Bucket-List-Touris nerven Neuseeländer | reisereporter.de

Neuseeländer sind genervt von Bucket-List-Touristen

Neuseeland ist ein Land, das auf vielen „Muss ich unbedingt mal sehen“-Listen steht. Beliebte Wanderwege sind lange im Voraus ausgebucht, und die Urlauberhorden hinterlassen oftmals ihre Spuren in der Natur. Viele Neuseeländer sind genervt.

Wanderer macht einen Luftsprung am Lake Wanaka in Neuseeland.
Bei einem grandiosen Ausblick zücken viele Urlauber die Kamera. Manchmal fällt dabei das wesentliche hintenüber: das Naturerlebnis. (Symbolfoto)

Foto: imago/imagebroker

Die neun Great Walks in Neuseeland führen durch die schönsten Gegenden des Landes – doch die Wege wirken vielerorts wie „Autobahnen“, finden Neuseeländer. Die explosionsartige Zunahme der Wandertouristen aus dem Ausland bringt Neuseeland langsam an seine Grenzen.

Deren Zahl ist seit dem Jahr 1990 auf das Zehnfache gestiegen: 2016 waren rund 120.000 Menschen auf den Great Walks unterwegs – 12,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 74.000 von ihnen waren auswärtige Touristen.

„Einige Great Walks stoßen in Spitzenzeiten an ihre Kapazitätsgrenzen“, so Gavin Walker, Tourismusdirektor des Department of Conservation (DOC). Um die Besuchermassen zu kontrollieren, müssen die Great Walks gebucht werden. Doch die Tickets sind oftmals Monate im Voraus ausverkauft. Für den berühmten Milford Track waren die für die vergangene Sommersaison beispielsweise innerhalb von 90 Sekunden weg, berichtet der britische „Guardian“.

Knapp 14.000 Menschen sind pro Jahr auf dem 54 Kilometer langen Weg auf Neuseelands Südinsel unterwegs. Das sei wie auf einem „Fließband“, sagt ein Mitarbeiter des DOC, der auf dem Weg arbeitet. „Mit Wandern, wie wir Kiwis es verstehen, hat das nichts mehr zu tun.“

Und nicht alle Wandertouristen kommen wegen Neuseelands atemberaubender Natur, sondern weil es ein Statussymbol sei, so der Eindruck von Hüttenwart Ross Harraway. „Viele Menschen interessiert nicht, was um sie herum ist“, sagt er dem „Guardian“. „Sie haken ihre Bucket-List ab und laufen den Weg so schnell wie möglich. Dabei haben sie Kopfhörer auf, gucken nach unten und machen oben auf dem Mackinnon-Pass schnell ihr Foto – und fertig.“

Man findet Exkremente und Toilettenpapier, das einfach am Wegesrand liegen gelassen wird.

DOC-Mitarbeiter

Damit nicht genug. Denn die Touristenmassen hinterlassen oftmals unschöne Spuren: „Auf einigen Great Walks findet man Exkremente und Toilettenpapier, das einfach am Wegesrand liegengelassen wird. Ekelhaft!“, sagte ein Mitarbeiter des DOC dem Radiosender Radio New Zealand

Richard Davies, DOC-Erholungsmanager, beschwichtigt, es würde sich nur um eine Minderheit handeln, die sich danebenbenimmt. „Aber wir können nun einmal nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein.“

Die neuseeländischen Behörden arbeiten an mehreren Maßnahmen, um die Touristenmassen besser in den Griff zu bekommen:

  • Das DOC will weitere Great Walks schaffen, um die Besuchermassen besser zu verteilen. Es gibt 30 Vorschläge für mögliche Wege auf der Nord- und Südinsel.
  • Die Gebühren für Hütten und Campingplätze sollen auf den fünf berühmtesten Walks – Milford, Routeburn, Kepler, Abel Tasman und Tongariro – für internationale Touristen verdoppelt werden.
  • Das Tourismusministerium überlegt, eine Touristenabgabe für internationale Urlauber einzuführen, die bei der Buchung eines Great Walks anfallen würde.
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