Martinique: Eine Reise mit viel Rum | reisereporter.de

Beschwipste Karibikreise: Alle Wege führen zum Rum

Das erste Mal Karibik! reisereporterin Evelyn erwartete endlose weiße Strände, sattgrüne Palmen und jede Menge Rum. Dass der Alkohol in dem Urlaubsparadies tatsächlich allgegenwärtig ist, erlebte sie auf ihrer Reise nach Martinique intensiv.

Die beste Mittagspause überhaupt, findet Evelyn (rechts): Planteur im karibischen Meer genießen!
Die beste Mittagspause überhaupt, findet Evelyn (rechts): Planteur im Karibischen Meer genießen!

Foto: Landmeedchen

Als wir uns an unserem ersten Abend auf Martinique an den Dinner-Tisch setzen, fällt mir ein kleiner Beistellwagen mit Rum-Flaschen, Limetten und Rohrzucker ins Auge. Noch bevor wir den ersten Bissen essen, werden wir in die Welt des Ti-Punch eingeführt. 

Ti-Punch: Der Klassiker auf Martinique

Ti-Punch ist auf Martinique die beliebteste Art, Rum zu trinken: fast pur! Ich kannte Rum bisher eher als Rum-Cola-Gemisch oder in Cocktails. Also greife ich beherzt zur Flasche und gieße den klaren Rum anderthalb Finger breit in mein Glas. Die Augen meiner Sitznachbarn weiten sich. Ich drehe die Flasche und sehe, dass der Rum einen Alkoholgehalt von 50 Prozent hat. Ups! Das verspricht, ein lustiger Abend zu werden.

Beim Ti-Punch kannst du dich ganz nach deinem eigenen Geschmack austoben. Eine genaue Menge für Perfektion ist nicht vorgeschrieben. Zu dem Rum quetscht du so viele Limettenscheiben, wie du magst, ins Glas und süßt das Getränk mit so viel Rohrzucker, bis es dir richtig gut schmeckt. 

In der Karibik wird häufig Zuckersirup für Ti-Punch verwendet. Den kannst du zu Hause ganz einfach selbst herstellen.

Ti-Punch: Rezept für Zuckersirup

Du benötigst 200 Mililiter Wasser und 250 Gramm Rohrzucker. Das Wasser erhitzt du mit dem Zucker zusammen unter ständigem Rühren so lange, bis sich der Zucker aufgelöst hat und das Ganze zu einer zähflüssigen Masse geworden ist.

Dabei darf die Zuckerlösung auf keinen Fall kochen. In einer Flasche oder einem Schraubglas hält sich der Sirup im Kühlschrank eine sehr lange Zeit, sodass du einige Ti-Punsch-Abende machen kannst.

Ich hab das Rezept nach meiner Martinique-Reise ganz schnell ausprobiert, um mir ein bisschen Karibik-Feeling nach Hause zu holen. Schmeckt super – nicht nur zu Rum.

Die Geschichte des „Rhum agricole“

Der klassische Rum wurde ursprünglich aus Melasse gebrannt, dem süßen Abwasser, welches bei der Zuckerproduktion übrig bleibt, wenn es nichts mehr zu kristallisieren gibt. Das Produkt daraus eignet sich jedoch eher zum Putzen als zum Trinken. 

Die französischen Karibikinseln wollten sich mit dem Abfallprodukt nicht zufriedengeben und erfanden den „Rhum agricole“, der aus reinem und frischem Zuckerrohrsaft produziert wird. Gerade zwei Prozent der Weltproduktion werden auf diese Weise auf den Karibikinseln Martinique und Guadeloupe erzeugt.

Die Destillerien werden „Habitation“ genannt; elf von ihnen stehen hier auf Martinique. Wir besuchen die Habitation Clement. Wie alle Destillerien auf der Insel handelt es sich um ein traumhaft schönes, hochherrschaftliches Landgut mit edlen Herrenschlösschen.

Sie wurde 1887 vom Mediziner und Politiker Homère Clément gegründet. Auf dem Weg zu dem Gut fahren wir durch endlos scheinende Zuckerrohrfelder (Selfie-Time!).

