Vom Hochalter ist nichts zu sehen. Die Gruppe um Harald Kathrein steht zwar am Fuße des 2.678 Meter hohen Berges, die tief hängenden Wolken und der seit Stunden gleichmäßige Schneefall verhindern die Sicht der Skischüler auf die zerklüfteten Wände des Gipfels.

„Halb so schlimm“, sagt Kathrein. „Bei solchem Wetter sind dafür die Pisten leer.“ Zudem haben sich die feinen Flocken mittlerweile zu einer etwa 15 Zentimeter Pulverschneedecke aufgetürmt. „Wenn man kein Schönwetterskifahrer ist, sind das heute optimale Bedingungen“, sagt der 31-jährige Österreicher.

Er ist ohnehin jeden Tag auf der Piste. Sobald ein Gast ihn bucht, ist er zur Stelle. „Das gehört einfach zum Service des Tiroler Skilehrerverbandes“, erklärt Dominik Gleirscher. „Urlauber wollen heute immer das Maximum aus ihrem Aufenthalt in den Bergen herausholen.“ Der 39-Jährige arbeitet schon seit 20 Jahren als Skilehrer. Mittlerweile bildet er auch seine Kollegen aus.

Im Kompetenzzentrum des Skigebiets Axamer Lizum, 20 Kilometer südwestlich von Innsbruck, lernen die jungen Männer und Frauen nicht nur, wie sie Gästen das Skifahren beibringen, auch Snowboarden, Langlauf, Monoski und Telemark stehen auf dem Programm. Vom Anwärter bis zum staatlichen Skilehrer – der höchsten Stufe, die ein Skilehrer in Österreich erreichen kann – lernen die Trainer, wie sie den Gästen nach modernen Methoden der Trainingslehre nicht nur die jeweilige Sportart beibringen können, sondern die Schüler dabei auch noch Spaß haben.

Dieser neue Servicegedanke rückte während der ersten Jahre des neuen Jahrtausends in den Vordergrund. „Die Leute kamen zwar noch nach Österreich, um hier Ski zu fahren. „Jedoch nahm kaum noch jemand Skiunterricht“, sagt Kathrein. Nur junge Familien gaben ihre Kinder in einer Skischule ab, während die Eltern allein auf die Piste gingen.

Skiurlaub in Österreich neu erfunden

Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, ging der Skilehrerverband in die Offensive. „Die Urlauber haben heute ganz andere Wünsche und Ansprüche an uns“, erläutert Kathrein. „Die einen wollen ganz klassisch Ski fahren lernen, die anderen ihre Technik verfeinern.“ Gute Schneesportler buchen sich gelegentlich für etwa 360 Euro einen Skilehrer, weil sie einen Ortskundigen brauchen, mit dem sie jenseits der Pisten fahren können. Die Anforderungen an den Berufsstand haben sich verschoben. „Mittlerweile halten wir uns an ein Handbuch, mit dem jeder Skilehrer in der Ausbildung lernt, wie er Anfängern und Fortgeschrittenen beim Entwickeln einer guten Technik helfen kann“, sagt Gleirscher.
 
Das beweist an diesem Tag auch wieder Kathrein, der mit seiner Schülergruppe in Kühtai unterwegs ist. Mit dem Auto sind es nur 40 Minuten von Innsbruck bis ins Skigebiet. Noch vor einer halben Stunde hatten ihn seine Schüler mit großen Augen angesehen, als er von ihnen verlangte, ihre Skistöcke an den Schlaufen zusammenzubinden und im Tandem die Piste hinunterzufahren.
 
Jetzt schwärmen sie davon, dass sie die Übung im nächsten Urlaub auch mit Freunden und Partner durchführen wollen. „So schulen wir bei den Gästen unbewusst bestimmte Fertigkeiten, die ihnen später helfen, wenn sie beispielsweise carven oder kleine, schnelle Schwünge fahren wollen“, sagt Kathrein. Dass die Skilehrer selbst ausgezeichnete Skifahrer sind, tritt bei dieser Form des Unterrichts oft in den Hintergrund.

Skilehrer-Prüfung in Österreich

Das zeigt sich bereits bei der Ausbildung. Hat ein Skilehrer praktische Schulungen und theoretische Seminare über mehr als 17 Wochen besucht, nebenbei mehrere Saisons in Skischulen gearbeitet, zwei Prüfungen abgelegt und bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 10.000 Euro investiert, kann er seine Abschlussprüfung zum staatlichen Skilehrer ablegen. Darin enthalten ist auch der sogenannte Euro-Test. Ein Skirennen, bei dem sich die zu erreichende Zeit an der eines Weltcup-Fahrers orientiert.
 
In anderen Ländern, wie beispielsweise Frankreich, müssen Interessenten diese Prüfung bestehen, um überhaupt die Ausbildung als Skilehrer beginnen zu dürfen. „Das halten wir nicht für sinnvoll, weil Skilehrer sein weit mehr ist, als nur gut und schnell Ski fahren zu können“, sagt Gleirscher. Warum der französische Verband an dieser Regel festhält, kann er aber erklären. „Dort hat man Angst, dass zu viele Ausländer, vor allem Engländer, Skilehrer werden und die Einheimischen nicht mehr genügend Arbeit haben.“

300 Skischulen, 4.000 Skilehrer

Ein ähnliches Problem gibt es auch schon in Österreich. In den 300 Skischulen sind rund 4.000 Skilehrer gemeldet. Gleirscher geht aber davon aus, dass es gut doppelt so viele in Österreich gibt. Diese arbeiten dann selbstständig, ohne dass sie über eine offizielle Stelle wie eine Skischule, ein Hotel oder das lokale Tourismusbüro buchbar sind. „Trotzdem steht die Ausbildung in Österreich jedem offen, ganz gleich, aus welchem Land er kommt“, sagt Gleirscher. Beim zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass es ein für viele Nationen durchaus schwierig zu bewältigendes Kriterium für die Ausbildung in Österreich gibt: Sie wird ausschließlich auf Deutsch gehalten.