Insider-Tipps für Sankt Petersburg | reisereporter.de

Insider-Tipps für eine Reise nach Sankt Petersburg

Kyrillische Buchstaben, europäische Architektur, die perfekte Mischung aus Ost und West: Das ist Sankt Petersburg, die nördlichste Millionenstadt der Welt. Warum du unbedingt hinreisen solltest und was du wissen musst.

Sankt Petersburg: Stadtansicht mit Blick über die Newa auf Isaakskathedrale und Admiralität.
Sankt Petersburg wird auch das Venedig des Nordens genannt.

Foto: pixabay.com/LuidmilaKot

Du nimmst die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland zum Anlass, zur Spielstätte nach Sankt Petersburg zu reisen? Dann nimm dir bitte, bitte, bitte mehr Zeit als nur für die Fahrt zum Stadion, das neu gebaut wurde, und wieder weg. Häng eine Städtereise an!

Denn Sankt Petersburg ist eine Stadt der Sehnsüchte und ein „reisereporter Top Place 2018“. Dort schwebt der Hauch der Geschichte zwischen den goldenen Zarenpalästen, aber auch das moderne Russland ist lebendig in Musik und Kunst. Ich verrate dir meine Tipps für deine Reise:

Kunst und Kultur in Sankt Petersburg

Bei Sankt Petersburg, oder „Piter“, wie die etwa fünf Millionen Einwohner und noch viel mehr Fans liebevoll sagen, denkst du wahrscheinlich zuerst an das Bernsteinzimmer und die Eremitage. Tatsächlich hat die kulturelle Hauptstadt Russlands aber noch viel mehr zu bieten als das. 

Das Bernsteinzimmer ist wirklich sehenswert, aber im Katharinenpalast, der sich in einem Vorort von Sankt Petersburg befindet, gibt es noch viel mehr spektakuläre Räume. Bei einer Audioguide-Führung durch den Palast erfährst du etwas über die Zarenfamilie, die hier ihren Rückzugsort hatte, und wirst du merken, dass das Bernsteinzimmer nur ein Highlight unter vielen ist.

Natürlich musst du auch in den Zaren- beziehungsweise Winterpalast, der einen Teil der weltberühmten Eremitage darstellt. Diese riesige Sammlung an Gemälden, Skulpturen und Installationen kann mühelos mit dem Louvre in Paris mithalten. Es heißt, man bräuchte eine Woche, um die Eremitage vollständig zu erkunden. Übrigens leben hier in den Winkeln und Kellern gehegt und umsorgt auch etwa 70 Katzen.

Was seine Sammlung an Gemälden, Skulpturen und Installationen angeht, kann der Winterpalast mit dem Louvre mithalten.
Was seine Sammlung an Gemälden, Skulpturen und Installationen angeht, kann der Winterpalast mit dem Louvre mithalten. Foto: pixabay.com/quinntheislander

Für jeden Geschmack hält Sankt Petersburg das passende bereit, es soll dort mehr als 300 Museen geben, darunter ein Emoticon- und ein Wodka-Museum.

Derweil wartet im Russischen Museum eine weitere eindrucksvolle Kunst- und Kultursammlung, Gegenwartskunst gibt es im Erarta, und wenn du Lust auf Skurriles und ein wenig Ekel hast, geh in die Kunstkammer. Hier hat Zar Peter I. eine morbide Sammlung aus missgebildeten Föten, ausgestopften Tieren und wissenschaftlichen Kuriositäten zusammengestellt, mit denen er der Bevölkerung die Naturwissenschaft näherbringen wollte.

Außerdem haben in Sankt Petersburg viele namhafte Schriftsteller gelebt und gearbeitet, sodass du die Geburts- oder Wohnhäuser von Alexander Sergejewitsch Puschkin, Anna Achmatova und Fjodor Michailowitsch Dostojewski besuchen kannst.

Wie noch zu Zar Peters Zeiten sollen die Museen der Bildung der Bevölkerung dienen und sind deshalb sehr viel günstiger, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. An manchen Tagen ist der Eintritt sogar frei, und Kinder sowie Studenten müssen grundsätzlich nur einen Bruchteil des Preises zahlen.

Kuppeln, Kirchen und Kathedralen in Sankt Petersburg

Charakteristisch für Russland sind die Zwiebelturmkirchen. Beliebtestes Fotomotiv in Sankt Petersburg ist die Auferstehungskirche. Sie hat viele Namen, die vielleicht eher abschreckend wirken – Blutkirche, Erlöser-aus-dem-Blute-Kirche, Erlöserkirche.

