5 Spaziergänge in Kiel und Umgebung | Reisereporter.de

5 Tipps für einen Spaziergang in Kiel und Umgebung

Kiel kann nicht nur Förde, Kiel kann auch Wald, Wiesen und Felder. Deshalb stellt dir reisereporterin Melanie ihre Lieblingsausflugsziele für Spaziergänge in Kiel und Umgebung vor.

 

Ulf Dahl
Für einen Spaziergang an den Tröndelsee in Kiel - immer wieder schön.

Foto: Ulf Dahl

Das Tannenberger Tiergehege: Zwischen Industriebahn und Hochbrückenauffahrt

„Papa, was ist das?“ „Das ist ein Muffel.“

Vater und Tochter stehen an der Weidenlichtung im Tannenberger Tiergehege und beobachten ein gehörntes Wildschaf aus der Ferne. Bevor die beiden das Tier entdeckt haben, graste es. Jetzt steht das Mufflon starr. Sein Blick: trotzig, auch ein wenig stur. Als repetiere es Archimedes: Störe meine Kreise nicht. Das Kind überlegt, sagt dann: „Aber warum? Stinkt es?“

Mit großen Augen schaut es zu dem Mann auf. Beide tragen unifarbene Winter-Outdoor-Kleidung, das Mädchen ist lilafarben gekleidet, der Mann türkisfarben. Beim Hochgucken rutscht dem Kind die Mütze ins Gesicht. Die Antwort bleibt aus, ich bin schon an ihnen vorbei. Im Buchenwald wartet weiteres Wild. Hallenwald nennt man das, wenn astfreie, alte Buchenstämme sich aneinanderreihen. Und es hat auch etwas Luzides, wenn ein Reh achtsam den eigenen Weg kreuzt.

40 Hektar großes Tiergehege

Hinter mir Wildschweine im Gehege und Eltern mit ihren Kindern, jedes Mal ein Vergnügen, den Schweinen beim Suhlen und den Familien beim Entdecken zuzusehen. Die Krähen warten geduldig auf Essensreste. Zwischen Projensdorfer Straße, Industriebahn und Hochbrückenauffahrt liegt das 40 Hektar umfassende Areal, eines von fünf Tiergehegen der Stadt Kiel.

Ich starte immer am Haupteingang und laufe dann einmal rund. Manchmal nehme ich auch auf der gegenüberliegenden Seite des Geheges den Ausgang, steige hinauf zur Straßenhochbrücke Holtenau und beobachte die Containerschiffe bei ihrer Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal. Das hat dann gar nichts Luzides mehr. Aber ich weiß, der Wald ist nicht fern.

Tannenberger Tiergehege, Stadtteil Projensdorf. Empfohlener Start: Haupteingang, Projensdorfer Straße/Ecke Tannenberg. Das Tiergehege ist unter anderem Teil des Schilkseer Wanderwegs und das ganze Jahr über geöffnet. Damwild, Muffelwild und Rehwild sind frei laufend.

Moorig schön: Der Tröndelsee und seine Umgebung

Letztens haben mein Freund und ich eine Warzenente entdeckt. Sie saß auf einem aus dem See ragenden Ast in der Nähe des Ufers und beobachtete ruhig die an ihr vorbeischnüffelnden Hunde und denen folgend: die freudig plappernden Besitzerinnen. Eine Warzenente ist die domestizierte Form der wilden Moschusente, lasen wir später. Und sie ist ursprünglich in Südamerika beheimatet.

Der Tröndelsee liegt im Stadtteil Elmschenhagen. 1983 wurde er mit seiner 24 Hektar umfassenden Umgebung als erstes Gebiet der Stadt unter Naturschutz gestellt. Zwischen Kleingärten gelegen, versackt der Tröndelsee in feuchtem Wiesengrün. Moorig ist es und der Wald sumpfig überstaut. Dafür gibt es einen schönen Begriff: Bruchwald.

Dass hier einst Torf abgebaut wurde, kann man fast noch riechen. Gummistiefel sind zu empfehlen, selbst bei frostig kaltem Winterwetter. Einmal um den See führt ein Weg, der zum Teil nur über einen sich fein windenden Holzsteg zu begehen ist. Das hat etwas Romantisches, und auch die Ruhe ist schön. Anders als am gegenüberliegenden Langsee, der an die Bundesstraße grenzt und bei dem das urbane Arbeitsleben unaufhörlich im Hinterland rattert. Lohnt sich aber auch. Wenn man schon einmal da ist.

Tröndelsee und Umgebung, Stadtteil Elmschenhagen. Empfohlener Start: Preetzer Straße, an der Haltestelle Sophienhöhe gegenüber dem Kuckucksweg. Der Kuckucksweg führt zum Langsee.

