Miami Beach ist kein nahtlos zusammenhängendes Terrain, sondern besteht vielmehr aus verschiedenen zwischen Atlantik und Biscayne Bay angesiedelten Inseln, die durch Brücken – die so genannten „Causeways“ – miteinander verbunden sind.

Manche der Inseln sind natürlichen Ursprungs, andere von Menschenhand geschaffen und wieder andere aufgrund ihrer Besiedelung durch Salzwasser aufnehmende Mangrovenbäume unbewohnbar. (Deshalb sind sie aber nicht weniger sehenswert und auf jeden Fall einen Besuch per Boot oder Kayak wert.) Doch sie alle bezaubern mit tief gelegenen tropischen Küsten, traumhaften weißen Sandstränden, kristallklarem Wasser, Palmen und Obstbäumen. 

Aus diesem natürlichen Lebensraum entstand schließlich die Inselreihe, die am 26. März 1915 Stadt-Status erhielt und sich später im Jahr 1917 zu einer Großstadt und einem Paradies für Unternehmer und Bauherren entwickelte.

Plantage für Mangos und Avocados

Die ersten Siedler waren Henry Lum und sein Sohn Charles. Sie kauften das Land 1870 für 25 Cent pro Morgen mit der Mission, Schiffbrüchigen zu helfen. Ihr Haus, das Biscayne House of Refuge auf Höhe der heutigen 72nd Street, war das erste in Miami Beach. Heute existiert es allerdings nicht mehr. Zehn Jahre später kamen zwei Industrielle aus New Jersey, um eine Kokosnussplantage zu gründen. Das Vorhaben scheiterte jedoch. John S. Collins, einem der beiden Partner, gelang es im frühen 19. Jahrhundert aber, die Plantage auf den Anbau von Mangos und Avocados umzustellen.

Collins und seine Familie waren es schließlich auch, die in dem Land weit größeres Potenzial erkannten. Teils im Alleingang, teils zusammen mit anderen Geldgebern, die hauptsächlich aus Mitgliedern der Pancoast-Familie, den Lummus-Brüdern, einem Bankiersduo aus Miami, und Carl Graham Fisher, einem Geschäftstycoon aus Indianapolis, bestanden, rodeten sie das Land, verbanden es mit dem Festland und errichteten zahlreiche historische Stätten. Einige davon sind bis zum heutigen Tag zu bewundern, darunter Brown’s Hotel, in dem sich jetzt das allseits beliebte Restaurant „Prime 112“ unter der Regie von Myles Chefetz befindet, das Roney Plaza Hotel und das erst kürzlich renovierte Nautilus South Beach Hotel.

In den 1920er-Jahren bearbeiteten Fisher und seine Bekannten die Bucht mit Baggern und füllten sie auf. Daraus sollten später die exklusiven, mit Villen übersäten Star, Palm und Hibiscus Islands entstehen. Außerdem schufen sie die Sunset Islands, einen großen Teil der Normandy Isle und die meisten der Venetian Islands.

Heute können Sie mit Duck Tours South Beach eine „Hydra Terra“-Tour unternehmen, um zumindest aus der Ferne einen Blick auf die märchenhaften Traumvillen zu erhaschen, die heute Stars und Musiker wie die langjährigen Miami-Fans Gloria und Emilio Estéfan, Enrique Iglesias und dessen Partnerin, Ex-Tennisstar Anna Kournikova, sowie Lenny Kravitz ihr Zuhause nennen. 

Viele Orte sind nach diesen Gründern benannt. Ein Beispiel dafür ist die Collins Avenue mit ihren berühmten Urlaubsquartieren, die teils in den 90er Jahren, teils erst vor kurzem renoviert wurden, darunter das Delano, das National Hotel Miami Beach, Shelborne Wyndham Grand South Beach und das SLS South Beach sowie der auf der Strandseite des Ocean Drive gelegene Lummus Park.

