Hassliebe: Bangkok und die Garküchen | reisereporter.de

Eine Hassliebe: Bangkok und seine Garküchen

Erst sollen sie gehen, dann wird eine von ihnen mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet: Bangkoks Garküchen landen in letzter Zeit höchst widersprüchliche Schlagzeilen. Der reisereporter wirft einen Blick auf die Fronten.

Jay Fai in ihrer Garküche in Bangkok, die einen Michelin-Stern hat.
Der heiße Star der Street-Food-Szene: Als einzige Garküchenköchin in Bangkok wurde Jay Fai mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Foto: youtube.com/Mark Wiens (Screenshot)

Wie sieht ein echter Sternekoch aus? Im Fall von Jay Fai bestimmt anders, als du denkst: Mit Wollmütze und Schutzbrille bewaffnet steht sie vor ihren selbst gezimmerten Kohleöfen. Das Restaurant: kein Nobelschuppen, sondern eine einfache, offene Garküche.

Ausgezeichnet ist das Essen bei Jay Fai trotzdem – der Guide Michelin hat der Wok-Virtuosin im vergangenen Dezember nämlich einen Stern verliehen.

Insgesamt 98 Restaurants umfasst der erste Guide Michelin für Bangkok, drei Restaurants wurden mit je zwei Sternen, 14 mit einem ausgezeichnet. Jay Fais Street-Food-Lokal ist aber die einzige Garküche, die einen Stern bekam, teilt die Tourismusbehörde Thailands (TAT) mit.

Der Guide Michelin beschreibt es so: „Jay Fai ist ein Ort, an dem sowohl Taxifahrer als auch Foodies ins Schwärmen kommen, und es ist klar, warum. Mit ihrer charakteristischen Schutzbrille kocht die lokale Legende Jay Fai Krabben-Omelett, -Curry und Congee – dort, wo ihr Vater vor 70 Jahren damit angefangen hat.“

Die Leute sollten genießen, was Thailand gerade zu bieten hat, weil es eines Tages vielleicht nicht mehr da ist.

Jay Fai

Die besondere Auszeichnung ist gleichzeitig ein symbolischer Sieg für Bangkoks Garküchenkultur: Im vergangenen Jahr war die Zukunft der Street-Food-Lokale ungewiss, erst war von einem Komplettverbot die Rede. In der Backpacker-Hochburg Khao San Road sollten Ende 2017 die Garküchen von den Straßen verschwinden

Dann gab es einen Rückzug von dem Vorhaben, es war nur noch von strengeren Auflagen die Rede. Die betreffen zum einen die Hygienemaßnahmen. Zum anderen müssen doch noch einige Stände weichen: Während die in touristischen Straßen wie Khao San nicht betroffen sind, müssen die Küchen in besonders geschäftigen Straßen in festgelegte Bereiche oder auf Märkte umziehen, um Platz für Fußgänger zu machen. Das erklärt die Tourismusbehörde.

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Den Autoritäten in Bangkok scheinen die Street-Food-Stände also doch ein Dorn im Auge zu sein, besonders wegen mangelnder Hygiene, großer Müllbelastung und der Enge der Fußwege.

Zu einem endgültigen Verbot wird es aber – wohl vor allem aufgrund des internationalen Aufschreis und Thailands Image als Food-Paradies – wohl erst mal nicht kommen.

Street-Food ist nicht immer günstig

Jay Fai zeigt aber auch: Street-Food ist nicht gleich günstig – auch nicht in Thailand. Ihre Spezialität, das Krabben-Omelett, kostet dich rund 25 Euro.

Schon vor ihrer Auszeichnung waren ausgezeichnete Zutaten für Fai das Wichtigste, wie sie gegenüber „Vice“ verrät: „Bei mir zahlst du nicht für die Ausstattung oder den Service. Das ganze Geld geht in die Lebensmittel.“ Und das schmeckst du.

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