Zwei Friedhöfe, zwei Gemeinden, ein Name: Urnen- und Parkfriedhof am Eichhof

„Liebe Friedhofsbesucher, an diesem Wasserbecken trinken zurzeit die Honigbienen. Bitte nehmen Sie Rücksicht und schöpfen Sie das Wasser ganz ruhig und vorsichtig.“

So steht es meist im Sommer auf Hinweisschildern über den moosgegesäumten Wasserbecken des Urnenfriedhofs am Eichhof. Bienen und andere Insekten tummeln sich hier, die Schilder geben auch das Programm des Urnen- und des angrenzenden Parkfriedhofs wieder. Dabei darf man die beiden Friedhöfe gar nicht als eins betrachten, liegt der Urnenfriedhof doch in Kiel und der Parkfriedhof schon in Kronshagen, einer Gemeinde, die zum Kreis Rendsburg-Eckernförde gehört. Nur die Eichhofstraße trennt die beiden, es ist ein Leichtes, sie zu überqueren.

Wenn man seinen Besuch am Urnenfriedhof beginnt, ergibt sich dadurch auch eine natürliche Steigerung. Vom sorgfältig gepflegten Garten mit Teich geht es rüber in den wäldlich anmutenden Park, dem größten Friedhof in Schleswig-Holstein. 39 Hektar umfasst er und wurde im Jahr 1900 im Stil englischer Landschaftsgärten angelegt. Deswegen verlaufen die Wege auch nicht gerade, sie schwingen munter durch die unterschiedlichen Baum-, Strauch- und Blumenarten.

Hier gibt es so schöne Gewächse wie den Roten Fächerahorn und Singvögel – ich hörte: rund 80 Arten. Manchmal sehe ich die Friedhofsgärtner harken oder mit ihren kleinen Wagen übers Gelände fahren. Und manchmal hört man sie im Gespräch. Es war Sommer, als einer von seiner letzten Fotosafari in Afrika erzählte, Bienen summten im Hintergrund und die Sonne fiel warm durch die Kronen der Bäume.

Urnenfriedhof am Eichhof. Empfohlener Start: Zugang Urnenfriedhof über den Haupteingang, dann hinten links raus, über die Straße und durch den Haupteingang des Parkfriedhofs.

Ohne Ziel: An der Eider entlang

Still liegt die Eider in ihrem schmalen Bett. Sie ist der längste Fluss in Schleswig-Holstein und hat ihren Namen wahrscheinlich von Egidora, dem lateinischen Namen für den altnordischen Meeresriesen Aegir. Mundartlich übersetzt ein Tor des Schreckens, vielleicht aber auch eine Meerestür.

Das Meer ist ja nicht fern, wollte man aber den kompletten Eiderwanderweg ablaufen, wäre man mehrere Stunden unterwegs. Mir reicht das Durchatmen an Sonntagvormittagen, wenn die Welt sich noch schlafend stellt und bucklige Reiher wie kafkaeske Torwächter in den Feldern harren. Meine Tour beginne ich am Schulensee, Hamburger Chaussee. Mit dem See im Rücken laufen ich nah am Fluss entlang.

Zuerst stehen noch die Häuser aneinandergereiht auf der anderen Flussseite, dann wird es ländlicher. Läuft man lange, befreit sich der Blick. In der Kälte finde ich es hier am schönsten. Gehe ich die Eider entlang, habe ich kein Ziel. Irgendwann drehe ich einfach um. Mag jetzt kein guter Tipp sein, aber manchmal ist zielloses Laufen auch das beste, was man gerade tun kann.

Empfohlener Start: Hamburger Chaussee, gegenüber dem Eiderkrug am Schulensee beginnt der Weg. Einen schönen Tourentipp am Eiderwanderweg entlang bietet Wanderbares Schleswig-Holstein.

Ein Ort für seltsame Vögel: Das Domänental in Kronshagen

Im Gänsemarsch bewegt sich die Gruppe am Eingang des Domänentals fort. Die Köpfe der Gruppenmitglieder liegen mehrheitlich im Nacken, manch einer verlängert seine Sichtweite durch ein Fernglas. Seit 20 Minuten stehen sie hier, manchmal hintereinander, manchmal im Pulk; sie kommen nicht recht voran. Überall gibt es etwas zu entdecken. Hier ein Zaunkönig, da ein Rotkehlchen – und was war das? Ah, ein Buchfink. Möwen kreisen über dem Wasser, auf der Wiese am See hüpfen die Krähen.

Das Domänental in Kronshagen ist nicht nur beliebte Jogging- und Spazierstrecke, auch Hobbyornithologen kommen auf ihre Kosten. Regelmäßig bietet der Nabu Schleswig-Holstein Führungen an. Daran muss man nicht teilnehmen, man kann auch gut seine eigenen Beobachtungen anstellen.

Das Gewässer, auf dem sich oft Wasservögel tummeln, heißt Ottendorfer Au. Die Au entspringt hier, fließt durch die Gemeinde Ottendorf und auch durch den Kieler Stadtteil Suchsdorf und mündet in Altwittenbek in den Nord-Ostsee-Kanal. Gerahmt wird die Flussaue von Wald, Wiese, Vögeln und eben: freizeitvergnügten Menschen. Nach meinem Rundgang (man kann leicht einmal um den See herumlaufen) stehen sie noch immer dort, am Eingang. Jemand hat einen Vogel gehört, dessen Ruf er bislang nicht kannte. Das kann hier schon mal öfter vorkommen.

Empfohlener Start: Parkplatz Domänental, Claus-Sinjen-Straße.

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