Warum ich San Francisco so sehr liebe | reisereporter.de

Warum ich mich in San Francisco verliebt habe

Ganz nach dem Motto „I left my heart in San Francisco“ zieht es reisereporterin Seden jedes Jahr zurück in die Bay Area. Was die viertgrößte Stadt Kaliforniens für sie so einmalig macht? Da gibt es so einiges…

Mit solch einer Aussicht auf die Bucht von San Francisco lässt es sich besonders schön schaukeln.
Keine andere Stadt hat es reisereporterin Seden so sehr angetan wie San Francisco.

Foto: Seden Aydogdu

Ich erinnere mich, als wäre es erst gestern gewesen: 2011, ein warmer Spätsommertag und diese Stadt strahlte mich an wie keine andere je zuvor. Warm, einladend, charmant, und ehe ich mich versah – boom, bang! – verliebte ich mich Hals über Kopf in San Francisco.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Über die Jahre und mit jedem weiteren Besuch entwickelte sich „San Fran“, wie ich sie immer liebevoll nenne, zu einer großen Sehnsucht und zweiten Heimat, die selbst unter der Distanz von zwölf Flugstunden und gut 9.000 Kilometern nie litt.

Viele können meine Schwäche und meine Euphorie für „San Fran“ bis heute nicht nachvollziehen. Zu kalt, zu unspektakulär… Ich sag euch: Es gibt gefühlt eine Million Gründe, weshalb dieser Ort im Norden von Kalifornien bei einigen Schmetterlinge im Bauch verursacht – und bei mir gleich einen ganzen Schmetterlingsschwarm.

Hügelige Straßen in San Francisco.
Auf und ab: San Franicsco ist vor allem für seine hügeligen Straßen bekannt. Foto: Seden Aydogdu

Aber eines nach dem anderen: Die gut 800.000 Einwohner zählende Stadt ist überschaubar groß, sodass ich eigentlich alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann – und dabei nicht gefühlt einmal um die ganze Welt schlendern muss, um das nächste hippe Café oder Restaurant zu erreichen. In vielen amerikanischen Städten gar nicht vorstellbar, und so ist Google Maps nur ein flüchtiger Freund, den ich in San Francisco kaum brauche.

Gerade so finde ich nämlich jedes Mal unentdeckte Gegenden und komme an jeder Straßenecke ins Staunen, wenn ich plötzlich wieder vor einer der zahlreichen hügeligen Straßen stehe. Auf und ab wie lange Rutschen schlängeln sich die Wege durch die Stadt, wo bunte (und durchaus schmale) Häuser aus dem viktorianischen Zeitalter aneinandergereiht stehen.

Rosa Haus im viktorianischen Stil.
In der ganzen Stadt sind wunderschöne bunte Häuser aus dem viktorianischen Zeitalter verteilt. Foto: Seden Aydogdu

Eine Stadt, tausend Facetten

Egal wohin es mich hier verschlägt: Es gibt für jede Persönlichkeit einen eigenen Stadtteil, der anders- und einzigartiger nicht sein kann. Eine verträumte, aber schicke Nachbarschaft direkt an der Bucht von „San Fran“, die zu meinen absoluten Lieblingsbezirken gehört, ist der Marina District. Bummeln in schicken und detailgetreu eingerichteten Boutiquen, süßen Cafés und Restaurants könnte nirgends schöner sein.

Welches bekannte Stadtviertel in „San Fran“ auch nicht fehlen darf? Genau: Chinatown! Absolut sehenswert, keine Frage. Aber viel toller finde ich Japantown. Hochwertige Restaurants, kleine japanische Lebensmittelgeschäfte sowie Bücherläden sind einfach JEDEN BESUCH wert. Die (Schönheit der) Kirschblüte wird hier jeden Frühling nach japanischer Tradition gefeiert.

Der Stadtteil „Castro“.
Sobald du die bunten Flaggen siehst, weißt du: Du befindest dich im Stadtteil „Castro“. Foto: Seden Aydogdu

Nicht zu vergessen wäre auch das Szenenviertel „The Castro“, das vor allem als Lesben- und Schwulenstadtteil bekannt ist. Bereits von Weitem sind die Fahnen und Straßenübergänge in den bekannten Regenbogenfarben zu sehen.

