Zuallererst: Das kommt nicht so häufig vor. Für den seltenen Fall, dass das Leben eines Fluggastes tatsächlich bedroht ist, sei die Crew aber sehr gut geschult, sagt Nikolaus Braun. Und er muss es wissen, denn: Er ist Berufspilot und fliegt für eine große deutsche Airline.

„Zuerst versuchen die Flugbegleiter selbstverständlich alles, was in ihrer Macht steht, um den Todesfall zu verhindern“, erklärt Braun. Die Crew sei stets bemüht, gesundheitliche Probleme schnell zu erkennen und zu behandeln. Kleinere Probleme wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Erbrechen kann die Crew mit gängigen Medikamenten, die immer im Flugzeug vorhanden sind, lindern.

Ist das gesundheitliche Problem aber deutlich ernster und der Passagier schwebt in Lebensgefahr, versucht die Crew so schnell wie möglich einen Arzt zu kontaktieren. Im Falle eines Herzstillstands wird mit der Reanimation begonnen.

„An Bord eines Flugzeugs befindet sich eine umfangreiche, medizinische Ausrüstung, die weit über einen Erste-Hilfe-Koffer hinausgeht“, erklärt der erfahrene Pilot. Neben einem Defibrillator gehören dazu Spritzen, verschreibungspflichtige Medikamente und Geräte zur Intubation. Der Gebrauch eines solchen Koffers ist allerdings nur einem Arzt oder Rettungssanitäter erlaubt.

„Arzt an Bord“-Porgramm für Notfälle

Ein Arzt ist mit etwas Glück auch unter den Passagieren, der im Notfall um Hilfe gebeten werden kann. Zahlreiche Airlines haben dafür sogar spezielle Programme: Bei der Lufthansa gibt es zum Beispiel das „Arzt an Bord“-Programm, in dem sich Ärzte registrieren können. So wissen die Flugbegleiter immer, wenn ein Arzt anwesend ist.

Wenn der Tod eines Passagiers jedoch nicht mehr zu verhindern ist, muss das Personal im Flugzeug oft nach eigenem Ermessen reagieren. „Für diesen Fall gibt es keine Ideallösung“, sagt Braun.

Ist der Fluggast mit Angehörigen unterwegs, wird er meist bei seiner Familie gelassen. Zusätzlich kann der Körper auch mit einem Tuch abgedeckt werden, wenn das in der jeweiligen Situation würdevoll erscheint.

Das passiert mit einer Leiche an Bord

Wenn ein Alleinreisender verstirbt, wird meist versucht, den Leichnam so zu platzieren, dass ihn so wenige Passagiere wie möglich sehen können, beispielsweise in einer freien Sitzreihe oder in der geräumigeren First Class, wie es 2006 auf einem British-Airways-Flug gehandhabt wurde. „Einen wirklich geeigneten Ort an Bord für eine Leiche gibt es tatsächlich nicht“, so der Pilot.

Gerüchte über skurrile Praktiken gibt es natürlich auch. Eine BBC-Dokumentation berichtet, dass man früher bei British Airways einen toten Passagier regelrecht getarnt hat. Man habe ihm einen Wodka-Tonic und eine Zeitung hingelegt und eine Schlafbrille aufgesetzt. Von solchen pietätlosen Vorgängen hat Nikolaus Braun noch nichts gehört.

Und: Er selbst hatte in seiner 16-jährigen Fluglaufbahn noch keinen Todesfall in der Kabine.