Schweiz: Der langweiligste Ferienort | reisereporter.de

In diesem Dorf langweilen sich sogar die Kühe

Ermatingen, ein Schweizer Dorf am Bodensee, findet sich selbst so richtig langweilig. Und es ist stolz darauf, präsentiert sich damit in einer Tourismuskampagne. Aber warum? Der reisereporter weiß Bescheid.

Eine Kuh steht auf einer Weide in Ermatingen in der Schweiz.
Sogar die Kühe hier gucken gelangweilt. Kein Wunder! Ermatingen brüstet sich damit, der langweiligste Ferienort der Schweiz zu sein. (Symbolfoto)

Foto: imago/imagebroker

Sogar die Kühe hier gucken gelangweilt. „Wir haben nichts, wir tun nichts und wir bieten nichts.“ Mit diesem Slogan wirbt das 3.000-Seelen-Dorf Ermatingen am Bodensee für sich.

Der Slogan soll tatsächlich Touristen in den Ort locken. Touristen, die auf der Suche nach purer, geradezu radikaler Erholung sind. 

Ermatingen: Ruhe statt Animation

Das Phänomen Overtourism, das vielen Zielen wie Barcelona, Dubrovnik oder Island zu schaffen macht – in Ermatingen keine Spur davon. Im Gegenteil: Wie auch in vielen anderen kleineren Ferienziele in der Schweiz bleiben die Urlauber weg. Die Konsequenz: Gastronomen haben ihre Lokale geschlossen, Hotels wurden dichtgemacht. 

Oder, wie es der Tourismusverein formuliert: „Hier gibt es nichts, was Sie – unsere Gäste – in Ihrer Ruhe stört.“ 

In Ermatingen gibt’s nämlich keine Ferienclub-Animation, kein Abenteuer, keine Party, kein Halligalli und keine überfüllten Strände.

Wer darauf ohnehin keine Lust hat, der kann die Dinge genießen, die es in Ermatingen gibt: frischen Fisch aus dem Untersee, Wein (der beliebte Müller-Thurgau reift hier), Sonnenuntergänge mit Seeblick, Fachwerkbauten und französische Schlösser – eine Idylle. Für die einen ein Graus, für andere das Paradies. 

Die Bilanz der Langeweile-Kampagne

Die Kampagne, die der Verein vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat, habe sich bewährt, sagt Ulrich Spreiter, der Präsident des Ermatinger Tourismusvereins. Ob die Gästezahlen in Ermatingen gestiegen sind, weiß er aber nicht. „Wir haben nur ein kleines Hotel im Ort und deshalb hauptsächlich Tagestouristen. Die können wir nicht zählen“, sagt er. 

Und die, die die Langeweile nicht aushalten, fahren mit dem Auto 45 Minuten weiter nach Zürich oder St. Gallen.

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