Valletta ist Kulturhauptstadt – Malta feiert! | reisereporter.de

Europa feiert Valletta: Kein Fest ohne Feuerwerk!

Valletta ist Kulturhauptstadt 2018. Wobei: Nur Valletta? Nein, eigentlich die ganze Insel. Die Malteser zeigen ein Jahr lang, was sie am besten können: feiern! Mehr als 165 Feste gibt’s pro Jahr. Und auf der Insel gilt eine ungeschriebene Regel: Kein Fest ohne Feuerwerk.

Skyline von Valletta, der Hauptstadt von Malta, Kuppel der Karmelitenkirche und Kirchturm der St. Paul’s Anglican Pro-Cathedral und ein maltesisches Fischerboot.
Valletta, das sind prunkvolle Bauten, bunte Balkone und bunte Fischerboote.

Foto: imago/Jochen Tack

Charles Seisun arbeitet schon seit mehr als 55 Jahren in den kleinen Steinhäuschen der Feuerwerksfabrik im Dorf Zurrieq. Ehrenamtlich, so wie alle anderen der 30 Helfer hier. Der 70-Jährige steht in einem Unterhemd in einem kleinen Raum, dessen Wände früher wohl einmal weiß waren, auf denen heute aber ein grauer Film liegt. In der Luft hängt der Geruch von Schwefel.

Seisun füllt Schwarzpulver mit bloßen Händen in kleine Röhrchen. Seine Finger sind grau, die Augen sind rot und tränen, rote Narben an den Unterarmen zeugen von kleinen Unfällen mit dem Sprengstoff. Aber er strahlt über das ganze Gesicht, als er sagt: „Ich liebe die Arbeit hier! Ich bin wohl ein bisschen verrückt.“

Charles Seisun arbeitet seit 55 Jahren in der Feuerwerksfabrik in Zurrieq.
Charles Seisun arbeitet seit 55 Jahren in der Feuerwerksfabrik in Zurrieq. Foto: Maike Geißler

Ja. Die Malteser sind verrückt, verrückt nach Feuerwerk. In 35 Fabriken auf der Insel bauen sie selbst die Böller und Raketen für die Feste zusammen. Und davon gibt es viele. Wann immer Reisende nach Malta kommen, irgendwo findet immer eines statt. Zu den 26 offiziellen Inselfesten kommen 140 Dorfpatronatsfeste, die sogenannten Festas, bei denen der jeweilige Schutzpatron des Dorfes geehrt wird. Feuerwerk und Religion gehören auf Malta zusammen. Die Insel ist sehr katholisch, an jeder Ecke steht ein Gotteshaus. 365 Kirchen sind es angeblich insgesamt, für jeden Tag im Jahr eine.

Malta: Verrückt nach Feuerwerk

Der Glaube treibt auch Seisun an: „All meine Arbeit in Zurrieq ist für die heilige Katharina“, sagt er. Und tatsächlich: Eine große Katharinenfigur steht auf dem Gelände der Fabrik und scheint die Arbeiten zu überwachen. Und auf jeder Rakete, die während der Festa in den Himmel über Zurrieq geschossen wird, klebt ein Bild der Heiligen.

Feuerwerk beim „International Fireworks Festival“ in Valletta auf Malta.
Die Malteser lieben Feuerwerk – jedes Jahr findet hier das „International Fireworks Festival“ statt. Foto: Franklin Balzan/viewingmalta.com

Feuerwerke haben auf Malta eine lange Tradition, sie gehen vermutlich auf die Zeit des Malteserordens im 16. Jahrhundert zurück. Der damalige Großmeister des Ordens, Jean de la Valette, gründete 1565 nach der Großen Belagerung durch die Osmanen die nach ihm benannte Festungsstadt Valletta.

