Körmi baute sich als Bachelor-Projekt im Architekturstudium einen Minivan zum Wohnmobil um: Den knallorange Piaggio Porter hat sie auf Ebay-Kleinanzeigen gefunden und sich dann, inspiriert von Selbstbauprojekten der Tinyhouse-Bewegung und natürlich anderen Camperausbauten, ans Design gemacht.

Körmis Bachelor-Projekt: ein Drei-Quadratmeter-Minivan-Mobil bauen.
Körmis Bachelor-Projekt: ein Drei-Quadratmeter-Minivan-Mobil bauen. Foto: Kerstin Bürk

Minimalistisches Wohnen als Zukunftskonzept

Hätte es auch etwas größer sein dürfen? Nö, denn: „Die wie zusammengeschrumpfte VW-Busse aussehenden Minivans ließen mein Herz schon immer höherschlagen“, sagt Körmi. Außerdem sei es auch eine ganz besondere Herausforderung gewesen, den kleinsten aller Vans zum mobilen Wohnraum umzugestalten.

Jetzt sind die beiden bereits seit mehr als vier Monaten an der Atlantikküste unterwegs. Allerdings geht es um weit mehr als reinen Reisespaß. „Besonders in unserer modernen Gesellschaft spielt das mobile und minimalistische Wohnen eine zunehmend wichtige Rolle“, erklärt sie.

Küche, Schlafzimmer, Bad: Mit Unterteilungen aus Holz schaffte Körmi einen Wohnraum auf drei Quadratmetern.
Küche, Schlafzimmer, Bad: Mit Unterteilungen aus Holz schaffte Körmi einen Wohnraum auf drei Quadratmetern. Foto: Kerstin Bürk

Der Kleinbus ist Büro, Atelier und Laden

Bei wachsender Bevölkerung und Digitalisierung würden neue Wohn- und Arbeitskonzepte notwendig, um das Überleben zukünftiger Generationen auf unserem überlasteten Planeten zu sichern, findet Körmi. Und während ihrer momentanen Testreise im Minimobil beweist sie so nebenbei, dass minimalistisch zu leben ziemlich cool sein kann.

Auch wenn noch einige Dinge „optimierungsbedürftig“ sind, hat sich der Van auf den letzten 10.000 Kilometern bewährt.

Der Minivan hat einen Schlaf- und Wohnbereich, Küche und Bad auf drei Quadratmetern. Zudem ist der Kleinbus auch noch ein fahrendes Büro, Atelier und ein Laden. Denn: Körmi lebt nicht nur darin, sondern arbeitet auch von unterwegs.

Der Minivan dient Körmi auch als Laden für Selbstgemachtes wie Schmuck und Kleidung.
Der Minivan dient Körmi auch als Laden für Selbstgemachtes wie Schmuck und Kleidung. Foto: Kerstin Bürk

Leben auf kleinstem Raum ist nicht immer unbeschwert

Über ihr Label Körmi Körmet vertreibt sie Surf- und Reiseaccessoires sowie Schmuck. Ihren Rolling Shop öffnet sie, wo auch immer sie gerade ist. Einen Grundbestand an Ware hat sie dabei, den Rest produziert sie an den schönsten Orten Europas, indem sie einfach ihre Schmuckstube in der freien Natur aufschlägt.

Die Inspiration gibt es bei der Umgebung dann umsonst. Tatsächlich finanziert sie so den größten Teil ihrer Reise. 

Natürlich ist so ein nomadisches Leben auf kleinstem Raum nicht immer nur unbeschwert, und die Vanlife-Realität sieht nicht immer so aus wie auf Instagram, sondern bringt auch Einschränkungen und Verzicht mit sich, erklärt sie im Gespräch mit dem reisereporter.

Leben im Minivan: Tausche Komfort gegen Freiheit

Neben Familie und Freunden fehlen Kerstin ein wenig Privatsphäre, fließendes Wasser und Strom. „Eine warme Dusche wird zum Luxus und Sand im Bett zum Dauerzustand“, sagt Körmi. Ein Ofen für Lasagne, Pizza und Kartoffelgratin wäre auch super. Ja, manchmal sind es eben die kleinen Dinge.

Körmi kocht draußen. Einen Backofen hat sie nicht.
Körmi kocht draußen. Einen Backofen hat sie nicht. Foto: Kerstin Bürk

Als Belohnung bekommt sie aber die absolute Freiheit geschenkt: „Die Freiheit, an den schönsten Orten aufzuwachen, morgens direkt ins Meer zu springen und umzuziehen, wann immer einem danach ist“, schwärmt Körmi. Auf Reisen in dem Minimalmobil werde ihr klar, wie wenig man für ein glückliches Leben wirklich braucht.

Raum für die Rückbesinnung auf das Nötigste

Trotz des Verzichts auf eine große Wohnfläche bleibt viel Raum: für Naturverbundenheit und Kreativität, für Reisebekanntschaften mit Gleichgesinnten und alte Freunde, die zu Besuch kommen, für Sonnenaufgänge in den Bergen und Sonnenuntergänge am Meer, für Abendessen bei Kerzenschein und sternenklare Nächte. 

Auch auf wenig Raum ist Platz für Freundschaft.
Auch auf wenig Raum ist Platz für Freundschaft. Foto: Kerstin Bürk

Einfach für Momente, die man sowieso niemals bezahlen könnte. Es ist die perfekte Mischung aus Unabhängigkeit und Abenteuer, die Körmi antreibt, noch ein bisschen so weiterzufahren und zu leben. „Vanlife ist eine Lebenseinstellung, die vor allem für Abenteuer, Naturverbundenheit und Freiheit steht“, sagt Körmi.

In der Vanlife-Gemeinschaft fühlt Körmi sich zu Hause

Körmi kann sich vorstellen, in drei bis vier Jahren an einem schönen Fleckchen Erde sesshaft zu werden, aber bis dahin möchte sie noch in ihrem Piaggio Porter bleiben – zumindest streckenweise. In der Vanlife-Gemeinschaft fühlt sie sich zu Hause, und ein Leben ohne ihren treuen vierrädrigen Begleiter kann sie sich nicht mehr vorstellen.

Im Vergleich zu üblichen Wohnmobilen ist Körmis Minivan ein Winzling.
Im Vergleich zu üblichen Wohnmobilen ist Körmis Minivan ein Winzling. Foto: Kerstin Bürk

Immer nach dem Motto ihres Labels „Happiness is homemade“, ist Kerstin davon überzeugt, dass man sein Glück selbst in der Hand hat.

Und das hat sie mit ihrem Camper-Projekt definitiv bewiesen: Mit kleinsten finanziellen Mitteln und auf kleinstem Raum verwirklichte sie ihren Traum vom eigenen Campingbus. „Eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben je getroffen habe“, meint sie.