Im Konzert der klangvollen Namen oberitalienischer Seen spielt der Ortasee bestenfalls die zweite Geige. Der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See stehen in der Urlaubergunst ganz weit vorne. Der westlichste See hingegen ist vor allem für die Mailänder ein beliebtes Ausflugsziel, die hier ihre Motor- und Segelboote liegen haben. Im Ausland ist der Ortasee vergleichsweise unbekannt. Nicht zuletzt deshalb nennen ihn die Italiener Cenerentola, auf Deutsch: Aschenputtel.

Klein, aber schön

 

Doch wer die romantische Schönheit des nur 13 Kilometer langen und durchschnittlich 1,5 Kilometer breiten Ortasees im italienischen Piemont erst einmal entdeckt hat, ist dem glasklaren und tiefblauen Wasser bald verfallen. Die bewaldeten Ausläufern der Alpen sind ideal für Spaziergänge und Radtouren. Manches Bergdorf scheint aus der Zeit gefallen zu sein – hier weiden wie seit alters Ziegenherden auf den Wiesen, krähen die Hähne auf dem Mist und werden Wein und Zitrusfrüchte geerntet. Auch Ausgangspunkte für hochalpine Wanderungen sind mit dem Auto schnell erreicht – bei einigen Touren geht der Blick auf das Monte-Rosa-Massiv mit dem zweithöchsten Gipfel der Alpen.
 
Einen Kontrast zu der herrlichen Landschaft bilden die Ebene nördlich des Sees und eine Anhöhe im Westen: Hier siedelten sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts metallverarbeitende Fabriken an. Vor allem die Stadt Omegna entwickelte sich zum Zentrum der italienischen Haushaltswarenindustrie. Weltbekannte Firmen wie Alessi und Bialetti produzierten hier hochwertige Designerstücke. Noch heute lockt ein Fabrikverkauf viele Schnäppchenjäger. Im Forum Museo in Gozzano sind viele Originale der ersten Espressokannen und Dampfkochtöpfe zu sehen. Außerdem werden in einigen Unternehmen stilvolle Badarmaturen hergestellt.

20 Kapellen auf dem heiligen Berg

Dass der wirtschaftliche Erfolg der Region Wohlstand gebracht hat, ist an den vielen prachtvollen Villen abzulesen, die vor allem das Ostufer säumen. Dort liegt auf einer Halbinsel das malerische Städtchen Orta San Giulio  mit dem Sacro Monte im Hintergrund: Auf dem heiligen Berg stehen 20 Kapellen, die mit prachtvollen Bildern ausgemalt sind. Vom zentralen Platz, der Piazza Motto, der von mittelalterlichen Bauten umrahmt ist, fahren Schiffe zur Isola di San Giulio, dem beliebtesten Postkartenmotiv des Ortasees. Die kleine Insel beherbergt einen ehemaligen Bischofspalast und eine Basilika. Auf einem Rundweg werden die Besucher gebeten innezuhalten und die Stille zu genießen.

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Die meisten Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze befinden sich am Ostufer, viele haben einen privaten Zugang zum See. Öffentliche Badestellen bietet vor allem die südliche Seeseite. Das Westufer ist vergleichsweise schlecht erschlossen, dafür aber umso beschaulicher, denn die Straße endet hier in einer Sackgasse. Letzter größerer Ort ist Pella mit seiner schönen Uferpromenade und einer der besten Eisdielen Italiens. Weit oberhalb davon thront auf einem Kalkfelsen die Basilika Madonna del Sasso, die einen atemberaubenden Blick auf den Ortasee bietet.
 
Von Pella aus führt die Uferstraße noch etwas weiter den See entlang in das Dörfchen Ronco. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit im Urlaub sucht, ist hier bestens aufgehoben.