Valletta ist nicht nur die südlichste, sie ist auch die kleinste Hauptstadt der EU. 6.000 Menschen leben hier auf einer Fläche von gerade einmal 0,84 Quadratkilometern, was knapp 120 Fußballfeldern entspricht. Die Stadt könnte auch gar nicht weiter wachsen. Zum einen ist sie wohl so stark befestigt wie keine andere europäische Stadt, außerdem liegt sie auf einer Landzunge und ist von drei Seiten von Wasser umgeben.

Ganz Valletta ist Unesco-Weltkulturerbe

Dafür ist ganz Valletta seit dem Jahr 1980 Unesco-Weltkulturerbe, jedes Haus in der Altstadt steht unter Denkmalschutz. Aufgrund ihrer geringen Größe und der Dichte an Sehenswürdigkeiten – allein 320 historische Monumente – wirkt die Stadt wie ein Open-Air-Museum.

  

Malta – eine Rundreise in Bildern

Alle Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß erreichbar: Großmeisterpalast, St. John’s Co-Cathedral, wunderschöne Gärten, Museen, Fort St. Elmo und Waterfront. Viele Bauten sind Zeugen der umkämpften Vergangenheit der Insel: Die Ritter des Malteserordens erbauten Valletta als schachbrettartige Festungsstadt, in der alles auf Verteidigung ausgelegt war. Diese Struktur ist bis heute erhalten: Umschlossen von bis zu 47 Meter hohen Mauern, mit Bastionen und schnurgeraden Straßen. Die erinnern übrigens ein bisschen an San Francisco: Auf der einen Seite geht’s steil bergauf, auf der anderen genauso steil wieder bergab.

Am Ende musste der Malteserorden trotzdem 1798 den Franzosen unter Napoleon weichen, 1814 wurde Malta britische Kolonie. Die Unabhängigkeit folgte 150 Jahre später – trotz der langen Geschichte ist das heutige Malta also noch sehr jung.

Rote Telefonzelle und die Bridge Bar in Valletta.
Malta wirkt noch immer „very british“, zum Beispiel durch die roten Telefonzellen – hier eine vor der Bridge Bar in Valletta. Foto: Maike Geißler

Auch jetzt noch wirkt die Insel „very british“ – Amtssprache ist Englisch, auf den Straßen herrscht Linksverkehr, viele rote Telefonzellen und Briefkästen säumen die Straßen. Aber Malta ist auch ganz schön arabisch. Die zweite Amtssprache Malti (Maltesisch) entstand beispielsweise aus einem arabischen Dialekt. Und Malta ist italienisch, das merken Urlauber vor allem in der Küche: Cannelloni mit Ricottafüllung und Pastizzi mit Erbsenmus sind nur zwei der vielen leckeren Spezialitäten.

Die Vielfalt ist ein Markenzeichen Maltas – nicht nur die kulturelle, sondern auch die landschaftliche. Im Norden tief gelegene Hügel mit kleinen, in Terrassen angelegten Feldern, steile Felsküsten im Westen, bunte Fischerdörfer im Süden, kalksteinreiche Landschaft mit Palästen und modernen Jachthäfen im Osten.

Diese Vielfalt hat zahlreiche Filmemacher auf die Insel gelockt – für die Dreharbeiten für „Troja“ und „Gladiator“ etwa. Und auch für die Kultserie „Game of Thrones“ wurde auf der Insel gefilmt, unter anderem am barocken Stadttor von Mdina.

Blick auf Kakteen und Mdina, die älteste Stadt Maltas.
Mdina ist die älteste Stadt Maltas. Foto: Maike Geißler

Mdina ist die älteste Stadt auf Malta und war bis zum 16. Jahrhundert die Hauptstadt. Sie trägt den Beinamen „stille Stadt“ – weil sich dort seit 250 Jahren praktisch nichts verändert hat; es gibt nur wenige Hotels und Restaurants. Allerdings: Ruhig ist es in der Stadt nicht mehr, vor allem in der Hauptsaison fluten Touristen selbst die ruhigsten Gassen. Um das ursprüngliche Mdina zu erleben, muss man frühmorgens oder abends kommen. Bei einem Spaziergang entlang der Sandsteinbauten, wenn das erste Licht am Morgen oder das letzte am Abend in die labyrinthartig angeordneten Gassen fällt, ja, dann wird’s tatsächlich romantisch.