Überhaupt: Eine Fahrt mit den beliebten Cable Cars bringt mich an die schönsten Ecken. Der wahre Scharm und eine Zeitreise zurück in die Neunziger-„Full House“-Ära ist dank der offenen Hängestraßenbahnen garantiert. Und die zahlreichen Touristen, die während der Fahrt wild ihre Kameras zücken, kann ich zum Glück ausblenden.

Festhalten: Mit den Cable Cars kannst du die Stadt erkunden.
Die bekannten Hängestraßenbahnen, Cable Cars genannt, bieten dir eine unvergessliche Erkundungsmöglichkeit durch San Francisco. Foto: Seden Aydogdu

Die typische Großstadthektik ist kaum zu spüren, wenn ich mit einem Kaffee to go vom Ferry Building zum Pier 39 schlendere. Auch wenn jährlich um die 18 Millionen Touristen die Stadt besuchen. Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn ich mir eine Decke schnappe und mich mit einem Buch in den Dolores Park oder an den Baker Beach lege, wo Einheimische meist ihre Nachmittage verbringen.

Immer häufiger bemerke ich, dass mein Herz nicht nur für die Stadt selbst, sondern auch für deren Menschen höherschlägt. Sie sind wesentlich toleranter, lockerer, irgendwie nicht klischeehaft amerikanisch-konservativ. In „San Fran“ kann jeder rumlaufen, wie er mag – selbst splitternackt (o ja, kein Witz… mir sind so einige über den Weg gelaufen) –, und keinen interessiert es.

Pause am Strand mit Blick auf die Golden Gate Bridge.
Eine kurze Auszeit am Strand mit Blick auf die Golden Gate Bridge gefällig? Foto: Seden Aydogdu

Schnell Kontakte zu knüpfen ist hier nicht schwierig. Ein Großteil der Bewohner kommt aus aller Welt, um im Silicon Valley zu arbeiten. Somit ist jeder auf der Suche nach neuen Bekanntschaften und überaus kontaktfreudig. Ich habe schon viele direkt angesprochen und bin jedes Mal überrascht, dass es doch so einfach geht. Aber vielleicht bin ich in Deutschland auch einfach viel zu verbissen, wer weiß.

Glanz und Elend zugleich

„San Fran“ hat sich über die Jahre nicht nur zu meiner großen Liebe, sondern auch zu einer wahren Vorzeigestadt der USA entwickelt. Elektroautos sind dank einer sehr guten Dichte an Ladestationen nichts Ungewöhnliches. Auch das Recyclingsystem ist gut durchdacht, und Solarpanels sind auf den zahlreichen Flachdächern sogar Pflicht. Außerdem wirst du hier mehr Menschen in schicken Sport-Outfits und Biorestaurants finden, als kugelrunde und übergewichtige Amerikaner in bekannten Fast-Food-Ketten.

Okay, natürlich ist meine Liebe zu San Francisco nicht immer nur rosarot. Auch die Schattenseiten sind mir während meiner Reisen bewusst geworden: Eine unglaublich hohe Obdachlosenrate sowie enorme Lebenshaltungskosten lassen einen die Schere zwischen Arm und Reich in der gesamten Bay Area besonders spüren.

 Der Pier 39 am Fisherman’s Wharf in San Francisco.
Der wohl bekannteste Teil des Fisherman’s Wharfs ist der Pier 39. Er ist besonders für seinen ganzjährigen Rummel bekannt. Foto: Seden Aydogdu
Auch der Drogenkonsum, und damit meine ich nicht das Rauchen von Marihuana, das in Kalifornien sowieso legal ist, sondern Kokain- und Ecstasykonsum, ist auf Partys oder nachmittags im Park keine Seltenheit.

Aber welche Stadt bzw. Liebe ist schon perfekt? Für mich steht fest: San Francisco ist und bleibt eine der schönsten Städte weltweit und so schnell wird uns erstmal nichts trennen können.  

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