Familie auf Weltreise mit Kleinkind Leni | reisereporter.de

Familie auf Reise: Leni (3) wächst als Globetrotterin auf

Ein 40-Stunden-Job, eine schöne Wohnung, aber viel zu wenig Zeit mit Tochter Leni. Holger und Sabrina wollten das nicht mehr hinnehmen. Sie wollten mehr Zeit als Familie – warum nicht in der Ferne? Zu dritt ging es auf Weltreise.

Leni sitzt am Steuer eines Busses, während die Eltern hinten sitzen.
Leni hat das Steuer in der Hand! Mama Sabrina und Papa Holger reisen mit ihr um die Welt.

Foto: World Safari Family

Seitdem wächst die dreijährige Leni als echte Globetrotterin auf: Mit Mama Sabrina und Papa Holger reist sie seit zehn Monaten durch ferne Länder, lernt die Kulturen kennen, stürzt sich mit den Eltern in den Dschungel der Großstädte und planscht auf Trauminseln im warmen Meer. Der Plan ist: Genau so open end weitermachen.

Vor der Geburt von Leni stand dieser Plan noch in den Sternen. Sabrina (34) und Holger (37) Eweka aus Augsburg machten nur klassische Urlaube von zwei bis drei Wochen. „Und als ich schwanger wurde, haben wir extra noch mal einen Urlaub in Thailand eingelegt. Wir waren fest davon überzeugt: Fernreisen mit Kind werden die kommenden Jahre nicht möglich sein.“

Leni feierte ihren ersten Geburtstag am Strand auf Bali

Doch als Leni vier Monate alt war, packte die beiden wieder das Fernweh. „Ich hatte einen Bericht über eine Familie gelesen, die ihre Elternzeit auf Bali verbracht hatte. Ein paar Wochen später buchten wir unseren Flug“, erzählt Sabrina. Und so feierte Leni ihren ersten Geburtstag am Strand auf Bali.

Bei den Eltern, zunächst bei Sabrina, später auch bei Holger, wuchs indes der Wunsch nach einer langen Reise. Die erste Idee war noch vorsichtig: Drei Monate raus aus Deutschland und die Wohnung untervermieten. Doch nach langen Gesprächen war klar: „Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig.“ Die zweite Idee war daher mutig: „Wir beschlossen, uns kein Enddatum zu setzen, um so frei wie nur möglich Entscheidungen treffen zu können.“

  

Bilder der Familien-Weltreise

Also: Wohnung und Jobs gekündigt, Möbel und Auto verkauft. Bei einem Wohnungsflohmarkt wurden Klamotten, Geschirr und Spielzeug weggegeben. Bis auf ein paar Kisten mit warmen Anziehsachen und Erinnerungen haben die drei Ewekas nichts mehr, was sie an ihr altes Leben erinnert. „Jeder Moment, in dem ein Gegenstand die Wohnung verlassen hat und unsere Reisekasse füllte, war ein großartiger Moment“, sagt Sabrina. Hinzu kommt einiges an Erspartem.

Wir wollen Leni die Welt, fremde Kulturen und Einheimische zeigen.

Sabrina Eweka

Bei Familie und Freunden stieß dieser Mut nicht nur auf positives Feedback, erzählt Sabrina. „Ein großer Zweifel war das Thema Job: ‚Wie könnt ihr nur eure sicheren Jobs aufgeben?‘ Aber was ist heutzutage schon sicher? Wir denken positiv, alles kommt zu richtigen Zeit. Alles hat seinen Sinn im Leben.“ 

Roller fahren auf Bali – die drei Ewenkas genießen es.
Roller fahren auf Bali – die drei Ewenkas genießen es. Foto: World Safari Family

Kritik an der Reise mit Kind: „Wie könnt ihr Leni das antun?“

Die heftigste Reaktion habe sich aber auf Leni bezogen, sagt Sabrina. Es kamen Fragen wie: „Wie könnt ihr Leni das antun, sie aus dem System ziehen und ihr keinen geregelten Alltag schenken? Ihr die Chance auf Freunde verwehren?“

Sabrina und Holger haben eine klare Antwort: „Unsere Ansicht ist: Für ein Kind gibt es nichts Besseres als mit beiden Elternteilen aufzuwachsen. Wir wollen Leni die Welt, fremde Kulturen und Einheimische zeigen.“ Trotzdem haben sie Verständnis für diese Reaktion: „Sich aus der Komfortzone zu lösen, das Sicherheitsdenken, welches uns von klein auf suggeriert wird, abzulegen ist nicht immer leicht.“ 

