Spurensuche auf Fischland-Darß-Zingst | reisereporter.de

Fischland-Darß-Zingst: Spurensuche an der Ostsee

Auf der Halbinsel kannst du gar nicht anders, als dir Zeit für die schönen Dinge des Lebens zu nehmen. Entlang spannender Themenpfade erlebst du die Ostsee dabei von einer neuen Perspektive.

Die riesige Sonnenbrille am Zingster Strand fertigte der Schweizer Bildhauer Marc Moser aus Metall an. Der Blick auf das Meer durch die gefärbten Brillengläser verändert sich je nach Wetter und Lichtsituation.
Die Sonnenbrille eines Riesen? Ne, Kunst! Wetter und Licht verändern den Blick durch die pinken Gläser am Zingster Strand.

Foto: TMV/Krauss

„Ich muss ehrlich sein: Du siehst die Welt durch eine rosarote Brille!“, ruft Sandra und lacht. Denn das tut Sebastian wirklich: Das Paar steht am Sandstrand von Zingst. Während Sandra die Kamera zückt, wirft sich Sebastian schon einmal hinter der riesigen Sonnenbrille des Künstlers Marc Moser in Pose und guckt durch die rosa getönten Gläser auf die sonst tiefblaue Ostsee.

Sandra und Sebastian kommen aus Weimar und sind auf Fischland-Darß-Zingst auf einem Streifzug durch die Gegenwart und Vergangenheit der Halbinsel unterwegs.

Kunstwerke zum Mitmachen am Strand von Zingst

Die Wirkung des XXL-Kunstwerks kannst du von Mai bis Mitte Oktober am Strand ausprobieren, kommt es zum Überwintern in den Zingster Hafen.

Weil die Brille Teil des „Olympus FotoKunstPfad Zingst“ ist, kannst du kostenfrei Kameras ausleihen, um an zwölf Stationen die Werke von Künstlern zu entdecken – und natürlich zu knipsen. 

Sandra und Sebastian sind begeistert: „Das bringt mit Meer, Strand, Kunst und Fotografie unsere größten Leidenschaften zusammen“, sagt Sebastian. „Es ist toll, einfach abzuschalten und die Tage am Strand dahinplätschern zu lassen. Doch noch schöner ist es, wenn man inspirierende Bilder und spannende Geschichten mit nach Hause nehmen kann.“

Nicht nur Bilder, sondern Erinnerungen

Die Bilder, die Sandra und Sebastian in Zingst mit ihren Kameras aufnehmen, sind besondere Andenken: Die Skulptur des Bildhauers Rob Mulholland – eine zarte Frauen-Silhouette, die auf einer Bühne im Wasser steht – erzählt zum Besipiel von der Verletzlichkeit und Stärke des Meeres.

Die Künstlerin Lulu Guinness setzt auf den spielerischen Effekt: Sie lässt Besucher mit einem großen Nagelbrett, dem beliebten Spielzeug der 80er Jahre, verschmelzen.

Darßer Haustürenpfad: Auf den Spuren der Seemänner

Sandra und Sebastians nächste Station, der Darßer Haustürenpfad, steht im Kontrast zur modernen Kunst: Er verbindet die Gegenwart mit Traditionen und Spuren des 19. Jahrhunderts in den Orten PrerowBorn und Wieck.

Mit dem Rad sind Sandra und Sebastian in rund 20 Minuten in Prerow. Der Weg führt direkt an der Küste entlang, der erfrischende Fahrtwind schmeckt salzig.

„Ich habe noch nie eine Haustür gesehen, die so viel gute Laune macht“, sagt Sandra über die Haustür der Tourist-Information in Prerow. Sie ist die erste der berühmten Türen, die bunt bemalt wurde. Die Motive auf den aufwendig geschnitzten Türen sind Seefahrtssymbole.

Sandra fängt mit ihrer Kamera die bunten Symbole auf der Darßer Haustür an der Tourist-Information in Prerow ein.
Beliebter Schnappschuss: Die bunten Symbole auf der Darßer Haustür der Tourist-Information in Prerow. Foto: TMV/Krauss

Der Sonnenaufgang steht für eine glückliche Rückkehr, andere Motive sind von heidnischen Einflüssen geprägt. Symbole wie Blumen sollen Lebensfreude schenken, Feuer vor Zauberei schützen. Die Kunsttischlerei Roloff lässt die Tradition weiterleben. Seit 1832 restauriert sie die Darßer Türen in Handarbeit oder fertigt neue an.

