In den Achtzigerjahren war es noch das spontane Wintervergnügen. Sobald es die Schneelage zuließ, klemmten die Eltern die langen Bretter aufs Autodach, und los ging’s ins Sauerland. Nach Willingen oder Winterberg.

Dann standen wir mit Scharen von Holländern und Rheinländern in langen Schlangen vor den Schlepp- und Tellerliften, um kurze, matschige Hänge hinunterzurutschen, bis die Skier auf zunehmend braun gescheckten Pisten scharrten. Und dann ging’s wieder nach Hause.                

100 Millionen Euro – alles für den Winterspaß

Heute geht Winterspaß im Sauerland anders. Die sauerländische Tourismusbranche hat gut 100 Millionen Euro in den letzten Jahren für die Verbindung der Pisten, für moderne Liftanlagen, für neue Hotels und Hütten in Nordrhein-Westfalen investiert.

Nun wirbt die Wintersportarena Sauerland – so nennt sich der Verbund aus neun Wintersportorten – mit dem Slogan „Größtes Skivergnügen nördlich der Alpen“. 74 Skilifte für 96 Abfahrten mit 62 Kilometern Gesamtlänge stehen am Rothaarkamm-Gebirge bereit. Es gibt zwar keine Pistenverbindungen, aber Shuttlebusse und Skipässe für die gesamte Arena.

450 Schneekanonen – wenn der Schnee ausbleibt

Vor allem für enorme Beschneiungsanlagen wurde im Hochsauerland viel Geld verpulvert. Mittlerweile tragen 450 Schneemaschinen den zunehmend längeren Wärmeperioden und abebbenden Schneefällen Rechnung. Allerdings braucht es auch für die künstliche Schneeproduktion ein paar Tage Frost, um die Pisten komplett einzuschneien.

Nur im Skigebiet Ruhrquelle kann dank des All Weather Snowmaker, selbst bei Plusgraden ein weißes Band auf die Wiesen gesprüht werden. Umweltschützer zeigen sich zwar entsetzt über den hohen Energieverbrauch. Aber die sauerländischen Betreiber wollen weiter in die Anlage investieren, die in Deutschland bisher einzigartig ist.

Schöne Pisten, kurzer Spaß

Bei unserem Besuch in  Winterberg, dem größten Skiort des Hochsauerlandkreises, haben herkömmliche Schneekanonen die Pisten beschneit. Die ersten Schwünge auf gut präparierten Hängen sind herrlich. Die meisten Hänge sind leicht oder mittelschwer, sodass man mühelos hinabcarven kann. Beim Carven fahren Skifahrer den Schwung vollständig auf den Stahlkanten. Allerdings ist man schneller beim nächsten Lift, als einem lieb ist.
 
Denn die Berge konnten die Tüftler vom Winterberg noch nicht aufschichten: Die längste Piste des Skikarussells Winterberg misst 1.200 Meter – viele liegen deutlich darunter. Zeitig kann also auch den Einkehrschwung zum Mittagessen nehmen, wer einmal das Skigebiet mit seinen 25 Liften und 18 Pistenkilometern komplett durchquert hat.

Wedeln unter Flutlicht

Am Wochenende ist allerdings mit Andrang an den Liften zu rechnen, denn dann wird Winterberg noch immer von den Massen aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden gestürmt. Um den Ansturm aufzulockern, öffnen die meisten Pisten unter Flutlicht abends bis 22 oder 23 Uhr. So haben die Betreiber den Skitag einfach verlängert.

Mit Infrastruktur und hochalpinem Hüttenzauber ist das „St. Moritz des Nordens“, wie die Winterberger ihren Ort stolz nennen, bereits überproportional bestückt. So lockt das Gebiet am Kahlen Asten, dem mit 841 Metern zweithöchsten Berg des Sauerlands, auch viele Freizeitrodler und Winterwanderer an.

Für mehr Nervenkitzel sorgt ein Taxibob mit dem Touristen außerhalb der Wettkämpfe durch eine 1,6 Kilometer lange Eisröhre sausen können. Oder dabei zusehen: Zu den Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften im Februar vergangenen Jahres kamen mehr als 30.000 Gäste nach Winterberg. Weniger Trubel, aber deutlich breitere Hänge – und mehr Sonne. Und: Auch heute noch können Autofahrer Willingen gebührenfrei direkt an der Piste parken. Wo gibt es das sonst?