Vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass die Air-Berlin-Überbleibsel versteigert werden. Einzige Voraussetzung: eine Registrierung beim Hamburger Auktionshaus Dechow. Bereits mehr als 40.000 Bieter sind schon gelistet. Und ich.

Die Registrierung war einfach, das Log-in problemlos. Und heute war es endlich so weit: Die Auktion sollte um 12 Uhr starten – und ich saß aufgeregt am Rechner. Mein Ziel fest vor Augen: die Air-Berlin-Herzen ergattern.

Das könnte aber schwierig werden. Angeblich hat bereits ein einzelner Bieter ein Angebot für alle noch vorhandenen Herzen (knapp eine Tonne Schokolade!) abgegeben. Ob das Angebot angenommen wurde: unklar. Im Auktionsverzeichnis wird die Schokolade jedenfalls noch angekündigt – sogar an erster Stelle!

Null Lose für Air Berlin eingetragen – unter dem Reiter „Demnächst“ waren am Montag drei Auktionen verzeichnet.
Null Lose für Air Berlin eingetragen – unter dem Reiter „Demnächst“ waren am Montag drei Auktionen verzeichnet. Foto: dechow.de/Screenshot

Außerdem: Allein 900 Trolleys und 2.000 Businessclass-Decken sollen zu Beginn der Versteigerung zum Verkauf stehen, im weiteren Verlauf auch Flugzeugteile und Werkzeug der Fluggesellschaft.

Doch um 11 Uhr der Schock: Die Air-Berlin-Auktion mit der Nummer 53087 war unter „Demnächst“ angekündigt, aber keine Objekte eingetragen. Einen nervösen Anruf später die Gewissheit durch eine Mitarbeiterin von Dechow: Um 12 Uhr geht es pünktlich los. Also: warten.

11.47 Uhr: Es tut sich endlich was auf der Homepage, es stehen 238 Objekte in der Auktion. Ich bin bereit, das Auktionshaus aber nicht – beim Klick auf die Versteigerung kommt nur eine Fehlermeldung. Gut, weiter warten. Zehn Minuten noch, bis ich meine Air-Berlin-Herzen ersteigere!

11.52 Uhr: Ich aktualisiere die Website, und die Auktion ist plötzlich verschwunden. Einfach weg, nicht mehr zu sehen. Das Auktionshaus spielt mit meinen Nerven.

11.59 Uhr: Die Auktion bleibt verschwunden. Traum geplatzt? War’s das jetzt mit meinen Schokoherzen?

12 Uhr: Es geht tatsächlich los! Die Auktion ist wieder da, jetzt sogar mit 849 Objekten. Und (für mich das Wichtigste!) es gibt sie doch: die Schokoherzen! In Zwei-Kilogramm-Tüten, das sind 100 Stück pro Tüte, werden die Herzen verkauft. Startgebot: 20 Euro.

Zu Auktionsbeginn stehen 390 Kilogramm Air-Berlin-Schokoherzen zum Verkauf und die Gebote steigen.
Zu Auktionsbeginn stehen 390 Kilogramm Air-Berlin-Schokoherzen zum Verkauf und die Gebote steigen. Foto: dechow.de/Screenshot

Die Gerüchte um den vorzeitigen Verkauf der Schokolade stimmen also nicht. 195 Angebote sind in der Kategorie „Schokoherzen“ gelistet, die ersten Gebote gehen direkt nach Auktionsbeginn ein.

195-mal zwei Kilo pro Tüte, das macht 390 Kilogramm Schokolade: Ist zwar nicht die versprochene Tonne, aber eine der Tüten sollte ich doch wohl ergattern können.

Kurze Freude: Für einen Moment bin ich Höchstbietender auf zwei Kilogramm Schokoherzen.
Kurze Freude: Für einen Moment bin ich Höchstbietender auf zwei Kilogramm Schokoherzen. Foto: dechow.de/Screenshot

Oder auch nicht: Ich biete auf alle (!) Herz-Tüten, tippe immer höhere Summen ein – und werde trotzdem jedes Mal überboten. Vergiss die Herzen! Mal gucken, was es sonst so gibt. Wie wär’s mit einem iPad von 2017, originalverpackt, für 165 Euro? Davon gibt es 107 Stück. Aber auch die Preise steigen sekündlich.

Ein kleines Flammensymbol neben den Bildern der Gegenstände zeigt an, wenn besonders viel auf diesen Artikel geboten wird. Die Flamme ist neben fast jedem Bild zu sehen.

12.37 Uhr: Das Gebot für einen der Businessclass-Zweisitzer liegt bei 650 Euro.
12.37 Uhr: Das Gebot für einen der Businessclass-Zweisitzer liegt bei 650 Euro. Foto: dechow.de/Screenshot

Um 13 Uhr liegt das Gebot für einen von neun Businessclass-Zweisitzern bei 901 Euro, das Startgebot waren 150 Euro. Und wie zu erwarten, sind auch die Trolleys sehr begehrt. Das Startgebot von 90 Euro steht eine Stunde nach Auktionsbeginn neben so gut wie keinem der Saftwagen mehr. Die Nummer 30851-7 ist besonders beliebt. Das Gebot für den Trolley liegt schon bei 700 Euro, 18 Gebote wurden abgegeben.

Ja, ich muss es wohl einsehen: Die Auktion ist nichts für mich. Die Preise steigen viel zu schnell, das eigene Portemonnaie ist zu dünn. Und seien wir ehrlich: Für meine Linie ist es vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass ich keine 100 Schokoladenherzen ersteigert habe.

Wer trotzdem noch einsteigen will: Die Auktion läuft bis zum 1. Februar um 9 Uhr.

Der Erlös der Auktion soll in die Insolvenzmasse der Airline fließen. Am 15. August 2017 stellte Air Berlin den Insolvenzantrag. Am 1. November wurde das Verfahren vom Amtsgericht Charlottenburg eröffnet. Die Lufthansa kaufte große Teile der Airline auf und die Billigfluggesellschaft Easyjet sicherte sich 25 Air-Berlin-Flugzeuge. Seit dem 28. Oktober 2017 stehen die Maschinen still, Air Berlin hat den Flugverkehr eingestellt.