Der Ursprung dieser Bezeichnungen ist, dass an dieser Stelle 1881 ein tödliches Attentat auf Zar Alexander II. verübt wurde. Sein Sohn gab den Bau in Auftrag, um seinem Vater ein Denkmal zu setzen.

Und was für eins: Diese Kathedrale ist beeindruckend, sowohl von außen mit den bunten Kuppeln, als auch im Inneren mit üppigen Deckenmalereien und Verzierungen.

Die berühmte Erlöserkirche wurde als Denkmal für den ermordeten Zar Alexander II. gebaut.
Die berühmte Erlöserkirche wurde als Denkmal für den ermordeten Zar Alexander II. gebaut. Foto: pixabay.com/DEZALB

Viele andere Kirchen in Sankt Petersburg sind ebenfalls einen Besuch wert: Von der Isaakskathedrale hast du einen Rundumblick auf das gesamte Stadtzentrum.

Wie direkt aus Rom importiert sieht die Kasaner Kathedrale aus. Hier finden auch noch echte Gottesdienste statt. Deshalb gilt: keine Fotos, leise sein und als Frau die Haare bedecken. Wenn du noch nie einen orthodoxen Gottesdienst gesehen hast, schau zu, er ist ganz anders als ein evangelischer oder katholischer.

Zu den Ursprüngen der Stadt führt dich die Peter-und-Paul-Kathedrale auf der sogenannten Haseninsel. Dies ist die erste Befestigungsanlage, von der aus sich die heutige Metropole auf die umliegenden Newa-Inseln ausbreitete.

Die Stadt ist erst knapp über 300 Jahre alt, 1703 befahl Zar Peter I., auf sumpfigem Untergrund die neue Hauptstadt Russlands zu errichten. Aber nicht nach ihm ist Sankt Petersburg benannt, sondern nach dem Apostel Simon Petrus. Von hier hast du einen schönen Blick auf die andere Seite der Newa, die Lebensader der Stadt.

Sankt Petersburg in Bildern

In Sankt Petersburg ist die goldene Geschichte allgegenwärtig, aber auch das moderne Sankt Petersburg schläft nicht. Hier gibt's den Rundgangin Bildern durch die Stadt im und am Fluss:

Stadtführungen in Sankt Petersburg

Perfekt für einen ersten Eindruck vom Stadtkern sind die Free-Walking-Touren, die jeden Tag vor der Eremitage auf dem Schlossplatz starten. Die Geschichte Sankt Petersburgs (die Stadt hieß auch schon Petrograd und Leningrad) bringt dir kein Wikipedia-Artikel so gut nahe wie eine Tour mit Einheimischen. Hier zahlst du am Ende so viel, wie es dir wert war. Die Führung gibt es in Englisch. In Sankt Petersburg musst du nirgends Angst haben, unverstanden zu bleiben. Es ist eine multikulturelle, moderne Metropole, in der gerade die jungen Leute sehr oft gut Englisch sprechen.

Eine Rundfahrt durch das Zentrum vorbei an den schönsten Prachtbauten bekommst du mit jedem Bus, der über den Newski-Prospekt fährt. Das ist die Hauptstraße, die schnurgerade von der Admiralität am Zarenpalast bis zum großen Moskauer Bahnhof führt und danach mit einem kleinen Knick noch zum Alexander-Newski-Kloster. Also: Einfach rein in den Bus und Augen auf!

Auch die Metro ist ein ideales Transportmittel, um möglichst viel zu sehen. Die U-Bahn in Sankt Petersburg gehört zu den tiefsten der Welt – und manche Stationen auch zu den schönsten. Kirowski Sawod und Awtowo sowie andere Stationen auf der Roten Linie sehen fast wie unterirdische Paläste aus. Eine Fahrt bis an die Endstation lohnt sich, um zu sehen, wo und wie die Einheimischen eigentlich wohnen.

Eine Bootstour eröffnet neue Perspektiven auf die Stadt.
Eine Bootstour eröffnet neue Perspektiven auf die Stadt. Foto: pixabay.com/quinntheislander

Im Sommer solltest du unbedingt an einer Kanaltour teilnehmen. Die veränderte Perspektive auf die Stadt vom Wasser aus ist sehenswert, außerdem verstehst du dann einen weiteren der vielen Namen Sankt Petersburgs: Venedig des Nordens.

