Kiel: Dein Winter-Wellness-Tag | reisereporter.de

Dein Winter-Wellness-Tag an der Kieler Förde

Winter können hart sein. Was aber gibt es schöneres, als einen Wintertag an der Kieler Förde zu verbringen? Äußerst wenig – findet reisereporterin Melanie. Sie nimmt dich mit an den Strand, auf eine heiße Schokolade, ins Kunstmuseum und in die Sauna.

Konrad Bockemühl
So schön kann Winter an der Kieler Förde sein.

Foto: Konrad Bockemühl

Im Winter gibt es eine perfekte Tageszeit für einen Spaziergang am Strand: den Vormittag. Denn wir wollen einen klaren Himmel. Gehen wir nämlich zu früh los, hängt das morgendliche Wolkengrau noch über der Förde und wir werden nicht umhinkommen, Theodor Storms Gedicht „Die Stadt“ laut in den drängenden Fördewind zu rufen:

„Am grauen Strand, am grauen Meer / Und seitab liegt die Stadt; / Der Nebel drückt die Dächer schwer, / Und durch die Stille braust das Meer / Eintönig um die Stadt.“

Zwar beschreibt der Schriftsteller, der vor 200 Jahren in Husum geboren wurde, seine Heimatstadt (die auch noch an der Nord- und nicht an der Ostsee liegt), aber wenn das Wetter auf das Gemüt schlägt, ist die Herkunft sowas von piepegal.

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Ab an den Falckensteiner Strand

Den eigenen Gemütszustand nach außen zu tragen, kann zwar auch seinen Charme haben, entspricht aber eher nicht so dem norddeutschen Wesen. Außerdem wollen wir unseren Seelen ja eine Wellnesskur gönnen. Deswegen: Erstmal in Ruhe frühstücken, vielleicht in einem der schönsten Cafés in Kiel, und dann ab zum Falckensteiner Strand.

Der gehört zum Kieler Stadtteil Friedrichsort und befindet sich auf der Westseite der Förde. Oberhalb des Nord-Ostsee-Kanals gelegen, beschreibt die Förde hier ihre engste Stelle: Zwischen dem Leuchtturm Friedrichsort und dem Ostufer liegen nur knapp zwei Kilometer und während der Kieler Woche ist dies der beste Standort, um die Schiffe der Windjammerparade beim Auszug aus der Förde zu beobachten.

Gleichzeitig ist die Stelle auch das Tor zur Ostsee. Hier weiten sich Wasser, Blick und Geist. Wir können noch das Ostseebad Laboe sehen mit seinem steil aufragenden Marine-Ehrenmal und am Horizont vielleicht die Fähre, die gerade aus Oslo zurückkommt.

Der Hund darf mit an den Falckensteiner Strand

Falls du Hundebesitzer bist, wirst du es hier automatisch mögen, dein Hund kann nämlich von Oktober bis März mit dir an den Strand. Wir freuen uns außerdem über die Ruhe, das leise Schwappen der Wellen, das Glucksen der Möwen, die Geräusche der Metalldetektoren unermüdlicher Strandschatzsucher und das plötzliche Aufblitzen des stechend blauen Federkleides des Eisvogels.

Der ist eigentlich kein Meerliebhaber, ist aber in harten Wintern, wenn es schwierig wird mit der Nahrungssuche, manchmal dort zu finden.



Auf eine heiße Schokolade zur Schokodeern

Nachdem wir uns mit Licht, Luft und Förde-Liebe aufgeladen haben, fahren wir zur Schokodeern in die Holtenauer Straße, Stadtteil Brunswik. Denn auch, wenn es am Strand seelenschmeichelnd schön war: Im Winter ist es kalt – und verdammt kalt ist es vor allem am Wasser. Wir brauchen etwas zum Aufwärmen.

Das Café Schokodeern ist die beste Adresse dafür. Torten, Kuchen, Pralinen, verschiedene heiße Schokoladen: Mehr Genuss geht nicht. Die Café-Betreiber machen in ihrer dazugehörigen Konditorei alles selbst und achten dabei auf Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau. Wir bestellen uns natürlich die Winterschokolade mit Lebkuchengewürz und schauen aus unseren Sesseln am Fenster dem städtischen Treiben zu.

Konditorei Schokoedern | Adresse: Holtenauer Str. 106, 24105 Kiel | Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 20 Uhr bis 19 Uhr, Sonntag von 13 Uhr bis 18 Uhr



Wilde Farbstürme in der Kunsthalle

Da – um Loriot zu paraphrasieren – das Leben ohne Kunst zwar möglich, aber sinnlos ist, fahren wir im Anschluss wieder an die Förde. Und zwar zur Kunsthalle zu Kiel. Die liegt nahe der Innenstadt zwischen dem Alten Botanischen Garten und dem Schlossgarten, durch die es sich immer zu flanieren lohnt.

