Die Passagiere von Ryanair müssen sich nun doch noch auf Streiks vor Weihnachten einstellen. Die Verhandlungen mit Ryanair über die Arbeits- und Vergütungsbedingungen gestern seien ergebnislos verlaufen, teilte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) heute mit. Die Konsequenz: Ein vierstündiger Warnstreik. Der erste in der Geschichte des Billigfliegers in Deutschland.

Ryanair-Streik: Alle Verbindungen aus Deutschland betroffen

Für Freitag, den 22. Dezember 2017 sind zwischen 5.01 Uhr bis 8.59 Uhr alle bei Ryanair festangestellten Piloten zum Streik aufgerufen. „Es sind jeweils alle Flugverbindungen betroffen, die in diesem Zeitraum von deutschen Flughäfen geplant sind“, teilte die VC mit.  

Streik bei Ryanair: Was ist mit meinem Flug?

Wer ein Flugticket bei Ryanair habe, solle sich direkt an den irischen Billigflieger wenden, riet die VC. Aktuelle Infos zu Ankünften und Abflügen gibt es zum Beispiel auf der Webseite von Ryanair. Mit Entschädigungen können Passagiere aber nicht rechnen. Ein Streik ist höhere Gewalt, so lautet ein Urteil des Bundesgerichtshofes. Und in diesem Fall steht den Fluggästen keine Entschädigung zu, wenn der Flug ausfällt oder mehr als drei Stunden Verspätung hat.

Die Airline muss aber alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Folgen des Streiks zu minimieren. Das bedeutet auch: Sie muss alternative Beförderungen ermöglichen – zum Beispiel durch eine Umbuchung auf einen anderen Flug. 

Zudem muss die Airline nach einer EU-Richtlinie die Fluggäste betreuen. Bedeutet: Ab zwei Stunden Verspätung (bei einem Flug bis 1.500 Kilometern) haben Passagiere Anspruch auf Telefonate, Emails, Getränke, Essen und eventuell eine Hotelübernachtung.

Wenn der Flug mindestens fünf Stunden verspätet ist oder ausfällt, können Passagiere das Ticket zurückgeben und bekommen ihr Geld erstattet.

Hintergrund: Was ist bei Ryanair los?

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit will marktgerechte Arbeits- und Vergütungsbedingungen für Ryanair-Piloten durchsetzen. Als marktgerecht bezeichnet die VC die Bedingungen bei Tuifly, die wie Ryanair über eine Flotte von Boeing 737-Flugzeugen verfügt.

Die für gestern geplanten, ersten Verhandlungsgespräche zwischen der VC-Tarifkommission und dem irischen Billigflieger wurden von Seiten des Arbeitgebers kurzfristig abgesagt, so die Gewerkschaft, weil Ryanair zwei der fünf anwesenden VC-Tarifkommissionsmitglieder am Verhandlungstisch ablehnte.