Niemals still ist es hingegen im Vergnügungsviertel Paceville in St. Julian’s. Tausende junger Leute wählen die Stadt an der Nordostküste der Insel als Ziel ihrer Sprachreise. Tagsüber Englisch lernen, abends Party. Dann wummern die Bässe aus den Diskotheken und Bars. In diesem Teil von Malta ist von der Geschichte der Insel kaum noch etwas zu spüren.

Ein Moment Ruhe am Strand von St. Julian’s – eigentlich ist hier immer etwas los.
Ein Moment Ruhe am Strand von St. Julian’s – eigentlich ist hier immer etwas los. Foto: Maike Geißler

Auch Valletta will angesichts der Feierlichkeiten als Europäische Kulturhauptstadt ein bisschen frischen Wind in die alten Festungsmauern pusten.

Kulturhauptstadt Valletta putzt sich heraus

Wichtiges Projekt dafür waren die modernen Bauten des italienischen Architekten Renzo Piano am Haupteingang der Stadt. Das alte Stadttor wurde durch zwei Betonquader ersetzt, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Oper hat Piano in ein Freilichttheater verwandelt. Das danebenstehende neue Parlamentsgebäude fügt sich mit einer aufgebrochenen Steinfasse optisch perfekt in die historische Umgebung ein.

Die Stadt ist herausgeputzt und bereit für das Kulturhauptstadtjahr. Aber sie feiert nicht allein: „Der Titel gehört zwar Valletta, er wird aber mit der ganzen Insel geteilt“, sagt Catherine Tabone, Geschäftsführerin der Valletta-2018-Stiftung. Mehr als 140 Kulturprojekte und 400 Events finden auf ganz Malta statt – von klassischer Oper über Musik und Film bis hin zu Performance-Art und Design. Und natürlich alles mit Feuerwerk.

Eiswagen und grüner Balkon in Zurrieq auf Malta.
Als wär’s fürs Foto farblich passend arrangiert – ein Eiswagen im Dorf Zurrieq. Foto: Maike Geißler

Auch die Feuerwerksfabrik von Zurrieq hat sich für 2018 etwas Besonderes ausgedacht. Sie beteiligt sich unter anderem am Hafenfest „Pageant of the Seas“ im Juni – eine der Hauptveranstaltungen. „Wir arbeiten dafür an etwas ganz Großem, wir wollen einen Feuerwerksrekord brechen“, sagt der Lizenzinhaber der Fabrik, Sandro Borg.

Das hat Zurrieq schon einmal geschafft, vor ein paar Jahren ließen sie den größten Feuerwerksball Maltas explodieren. Der „ballun tal-blalen“ (auf Deutsch etwa: der Ball aller Bälle) hatte gut einen Meter Durchmesser. Welchen Rekord er für die Europäische Kulturhauptstadt in Angriff nimmt? Borg grinst: „Das verrate ich naürlich noch nicht.“

Malta: Tipps und Infos für die Reise

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Flüge nach Malta an – der Flug dauert etwa zweieinhalb Stunden. Air Malta fliegt zum Beispiel ab Düsseldorf, Frankfurt und München ab 60 Euro pro Person und Strecke. 

Unterkunft:

  • Intercontinental Malta in St. Julian’s: Das Hotel liegt 200 Meter vom Strand der St. George’s Bay entfernt im Vergnügungszentrum Paceville.
  • Hotel Castille in Valletta: Traditionelles Hotel mit historischem Ambiente in der Nähe des Grand Harbour und der Baracca Gardens. 
  • Xara Palace Relais & Chateaux in Mdina: Das Fünf-Sterne-Hotel ist ein Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert im Zentrum Mdinas. 
    Die Hotels sind zum Beispiel buchbar bei FTI Touristik. 
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