340 Brücken soll es hier geben, die ganze Stadt wird von Kanälen durchzogen. Am berühmtesten sind die Kuss- und die Greifen-Brücke. Letztere befindet sich in Sichtweite der Erlöserkirche und ist deshalb eine beliebte Selfie-Station. Hier endet die Befestigung der Brücke nicht in einem schnöden Steinblock, sondern große Greifen halten die Ketten in ihren Mäulern.

Wenn du dem Kanal von der Kirche weg folgst, stößt du auf die Löwen-Brücke, der mindestens genauso schönen, aber weniger bekannten Schwester. Und noch weiter den Kanal entlang erreichst du die Pikalow-Brücke. Von hier kannst du insgesamt sieben Brücken zählen.

Essen und Trinken in Sankt Petersburg

Nach dem ganzen Sightseeing brauchst du eine ordentliche Stärkung: Russische Küche ist mehr als Borschtsch, also Rote-Beete-Suppe, und Blini, kleine Pfannkuchen.

Probier auf jeden Fall Piroggen, das sind Teigtaschen, die mit Fleisch, Kohl oder Apfelkompott gefüllt sind, und Pelmeni oder Vareniki, die sind mit Tortellini vergleichbar.

Und keine Sorge: In Deutschland ist es oft eher ein schlechtes Zeichen, wenn die Speisekarte sehr lang und multikulturell ist, aber in Sankt Petersburg kannst du in ein und demselben Restaurant Sushi, Pizza, klassische russische Küche und Burger bestellen – und das auch noch meist günstig und gut!

Die Rote-Bete-Suppe Borschtsch und Vareniki, eine Art Tortellini, sind russische Spezialitäten.
Die Rote-Bete-Suppe Borschtsch und Vareniki, eine Art Tortellini, sind russische Spezialitäten. Foto: imago/Seeliger

Auf keinen Fall etwas falsch machst du mit leckeren Pelmeni und Vareniki in der Pelmenija (Adresse: Nab. Reki Fonatanki 25). Als Vegetarier kannst du in der kleinen lokalen Kette Ukrop an mehreren Standorten gut essen.

 Auch außergewöhnlich für Deutsche: In Russland gibt es öffentliche Kantinen. Für wenig Geld bekommst du hier große Portionen, aber leider nicht immer leckere. Eine ausgezeichnete Kantine befindet sich ganz in der Nähe der Erlöserkathedrale und trägt den Namen Mensa Wolna FM.

Wenn du gleich eine ganze Reihe von Lokalen und Bars zur Auswahl haben willst, geh in die Rubinstein Ulitsa oder in die Gorochowaja Ulitsa. Ganz am Anfang der Gorochowaja liegt übrigens das Mickey & Monkeys, nirgendwo sonst bekommst du so ausgefallene Shakes und Burger in Kombination wie hier.

Für Bierliebhaber empfielt sich eines der Häuser der Kriek-Kette und das Craft Brew Restaurant in der Malaja Morskaja 15.

Einkaufen in Sankt Petersburg

Vor allem die jungen russischen Frauen achten sehr auf ihr Äußeres. Deswegen gibt es in Sankt Petersburg viele Edelboutiquen und teure Kaufhäuser. Das Geschäft Au Pont Rouge zum Beispiel, dessen wunderschöne Architektur du dir mit einer Durchschnittsreisekasse lieber nur von außen (und noch schöner im Dunklen) ansiehst.

Etwas alternativer ist es am Loft-Projekt Etagi. Hier sind kleine Start-ups, Künstler, vegane Läden und vieles mehr in einem Gebäude angesiedelt.

Bücherliebhabern empfehle ich das Dom Knigi (Haus der Bücher) gegenüber der Kasaner Kathedrale, das Haus wurde von der amerikanischen Singer-Company gebaut und ist allein wegen der Optik einen Besuch wert.

