Wenn es ums Essen geht, versteht man in der Emilia-Romagna keinen Spaß. Schließlich stammt vieles in den Küchen der Welt genau hier aus dem Nordosten Italiens. Parmaschinken, Mortadella und Parmesan etwa, Balsamico-Essig und edle Olivenöle. Nicht zu vergessen natürlich Spaghetti Bolognese, benannt nach Bologna, der Hauptstadt der Emilia-Romagna. Im kleinen Dozza aber macht es so richtig Spaß mit dem Essen ...
 

Nudel mit Hintergedanken

Dozza liegt etwa 40 Kilometer von Bologna entfernt, und hier serviert man gern ein Gericht mit dem so lustigen Namen Strozzapreti. Heißt übersetzt „Würg den Priester“. Die Geschichte besagt, dass Frauen aus der Gegend diese länglichen, in sich verdrehten Nudeln traditionell Priestern bei deren Hausbesuchen gekocht haben sollen – einfach weil sie günstig waren und Priester eine kleine Gabe erwarteten. Ihre Männer hingegen, der Kirche aus Tradition nicht ganz so eng verbunden, wünschten sich, dass der Besucher am Genuss dieser Nudeln ersticken möge, daher der Name. Heute wird die verdrehte Pasta mit Sahne-Speck-Soße gern Touristen serviert – natürlich ganz ohne Hintergedanken.
 
Weniger Nudeln als vielmehr die Biennale del Muro Dipinto, die Biennale der bemalten Wand, hat Dozza weltberühmt gemacht. So verschlafen der kleine Ort mit seinen schmalen Gassen auf den ersten Blick auch wirkt – Künstler aus zig Ländern reisen alle zwei Jahre an, um Häuserwände dauerhaft mit Bildern zu bemalen. So zieht sich inzwischen ein wahrer Fundus an Kunstwerken durch die Straßen Dozzas. Manche Besucher enden dann aber doch bei dem, wofür sich die Emilia-Romagna ebenfalls gern rühmt: beim Wein. In den Kellern der Festung Rocca Sforzesca aus dem 13. Jahrhundert ist die Enoteca Regionale untergebracht, eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten Winzer der Region zu präsentieren. 800 Weine von 250 Gütern sind hier inzwischen erhältlich, was in etwa den Stellenwert dieses Getränks hierzulande deutlich macht.
 
Besonders stolz sind sie ausgerechnet auf eine Sorte, die im Ausland oft eher als Studentenfusel bekannt ist: Lambrusco. „Mit dem, was man in Deutschland darunter versteht, hat der echte Lambrusco nicht viel zu tun“, beteuert Maurizio Manzoni, Manager des Weinhandels der Enoteca Regionale. Der prickelnde Rote werde hierzulande nur aus den besten Trauben hergestellt, und das in langer Tradition: „Man sagt, die Perlen helfen, den Mund vom Fett des Essens zu reinigen“, erklärt Manzoni.

Sehnsucht hat einen Namen: Rimini

Die Sehnsucht vieler Deutscher nach der Emilia-Romagna hat traditionell vor allem einen Namen: Rimini. Der Badeort an der Adria gilt bis heute als das Symbol der Generation Käfer. Die nach wie vor typisch symmetrisch ausgerichteten Sonnenschirme stehen bis heute über mehrere Kilometer entlang des Strandes. Fast alle wichtigen Hotels sind in einer Reihe davor angeordnet und nach wie vor sind sie in jedem Sommer rappelvoll mit sonnenhungrigen Familien.

Landen doch mal auf Fellini

Was manchem Besucher verborgen bleibt, der sich vom Strand nicht viel wegbewegt: Rimini bietet weitaus mehr als einen Platz an der Sonne – die Altstadt gehört zu den eindrucksvollsten der Region. Hinter dem Augustusbogen, dem Ehrenbogen der Römer aus dem Jahr 27, sind einige historische Schätze verborgen. Der Domus des Chirurgen ist solch eine Ecke: Mitten in Riminis Zentrum haben Archäologen 1989 an der Piazza Ferrari die Überreste eines Stadthauses aus römischer Zeit sowie eines weiteren aus der Spätantike entdeckt. Sehenswert vor allem wegen der gut erhaltenen Mosaike.
 
Bis heute huldigt man in Rimini einem der bekanntesten Kinder der Stadt: Federico Fellini. Der große italienische Filmemacher wuchs hier auf, und er soll schon als Kind oft vor dem prachtvollsten Hotel gestanden haben, dem Grand Hotel am Strand, um sich nach einem Leben in Luxus zu sehnen. Später wurde er tatsächlich Stammgast in dem opulenten Bau. Rimini erinnert würdevoll an ihn – unter anderem, indem die Stadt ihren kleinen Flughafen nach seinem Tod nach dem Regisseur benannte.

Ein Bergdorf für Feinschmecker

Zurück zur Küche. Riccardo Agostini verhilft erfolgreich dem kleinen Bergdorf Pennabilli ganz in der Tradition der Emilia-Romagna kulinarisch zu bestem Ruf. Der Sternekoch hat sich hier kurz vor den Toren des Ortes einen Namen gemacht. Produkte aus der Region zeitgemäß zu verarbeiten – das ist seine Mission. „Mit Kräutern und Gewürzen interpretieren wir bekannte Gerichte neu“, verdeutlicht er. Den Gästen scheint es zu gefallen – und auch seinen Kollegen: Gemeinsam mit 51 weiteren Köchen bildet Agostini die Vereinigung Chef to Chef. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei ihren Gerichten speziell die Produkte aus der Region zu nutzen. Auswahl gibt es schließlich genug in der Emilia-Romagna.