die Gemeinden als Geheimtipp, heute schieben sich in der Hauptsaison Touristenhorden durch die schmalen Straßen. 2015 etwa kamen rund 2,5 Millionen Touristen. Zum Vergleich: In der gesamten Region leben gerade mal 7.000 Menschen.

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Wer eine italienische Küstenstadt ohne Menschenmassen sehen möchte, sollte sich lieber nach einer der Alternativen umsehen. Inspiration? Voilà:

Porto Venere zum Beispiel liegt einige Kilometer südlich der Cinque Terre. Der Ort ist den fünf Dörfern nicht unähnlich, hat aber keinen Anschluss ans Bahnnetz. Du musst entweder von Riomaggiore aus wandern (fünf Stunden), mit dem Bus oder Schiff anreisen. Im Jahr 1997 wurde der Ort zusammen mit den Cinque Terre zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

Sestri Levante liegt auf einer kleinen und schmalen Halbinsel in Ligurien und hat gleich zwei Buchten mit Sandstrand: die Baia delle Favole (die Märchenbucht) und die Baia del Silenzio (die Bucht der Stille). Wobei still relativ ist, denn die Italiener lieben die Bucht und bevölkern sie im Sommer.

Tipp füs Foto à la Manarola: Vom Berg Monte Castello aus hast du einen Rundumblick auf Sestri Levante und seine bunten Häuser.

Tellaro liegt südlich von Sestri Levante. Die Ortschaft gehört zur Vereinigung „I borghi più belli d’Italia“ (deutsch: Die schönsten Orte Italiens), die die kleinen, meist mittelalterlichen Zentren Italiens fördert. Die pastellfarbenen Häuser schmiegen sich hier fast genauso in die Küstenlandschaft wie bei den Cinque Terre.

Chicago statt New York

Du suchst nach einer Stadt mit einer Wolkenkratzer-Skyline, vielen Shoppingmalls, noch mehr Kultur und viel Wasser? Chicago hat alles, was auch New York hat.

Die Unterschiede: Die Stadt ist viel kleiner als der „Big Apple“. Das Stadtzentrum konzentriert sich nicht auf der Halbinsel Manhattan, sondern dehnt sich entlang des Michigansees aus. Es gibt weniger Touristen – fünf Millionen jährlich, um genau zu sein. Und die Touristen posen weniger für das perfekte Insta-Selfie, denn New York ist die am häufigsten markierte Stadt auf der Plattform.

Menorca statt Mallorca

2017 kamen rund 13 Millionen ausländische Urlauber auf die Balearen, allein zehn Millionen zog es nach Mallorca. Die Insel ächzt langsam unter dem Massentourismus: Überfüllte Strände, zu viel Müll, ständig steigende Mieten. Der Inselrat reagierte und kündigte jetzt eine Einschränkung der Vermietung von Ferienwohnungen und -häusern an.

Alternative: Menorca. Die Schwesterinsel ist deutlich kleiner als Mallorca, die Unesco erklärte sie 1993 zum Biosphärenreservat und bewahrte sie so vor Zersiedelung und Massentourismus. Hier geht es noch sehr viel entspannter zu – vorerst zumindest. Denn auch auf Menorca steigen die Urlauberzahlen, und es gibt Pläne, mehr Kreuzfahrtschiffe ankern zu lassen.

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Machu Picchu mal ’ne Nummer kleiner

Welcher Ort steht auf jeder Bucket List für Peru? Klar, Machu Picchu. Der Ort stößt allerdings an seine Kapazitätsgrenzen, daher wurde der Zugang zur berühmten Inkastadt im vergangenen Jahr zeitlich begrenzt.

Die Alternative: Choquequirao. Die teilweise ausgegrabene Ruinenstadt der Inka wurde im 18. Jahrhundert entdeckt, in Aufbau und Architektur ähnelt sie Machu Picchu. Bei einer Wanderung zu dem Ort auf 3.000 Metern Höhe erlebst du das Machu-Picchu-Feeling – aber ohne die Touristenmassen.

Das bleibt aber vermutlich nicht allzu lange so: Es gibt nämlich Pläne für eine Seilbahn, die bis zu 400 Touristen pro Stunde auf den Berg transportieren soll. Die beste Zeit fürs Trekking in den Anden ist übrigens von April bis November, dann ist keine Regenzeit.

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Taj Mahal? Lieber Itimad-ud-Daula-Mausoleum

Ist es wirklich nötig, den Punkt „Taj Mahal sehen“ von der Bucket List zu streichen? Nein, finden wir. Klar, der Bau im indischen Bundesstaat Uttar ist beeindruckend. Aber beeindruckend sind auch die Touristenmassen, die sich mit ihren Selfiesticks vor dem Mausoleum tummeln.

Die Alternative für dich: Das Itimad-ud-Daula-Mausoleum! Errichtet wurde es zwischen 1622 und 1628 von Nur Jahan, der Hauptfrau des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater Mirza Ghiyas Beg. Im Gegensatz zum Taj Mahal steht es nicht an einem Flussufer, sondern in einer Gartenanlage.

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