Für Holger und Sabrina sei das Ausbrechen aus der Komfortzone aber genau das Richtige, gerade mit Leni. „Es ist mir wichtig, sie so frei wie möglich zu erziehen und nicht fremdbetreuen zu lassen. Das fing früh an: Leni ging nicht in die Kinderkrippe, sondern ich entschied mich, für mindestens drei Jahre zu Hause zu bleiben.“

Trotzdem war für sie und Holger die gemeinsame Zeit als Familie nicht genug. Denn er kam nicht vor 18 Uhr nach Hause – da war Leni meist schon reif fürs Bett. „Wir hatten das Gefühl, uns im Kreis zu drehen. Tagein, tagaus. Wir wollten raus aus dem Hamsterrad.“

Leni, Sabrina und Holger Eweka aus Augsburg am Flughafen vor der Weltreise.
Abflug nach Bangkok: Ein Abschied auf unbestimmte Zeit. Foto: World Safari Family

Der Abschied auf unbestimmte Zeit

Am 19. März ging dann schließlich der Flieger nach Thailand. Dort erforschten sie fünf Wochen lang Bangkok und Ao Nang. Es folgten mehrere Monate Bali und Malaysia. Und, verrät uns Sabrina, ein Zwischenstopp in Deutschland für sie und Leni. Der Grund: Heimweh – aber nicht Lenis, sondern Sabrinas.

„Ich habe diesen Schritt noch einmal gebraucht. Ich wollte mich noch mal verabschieden von meinen Lieben. Die Wochen vor unserer Abreise waren wirklich stressig und ich hatte einfach keinen Platz in meinem Kopf für Emotionen“, sagt sie. Nach drei Wochen ging es zurück nach Asien.

All ihre Gedanken und Erlebnisse teilt die Familie auf ihrem Blog www.worldsafari.de.

Leni und Mama Sabrina sitzen auf einer Schaukel am Strand.
Leni und Mama Sabrina genießen die Freiheit am Strand. Foto: World Safari Family

Aktuell entspannen die drei auf Ko Phangan. „Alle asiatischen Länder waren bisher sehr familientauglich. Die Kultur ist Kindern beziehungsweise Familien gegenüber sehr aufgeschlossen und die Menschen sind stets freundlich“, sagt Sabrina.

Das führte auch zum „Herzensmoment“ ihrer Reise: „In Ubud auf Bali hat uns unsere Gastfamilie mit in den Haustempel Pura Desa Gede Peliatan genommen – wir wurden ganz toll eingebunden. Leni war begeistert und hat überall mitgemacht. Noch immer findet sie es ganz toll, ihr balinesisches Gewand, die Kabaja, anzuziehen.“

Leni betet im Tempel Pura Desa Gede Peliatan in Ubud auf Bali.
Leni ist fasziniert von der balinesischen Kultur. Foto: World Safari Family

Reisen mit Kind – so ist es wirklich

Reisen mit Kind – das ist anders als zu zweit. „Man reist viel langsamer, das ist toll“, so die 34-Jährige. Denn Leni braucht immer drei bis vier Tage, um eine neue Umgebung anzunehmen. „So bleiben wir länger an einem Ort, kommen schneller in Kontakt mit Einheimischen und entdecken den Ort viel intensiver.“

Nerviges gebe es aber auch, logisch. „Das sind vor allem die Transfer-Tage. Einfach in einen Zwölf-Stunden-Zug setzen geht mit Kleinkind nicht. Wir wählen andere Strecken und legen lieber noch mal einen Zwischenstopp ein.“ An das Reiseleben habe sich Leni aber inzwischen gewöhnt. „Sie ist ein echtes Travel-Kind geworden und wirkt in unseren Augen viel glücklicher als vor der Reise“, sagt Sabrina.

Als Nächstes geht es für die drei nach Kambodscha, Vietnam und Laos. Und im Frühling will die Familie einen anderen Kontinent kennenlernen. Die Idee: House-Sitting in Australien oder Neuseeland. „Wir entscheiden das wohl, wie immer, recht kurzfristig“, sagt Sabrina und lacht. Nur eine Rückkehr nach Deutschland, die ist nicht geplant.

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