Post aus dem 20. Jahrhundert

Den Besuch der Tourist-Information in Prerow haben Sandra und Sebastian genutzt, um sich mit neuen Inspirationen zu verschiedenen Ausflugszielen einzudecken. Sie möchten mehr über die Geschichte der Region erfahren, am liebsten unter blauem Himmel. Das nächste Ziel ist schnell ausgesucht: Mit dem Fahrrad geht’s auf den Postkartenpfad in Wieck.

Die Fotomotive des 20. Jahrhunderts, die an sieben Stationen ausgestellt sind, entführen Besuchern auf eine Zeitreise. „Sieh mal, da vorne lag damals die Holzerland-Werft“, sagt Sebastian und zeigt zum Bodstedter Bodden.

Heute ist dort nur ein Feld, auf dem gemütlich die Pferde grasen. Auf einer Holzbank genießen die beiden den Ausblick und stellen sich das geschäftige Treiben vor, das hier damals herrschte.

Auf großen Infotafeln zeichnen die historischen Postkartenmotive ein Bild vom Lebensgefühl des 20. Jahrhunderts.
Auf großen Infotafeln zeichnen historischen Postkartenmotive ein Bild vom Lebensgefühl des 20. Jahrhunderts. Foto: TMV/Krauss

Bevor es zum nächsten Pfad geht, schlendern die beiden weiter durch das Boddendorf. Neben dem malerischen Hafen beherbergt die Darßer Arche ein Informationszentrum und eine Ausstellung über den Nationalpark.

Stärkung im Capitänshaus

Die Fahrradtour an der frischen Luft macht hungrig. Wie passend, dass das Capitänshaus von Petersson in Born nur 15 Fahrradminuten entfernt ist. In der 250 Jahre alten Scheune werden selbst gebackener Kuchen und frische Gerichte wie Fisch serviert.

Von der Terrasse aus blickst du das Capitänshaus am Rand der gepflegten Grünanlage, dessen Namensgeber Carl von Petersson ist. Der berühmte Schiffskapitän fuhr von Darß aus in die ganze Welt. Seine und viele weitere Geschichten des alten Fischerdorfs erzählen Tafeln, die auf alten Buhnenpfählen vor historisch bedeutenden Häusern stehen.

Ausführliche Informationen zum Petterson Capitänshaus und vielen weiteren historischen Gebäuden in Born finden Besucher auf den Tafeln, die auf alten Buhnenpfählen angebracht sind.
Alte Buhnenpfähle informieren über das Petterson Capitänshaus und andere historische Gebäude. Foto: TMV/Krauss

Ahrenshoop: Am Strand der Künstler

Die Sonne steht tief und taucht die alte Linde auf dem Anwesen Petersson in ein besonderes Licht, als sich Sandra und Sebastian zum letzten Mal auf ihre Drahtesel schwingen. In Ahrenshoop werden sich die Zeitreisenden im Hotel „The Grand“ erholen und Kraft für den nächsten Tag sammeln.

Aber: Vorher möchten sie noch die Dünen sehen. Entlang des Kunstpfads mit seinen Landschaftsgemälden lassen sich die beiden von der Schönheit der Küste mit ihren hellgrünen Gräsern, dem feinen Sand und der blauen See verzaubern und verstehen sofort, warum dieser Anblick auch die Maler der Künstlerkolonie Ahrenshoop Mitte des 19. Jahrhunderts inspirierte.

Sandra und Sebastian genießen den Spaziergang entlang der Dünen in Ahrenshoop und halten den Ausblick auf das Schilfrohrdach inmitten der grünen Gräser fest.
Stilleben mit Schilfrohrdach: Der Strand von Ahrenshoop zieht seit mehr als hundert Jahren nicht nur Künstler in seinen Bann. Foto: TMV/Krauss

Auf einer Aussichtsplattform in der Nähe des Strandes genießt das Paar den malerischen Ausblick auf Ahrenshoop, den schon 1889 Paul Müller-Kaempff, der angesehensten Landschaftsmaler Deutschlands und Begründer der Künstlerkolonie, in einem Gemälde verewigte.

Nach dieser beeindruckenden Aussicht verabschieden sich Sandra und Sebastian in die wohlverdiente Nachtruhe. „Schließlich möchten wir morgen fit sein – es gibt noch viel zu entdecken!“

Mehr zum kulturellen Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern gibt es hier.

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