Aufschwung nach dem Hurricane

Der Aufschwung von Miami Beach, der durch die unermüdliche Überzeugungsarbeit von Carl Fisher bei finanzstarken Geldgebern aus dem Nordosten und mittleren Westen beflügelt wurde, fand nach dem zerstörerischen Hurricane von 1926 erst einmal ein vorläufiges Ende. In den 40er- und 50er-Jahren erholte sich Miami Beach wieder und erlebte dank Spekulanten und Gangstern wie Al Capone und Stars wie Jackie Gleason (nach dem The Fillmore Miami Beach at the Jackie Gleason Theater ursprünglich benannt wurde) einen regelrechten Wirtschaftsboom.

Legendären Nobelrestaurants wie  „The Forge Restaurant & Wine Bar“, wo sich Capone und seine berüchtigte Gefolgschaft an den edlen Tropfen aus dem Weinkeller von Gründer Al Malnick gütlich taten, standen rustikale Kneipen wie die 1926 eröffneten „The Deuce Bar“ gegenüber, bei der es sich übrigens um die älteste noch in Betrieb befindliche Bar handelt. Melissa Burley aus Miami, einst Barkeeperin im „Mac’s Club Deuce“ und Autorin des Bildbands „Mac’s Club Deuce Bar“, erzählt, dass Mac, der die Bar 1964 übernahm und ihr den Namenszusatz „Mac“ gab, immer noch jeden Tag zur Arbeit erschiene und das, obwohl er gerade 100 geworden sei. Damals wie heute verdankt die Bar ihre Beliebtheit „den billigen, aber hochprozentigen Drinks und den gestandenen Barkeepern, mit denen nicht zu spaßen ist“, verrät sie uns. (Was nicht heißt, dass in und vor der Bar keine Späße getrieben werden.) 

Was sich in den 1970er-Jahren zu einer stadtweiten Wirtschaftskrise auswuchs, entwickelte sich jedoch zum Glücksfall für gesellschaftliche Außenseiter. Für die rasant steigende Zahl von Einwanderern aus der Karibik und Südamerika, aber auch für die LGBT-, Schriftsteller- und Künstler-Community gab es zahlreiche Möglichkeiten, günstig zu leben und zu arbeiten. Auch für Fotografen auf der Suche nach billigen Fotoschauplätzen sowie für Produzenten von Fernsehserien und Filmemacher war Miami Beach die perfekte Location. Vor der Jahrtausendwende entstanden hier Produktionen wie die TV-Serie Miami Vice, deren Szenen von Lummus Park bis hin zu Mac’s Club Deuce überall gedreht wurden, und Filme wie Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv, Scarface, The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel und Verrückt nach Mary. 

Hotspot der Bikini-Schönheiten

So kam es, dass Miami Beach seinen Ruf als Hotspot Nr. 1 der schönsten Badenixen über die Jahrzehnte hinweg zurückerobern konnte: Von Miami Beachs erstem Pin-up-Modell Bunny Yeager, die die Titelseite der Chronik Miami Beach Memories: A Nostalgic Chronicle of Days Gone By von Miami-Autorin Joann Biondi ziert (die für die Chronik 101 Einwohner zu ihren Erinnerungen an die 20er- bis 60er-Jahre interviewt hatte) bis hin zu den heutigen Covergirls des Magazins Sports Illustrated. Zu weltweitem Renommee als eine der schwulenfreundlichsten Städte gelangte Miami Beach auch durch Veranstaltungen wie die White Party Week und das Winter Party Festival. 

Der Zustrom von Geld und Prominenten aus der Model-, Fernseh- und Filmbranche brachte neuen Schwung in die Bevölkerung von Miami Beach. Anstatt den Abriss kostbarer Bauten tatenlos hinzunehmen, entschied sich eine Gruppe engagierter Anwohner – angeführt von Barbara Capitman –, der Architektur neues Leben einzuhauchen. 1979 wurde der Art Déco-District mit dem weltweit größten Bestand an Art-déco-Bauten offiziell in das National Register of Historic Places aufgenommen. Und obwohl die Restaurierungsarbeiten 1992 infolge von Hurrikan Andrew, der mit einer Stärke der Kategorie 5 über Miami wütete, für etwa ein Jahr auf Eis gelegt wurden, kann sich Miami Beach heute dafür rühmen, dass jede seiner historischen Stätten mindestens einmal der Abrissbirne entronnen ist. Und das ist auch gut so.