Natur- und meerverbunden zeigt sich auch das Museum, das noch bis April 2018 ausgewählte Arbeiten des Künstlers Emil Nolde (1867-1956) ausstellt. In „Nolde und die Brücke“ geht es vor allem um die Zeit vor, während und nach der kurzen Mitgliedschaft des schleswig-holsteinischen Künstlers in der Gruppe „Die Brücke“ (1905-1913). Es gibt unter anderem Aquarelle, Radierungen und Holzschnitte von Nolde und den Brücke-Künstlern zu sehen, alle frühexpressionistisch, viele stilistisch nahe an Vincent van Gogh (1853-1890).

Auf den Gemälden von Nolde wüten „Farbstürme“, das finden wir gut, denn es steht im Einklang mit unserem Wintertag. Wir lieben die dicken Farbklumpen, die keinen Unterschied machen zwischen Himmel und Meer und denken dabei an den Falckensteiner Strand. In dem Ausstellungs-Begleitheft für Kinder (und definitiv auch für Erwachsene!) lesen wir: „Stelle dir vor, du könntest die Farben von Noldes ‚Badehaus’ mit deiner Zunge probieren. Wie würde es schmecken?“ Und wir witzeln: Vielleicht lassen wir uns ja mit ausgestreckter Zunge vor den Gemälden erwischen.

Kunsthalle Kiel | Adresse: Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel | Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 18 Uhr, Mittwoch von 10 Uhr bis 20 Uhr



Schöner Saunieren im MareSchönkirchen

Bevor das passiert, sind wir aber auch schon wieder unterwegs: Wir fahren auf die andere Förde-Seite, ans Ostufer. Zwar gehört Schönkirchen streng genommen nicht mehr zu Kiel, sondern zum Kreis Plön, aber der Weg dorthin ist quasi keiner und direkt an der Abfahrt der Bundesstraße 502 liegt auch schon das Mare.

Das Mare ist Fitnessstudio, Wellness-Stätte und Beautytempel in einem. Für den Sauna- und Spa-Bereich besorgen wir uns Tageskarten, Bademäntel und Saunatücher (kann man ausleihen) und duschen uns erst einmal ab. Denn: Ein Saunabesuch ist kein Freizeitparkausflug. Wir sind hier, um die Langsamkeit zu entdecken. Und natürlich um ein bisschen zu schwitzen.

In der terrakottafarbenen Saunagrotte haben wir es gemütlich und Zeit zum Quatschen. Oder schweigen. Wasser plätschert aus kleinen Brunnen, orientalisch anmutende Säulen und Lampen schaffen eine angenehme Atmosphäre, und überhaupt ist hier alles schön: Wir sitzen gerne auf dem gefliesten Podest, das sich in der Mitte der verschiedenen Schwitzhütten (finnische Sauna, Kräutersauna, Bio-Soft-Sauna, Dampfsauna, Infrarot-Kabine und -Sauna) befindet, und lassen uns Fußbäder ein.

In den Saunen sind sitzende und liegende Körper zu erahnen. Durch die Türen wirken sie gerahmt, wie Gemälde. Wir vergleichen sie mit den expressionistischen Werken aus der Kunsthalle. Wäre Nolde damals in die Sauna gegangen… Dabei war er wohl eher ein zurückhaltender Typ, malte eher Porträts als Akte. Eher Landschaft als Städter. In der Bio-Soft-Sauna beobachten wir das Farbenspiel an der Decke. Die wechselnden Lichtstimmungen sollen die eigene Stimmung heben, wir glauben es gerne.

Glücklich legen wir mehrere Saunagänge ein, wir haben ja Zeit. Auf warm-geschwungenen Steinliegen ruhen wir uns aus, im Saunabistro mit knisterndem Kaminfeuer essen wir uns gesund. Während draußen das Winterdunkel wieder Oberhand gewinnt, befällt uns innen eine Zufriedenheit, die automatisch entsteht, wenn man sich eine Weile in Kiel aufhält. Das ist das Schöne am Norden und das Besondere an der Kieler Förde. Auch im Winter.

Mare Kiel | Adresse: Söhren 47, 24232 Schönkirchen | Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag von 7 Uhr bis 23 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 8 Uhr bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag von 9 Uhr bis 20 Uhr

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