Foundation Clement Martinique
Auf Martinique gibt es so viel Zuckerrohrfelder wie bei uns Maisfelder, wenn nicht noch mehr. Und irgendwie noch schöner. Foto: Landmeedchen

Um die Gebäude der Destillerie herum, die heutzutage nur noch als Museum dienen (produziert wird im Norden der Insel), liegt ein riesengroßer Garten mit über 300 tropischen Pflanzenarten und Kunstwerken, die im freien Raum ausgestellt sind. 

Die Atmosphäre ist wunderbar entspannt. Wir spazieren an Seen entlang und durch Palmenhaine zu einer Halle, in der sich die großen Zahnräder noch wie vor hundert Jahren drehen. Auch das 1820 erbaute Herrenhaus beherbergt noch die Originalmöbel. Wir dürfen so viel Rum probieren, wie wir möchten.

Hier erfahren wir auch, dass Kenner sogar den Ort der Zuckerrohrplantagen herausschmecken. Liegt das Feld nah am Meer, so hat der Rum eine feine salzige Note. Ich teste zum ersten Mal dunklen Rum, der die Farbe und das Tannin der Eichenfässer annimmt. Mir schmeckt der dunkle Rum noch besser als der weiße. Dieser ist zwar fruchtiger, aber der dunkle weicher. Für den nächsten Ti-Punch nehme ich dunklen Rum. 

Die Destillerie  „Habitation Clement“ versprüht noch immer den Charme vergangener Zeiten.
Die Destillerie „Habitation Clement“ versprüht noch immer den Charme vergangener Zeiten. Foto: Landmeedchen

Das weite Meer und der Rum 

Der schönste Ort auf Martinique,um Rum zu genießen, ist im Wasser. Von der Küstenstadt Le Robert aus machen wir einen Ausflug zu den vorgelagerten Inselchen. Es gibt unter anderem eine Leguan- und eine Miniinsel, die nur aus einem Sandstrand und zwei Palmen besteht.

Unsere Mittagspause legen wir zwischen zwei Inseln im seichten und kristallklaren Gewässer ein; mit den Beinen im Wasser schenkt der Kapitän unsere Gläser mit Planteur randvoll. 

Planteur – ein bisschen wie Planter’s Punch

Planteur ist neben Ti-Punch die beliebteste Art in der Karibik, Rum zu trinken. Der fruchtige Drink erinnert mich an den bei uns gängigen Planter’s Punch: Rum mit jeder Menge Fruchtsaft.

Er schmeckt hier nur irgendwie besser; wobei das auch an der wunderschönen Umgebung liegen könnte. Zu einem Glas Rum werden übrigens oft Accras, runde Fischkroketten, als Snack gereicht.

Ein weiterer wahnsinnig schöner Ort, um einen Rum am Strand zu genießen, ist in La Carbet – für mich ohnehin einer der schönsten Strände auf Martinique. Hier besuchen wir Le Petibonum. Große Liegen, die gemütlicher aussehen als mein Bett zu Hause, stehen direkt am Wasser. Jetzt muss ich mir nur noch einen Rum holen, und dann geht das große Chillen los – denke ich…

Doch dann kommt Guy, ein wahrer Rum-Kenner, und lädt uns zu einem Tasting ein. Er führt uns seine Lieblingssorten vor und schummelt irgendwann billigen Fusel drunter. Ich nehme einen großen Schluck und spucke ihn fast direkt wieder aus.

Guy lacht lauthals. Plötzlich wird mir klar, warum schlechter Schnaps auch Spiritus genannt wird. Er brennt verdammt doll in meiner Kehle und ich schwöre mir: Für mich gibt es in Zukunft nur noch „Rhum agricole“.

Le Petibonum Martinique
Guy alias „Chef Hot Pants“ kennt die besten Rum-Sorten und ist ein so lustiger Typ. Den solltest du auf Martinique unbedingt besuchen! Foto: Landmeedchen

Das ultimative Rezept für Planteur

Als Wiedergutmachung hat mir der „Chef Hot Pants“ dann sein Rezept für Planteur zugeschoben. Und das verrate ich dir, na klar, damit auch du dir ein Stück Karibik nach Hause holen kannst: 

1 Teil Rum (je nachdem, für wie viele Personen du mixt)
½ Teil Zuckersirup (natürlich selbst gemacht, das Rezept kennst du ja schon)
Orangensaft, Guavensaft, Ananassaft zu gleichen Teilen
1 Prise Zimt

In diesem Sinne: Aloha und Santé! 

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