Das Haus des Buches Dom Knigi ist ein Paradies für Bücherliebhaber.
Das Haus des Buches Dom Knigi ist ein Paradies für Bücherliebhaber. Foto: imago/INSADCO

Wenn du Mitbringsel für deine Freunde zu Hause haben möchtest, geh nicht in die großen Souvenirgeschäfte am Newski-Prospekt und rund um die Touristen-Hotspots. Die Auswahl ist zwar groß, der Preis aber auch entsprechend höher. Bummel lieber vor der Erlöserkirche durch die Reihen von Buden, die den typischen Kitsch, aber auch schöne Handwerkskunst verkaufen. Die Verkäufer lassen mit sich feilschen und sprechen berufsbedingt die wichtigsten Brocken Englisch, Französisch, Spanisch oder auch Deutsch.

Sei nicht überrascht beim Lebensmittelkauf: Manche Geschäfte sind noch wie alte Kaufmannsläden, bei denen du sagst, was du gern möchtest (sterben aber langsam aus), andere sind genauso groß und modern wie deutsche Supermärkte. Besonders gut sortiert ist Perekrestok, erkennbar an dem grünen Logo.

Wunder dich nicht über das Sicherheitspersonal an jeder Ecke, in Russland ist das vom Einkaufszentrum bis zum Bahnhofseingang allgegenwärtig. Genauso normal sind auch die Öffnungszeiten, viele russische Supermärkte haben durchgehend geöffnet, Geschäfte schließen oft erst spät.

Ausflüge ins Umland von Sankt Petersburg

Wenn du mehr als vier Tage in der Stadt bist, bieten sich viele weitere Ziele in Sankt Petersburgs Umgebung an. Abgesehen vom eingangs erwähnten Katharinenpalast im Vorort Puschkin, wo Russlands berühmtester Dichter zur Schule ging, glänzt auch der Peterhof mit reichlich Gold. Hier befindet sich eine Palastanlage mit ausgeklügelten Fontänen- und Brunnenanlagen, das Schloss kann besichtigt werden.

Schloss Peterhof hat eine ausgeklügelte Fontänen- und Brunnenanlage.
Schloss Peterhof hat eine ausgeklügelte Fontänen- und Brunnenanlage. Foto: imago/Peter Widmann

Eine der Stadt vorgelagerte Insel namens Kronstadt war als Marinestützpunkt lange für die Öffentlichkeit gesperrt. Heute ist sie über einen Damm zu erreichen. Und das Highlight der Ostseeinsel ist bereits auf kilometerweite Entfernung sichtbar: die Marinekathedrale. Geh unbedingt hinein, es lohnt sich und du kannst sogar eine Führung oben in der Kuppel machen. Das Gotteshaus ist der Hagia Sophia nachempfunden und in leuchtendem Blau bemalt.

Ebensfalls einen Besuch wert ist der Ladogasee. Wenn du genug von der Stadt hast, wird dir Europas größter Süßwasserspeicher sicherlich gefallen. Die Stadt an seinem Ufer, Schlüsselburg, ist selbst nicht so spannend, dafür aber die kleine Festungsinsel auf dem See, die du nach zehn Minuten Fahrt mit der Fähre erreichst.

Hier siehst du noch die Festungsruinen, in denen heute ein Gefängnismuseum untergebracht ist. Auf dieser Insel wurde Lenins Bruder für seinen Attentatsplan auf den Zaren hingerichtet, und auch sonst hat diese Festung eine wichtige Funktion in der Geschichte gespielt.

Die meisten Orte rund um Sankt Petersburg lassen sich mit Zug, Bus oder Marschrutka, einer Art Sammeltaxi, erreichen. Grundsätzlich sind die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr sehr günstig, eine Stunde Zugfahrt kostet umgerechnet nur ein paar Euro.

Die beste Reisezeit für Sankt Petersburg

Klar, wenn du den authentischen Winter erleben und dich schon mal auf den nächsten Trip nach Sibirien einstimmen willst, ist der Winter in Sankt Petersburg spannend (übrigens sind minus 20 Grad bei trockener Kälte erträglicher als nasskalte minus fünf). Mehr von der Stadt siehst du aber ohne Schal bis über die Augen im Frühjahr und Sommer.

Im Sommer sind zwar die Hotel- und Reisekosten am höchsten, aber dafür erlebst du die weißen Nächte. In der nördlichsten Millionenstadt wird es im Juni und Juli nachts gar nicht mehr richtig dunkel. Das feiert die ganze Stadt mit Musikveranstaltungen und anderen besonderen Events. 

Du siehts also, es gibt jede Menge gute Gründe, den nächsten Urlaub in Sankt Petersburg zu verbringen. In diesem Sinne: Счастливого пути (Deutsch: Gute Reise)!

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