Tinder-Surfing statt Couchsurfing | reisereporter.de

Tinder-Surfing: In fremden Betten um die Welt

Das Datingverhalten hat sie schon revolutioniert – kommt jetzt die Reiseplanung? Wie Backpacker mit der Dating-App Tinder nicht nur Dates, sondern auch Schlafplätze finden? Anthony Botta hat das perfektioniert. Dem reisereporter verrät er seine Tricks.

Anthony Botta sucht sich auf Reisen seine Unterkunft über die Dating-App Tinder.
Anthony Botta sucht sich auf Reisen seine Unterkunft über die Dating-App Tinder – wie hier in München. Manchmal läuft auch was.

Foto: Youtube.com/Zebotta Official

Ein Wisch nach rechts – und wenn du Glück hast, wird’s ein Match. Erst, wenn sich zwei Tinder-Nutzer gegenseitig gut finden, können sie miteinander chatten. Und dabei nicht nur flirten, sondern im Zweifel auch gleich einen Schlafplatz klarmachen.

Tinder-Surfing statt Couchsurfing: Mit dieser Methode ist Anthony Botta aus Belgien quer durch Europa gereist. Dafür braucht er nicht viel: Nur ein Premiumprofil bei der Dating-App, um im Vorfeld Matches im Ausland zu finden, bei denen er auf seiner Reise übernachten kann. Seine Erlebnisse veröffentlicht er auf seinem Youtube-Kanal Zebotta. Einfach nur genial – oder auch gefährlich? Wir haben mit dem Tinder-Surfer gesprochen.

Erlebnisse eines Tinder-Surfers

Anthony Botta kommt aus Brüssel, wo er momentan bei seinen Eltern lebt und im Bereich Marketing arbeitet. Die zweimonatige Tinder-Reise nach seinem Uni-Abschluss im vergangenen Juni und Juli war sein erster – und vorerst wohl auch letzter – freier Sommer. „Mir war klar, dass ich einen gigantischen letzten Roadtrip machen will“, sagt er. Die Idee für Tinder-Surfing war geboren.

Schnell hat Anthony gelernt, seine Tinder-Skills zu perfektionieren: „Irgendwann war ich nicht mehr wählerisch, auch wenn ich keine superhässlichen Ladys nach rechts gewischt habe. Bei einem Match habe ich in der zweiten Nachricht direkt meinen Trailer geschickt und gefragt, ob ich bei ihr übernachten kann.“

Und dann muss die Auserwählte auch noch damit einverstanden sein, dass sie auf seinem Youtube-Kanal und Instagram-Profil auftaucht.

Auf diese Art und Weise hat er in acht Ländern – Belgien, Niederlande, Deutschland, Österreich, Slowenien, Ungarn, Tschechien und Polen – insgesamt 21 Gastgeberinnen gefunden.

Gastgeberinnen mit „gewissen Vorzügen“? „Klar lief auch mal was. Am Ende sind es aber 21 Tinder-Dates wie alle anderen: Manchmal hast du ein gutes Gefühl, manchmal nicht. Wenn nicht, habe ich gern auf der Couch geschlafen“, sagt Anthony. 

Tinder-Surfing: Zwischen Luxus und Ekel

Die beste Erfahrung habe er in Deutschland gemacht. In einer Villa in München, in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer Fußballer von Bayern München, wie Botta erzählt: „Dieses Haus war kraaaaank. Pool, Sauna, Jacuzzi, sogar mit eigenem Fitnessstudio. Leider wollte sie nicht, dass ich filme…“

Während seiner Tinder-Reise waren aber nicht alle Erlebnisse so gut wie dieses – seine letzte Gastgeberin in Polen war Raucherin und lebte in einer winzigen, dreckigen Wohnung, in der man in der Dusche abwaschen musste.

Geht es beim Tinder-Surfen also nur um kostenlose Unterkünfte? Botta zufolge gehe es vor allem darum, Einheimische kennenzulernen. Und: „Ich war in so vielen coolen Bars und Restaurants! Die Mädels haben mich meistens zu Orten mitgenommen, die sie schon kennen und empfehlen können.“

Die Schattenseiten des Tinder-Surfings

Situationen, in denen er sich richtig unwohl fühlte, gab es zum Glück nicht. „Ich würde Tinder-Surfing aber nicht für Mädels empfehlen. Tinder ist voller gruseliger Typen, die dir noch vor dem ersten ‚Hallo‘ Bilder von ihrem besten Stück schicken.“

Und, sind mal Gefühle dazwischengefunkt? „Meine Gastgeberin in Köln war einfach so perfekt. Schlau, süß, intelligent“, schwärmt Botta. Und dann? „Für eine Sekunde dachte ich darüber nach, meine Reise abzubrechen und mit ihr den Sommer zu verbringen. Aber es war erst mein dritter Stopp, und ich hatte mir versprochen, das Abenteuer bis zum Ende durchzuziehen.“

Also kein Happy End? Zumindest sind die beiden noch in Kontakt.

Am Wochenende „surft“ Anthony Botta übrigens noch immer ab und an in Belgien, um für seinen Youtube-Kanal zu filmen.

Und im Juni soll „Tindersurfing, Staffel zwei“ gedreht werden: Dann reist er für drei Wochen nach Südamerika. Bisher hat Anthony zwar nur bei Mädels übernachtet, aber „ich bin in Zukunft auch offen, bei Jungs zu schlafen“. Klingt nach einer spannenden Fortsetzung. 

Über Tinder Schlafplätze finden: Könntest du dir das vorstellen?

 
Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite