El Salvador: Die Hoffnung ist indigoblau | reisereporter.de

El Salvador: Manchmal ist die Hoffnung indigoblau

Regenwälder, Vulkane und koloniale Architektur: El Salvador hat viel zu bieten. Dennoch kommen nur wenige Reisende in das kleine mittelamerikanische Land. Dabei ist für viele vor allem das Ursprüngliche reizvoll.

Lago Suchitlán in El Salvador.
Vielfältige Natur: So grün wie am Lago Suchitlán ist es vielerorts in El Salvador.

Foto: Sabrina Friedrich

Tosend rauschen die Wellen an den Strand. Die Gischt spritzt auf den schwarzen Sand. Aus den grauen Wolkenbergen, die sich vor der Küste von La Libertad auftürmen, fallen kleine Regentropfen. Die drei Männer, die mithilfe eines Seiles und eines altersschwach wirkenden Kranes ein Fischerboot auf den meterhohen Pier ziehen, der von der Promenade aus ins Meer ragt, müssen all ihre Kraft aufbieten und sich gegen den Wind stemmen.

Einige Minuten später steht das hölzerne Gefährt schließlich sicher auf den nassen Holzbohlen. Die Fischer und ihr Fang werden von den Wartenden umringt.

La Libertad-Fischmarkt.
Einblick in den Alltag: Der Fischmarkt ist täglich. Die Fischer und Händler auf dem Pier von La Libertad vermitteln einen Eindruck vom Leben im Land. Foto: Sabrina Friedrich

Wenige Meter davon entfernt bieten die Händler unter dem schlichten, aber schützenden Wellblechdach des Piers den Fang an, den Fischer bereits am frühen Morgen gebracht haben. Sie betrachten die fremden Besucher genauso neugierig, wie diese ihre Auslagen in Augenschein nehmen.

Touristen: In El Slvador vielerorts etwas Besonderes

Touristen sind an vielen Orten in El Salvador immer noch etwas Besonderes. La Libertad an der Pazifikküste südlich der Hauptstadt San Salvador ist vor allem ein beliebtes Ziel der Hauptstadtbewohner. Wenn das Wetter mitspielt, kommen sie, um auf der Promenade spazieren zu gehen, in einem der vielen Restaurants zu essen oder um sich an den Sandstrand zu legen und beim Surfen in die Wellen zu stürzen.

In El Tunco, dem Ort an der Mündung des gleichnamigen Flusses ein paar Kilometer weiter westlich, sieht das schon anders aus. Hinter dem von Palmen gesäumten Strand stehen zahlreiche Cafés und Bars. Lodges, Hostels und Hotels reihen sich aneinander. Backpacker und Surfer aus der ganzen Welt kommen das ganze Jahr lang.

Mayastätte in El Salvador.
Zu den Mayastätten in dem mittelamerikanischen Land gehört Tazumal. Foto: Sabrina Friedrich

Viele andere Teile des Landes sind touristisch noch nicht so weit entwickelt. Vor allem das macht für Reisende, die sich dazu entscheiden, in das kleinste mittelamerikanische Land zu kommen, den besonderen Reiz aus. Die Preise sind vergleichsweise günstig. Dafür ist das, was man bekommt, aber an vielen Stellen auch eher einfach. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Nicht nur für den Erhalt von Baudenkmälern fehlt das Geld.

Unser Guide Eduardo Arriaza rät deshalb dazu, bei einer Rundreise durch Mittelamerika auf jeden Fall zuerst nach El Salvador zu kommen und erst danach Länder wie Guatemala oder Costa Rica zu besuchen. Er hat recht. Die Mayaruinen sind nicht so spektakulär wie in den Nachbarländern.

Dafür ist die Landschaft umso beeindruckender. Etwa die zahlreichen Vulkane, die überall in dem üppig bewachsenen Land aufzuragen scheinen. „Es sind mindestens 25“, verrät der 57-Jährige, „aber keine Angst, nur sieben davon sind noch aktiv.“ Viele sind beliebte Ausflugsziele. Etwa der Vulkan Boquerón im Nationalpark nahe San Salvador.

Der Großteil des Landes lässt sich innerhalb von wenigen Tagen erkunden.

Eduardo Arriaza – Touristenführer

Ein Vulkan war es auch, der die bekannteste Attraktion des Landes schuf: Joya de Cerén. Im Jahr 600 nach Christus brach einer der Vulkane aus und bedeckte das damalige Mayadorf mit Asche. Weil es so gut erhalten blieb, gilt es heute als einzigartiges Zeugnis des täglichen Lebens in einem mittelamerikanischen Dorf – und wurde deshalb 1993 Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Obwohl die archäologische Stätte bereits 1976 zufällig bei Bauarbeiten entdeckt wurde, sind bis heute große Teile noch immer nicht ausgegraben.

Es fehlt das Geld. „Es wäre zu teuer, die Ruinen vor dem Verfall zu bewahren, deswegen lassen wir sie noch in der Erde“, erklärt Eduardo. Ein wenig beeindruckender sind die Ruinenstätten Tazumal und San Andrés. Sie liegen nicht weit entfernt – wie das meiste in El Salvador. „Der Großteil des Landes lässt sich innerhalb von wenigen Tagen erkunden“, meint der Guide.

Kolinale Architketur in Suchitoto.
Koloniale Architektur: Viele Gebäude sind erhalten. Suchitoto ist eine der sehenswertesten Städte des Landes. Foto: Sabrina Friedrich

Wer sich dabei auch die Zeit nimmt, die Menschen und ihre Kultur kennenzulernen, nimmt ganz besondere Erinnerungen mit nach Hause. Das ist zum Beispiel gut in Suchitoto möglich. Die Kolonialstadt etwa 50 Kilometer nördlich von San Salvador gilt als Kulturhauptstadt des Landes. Und tatsächlich: Wer durch die Straßen mit ihrem Kopfsteinpflaster bummelt, ist nicht nur umgeben von stattlichen Häusern, sondern entdeckt auch zahlreiche kleine Galerien.

Auch in den vielen Cafés und Restaurants ist viel Kunst zu sehen. Höhepunkt ist aber die Plaza Central. An dem zentralen Platz steht die weiße Santa-Lucía-Kirche, er ist umgeben von niedrigen Gebäuden mit Säulengängen. Auf den Bänken unter den Schatten spendenden Bäumen sitzen Menschen und schwatzen miteinander.

Einige Straßen davon entfernt gibt Irma Lopez einen Einblick in ein traditionelles Handwerk – das Färben mit Indigo. 15 Frauen – viele davon Witwen – haben sich dafür zu einer Kooperative zusammengetan. Gemeinsam stellen sie Indigo her und gestalten mit dem natürlichen tiefblauen Farbstoff T-Shirts, Kleider und Tücher her, die sie dann verkaufen. Die Frauen bieten außerdem Workshops an, bei denen sie ihr Wissen weitervermitteln. Für sie ist das Indigoblau eine Farbe der Hoffnung – auf eine bessere Zukunft.

Vorbereitung für Färbung mit Indigo.
Irma Lopez, zeigt, wie der Stoff für das Färben mit Indigo vorbereitet werden muss. Foto: Sabrina Friedrich

Hoffnung hatten vor vielen Jahren auch die Kaffeebauern, die es nach Santa Ana zog. Heute ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Kathedrale und das 1910 eröffnete Teatro de Santa Ana zeugen noch heute von dem Reichtum, den die Besitzer von Kaffeeplantagen in die Stadt brachten, als sie sich hier niederließen. Je weiter man aber aus der Stadt herausfährt, desto einfacher werden die Häuser und umso ärmlicher die Lebensumstände der Bevölkerung. Fremde sind nicht überall gern gesehen.

Reisen nach El Salvador sind nicht ungefährlich

Reisende, die El Salvador als Ziel wählen, sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass es nicht ganz ungefährlich ist, das kleine Land zu bereisen. Häufig wird es als das gefährlichste Land der Welt bezeichnet. Die Konflikte und Kriminalität sind Folgen des Bürgerkrieges, der von 1980 bis 1991 in dem Land herrschte. 70.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Heute haben etwa 60.000 Bandenmitglieder große Teile des Landes fest im Griff. Ausländer sind bisher keine Opfer der Gewalt geworden, dennoch sollten sie vorsichtig sein.

Auch unsere kleine Gruppe wird während der Tour von der sogenannten Tourismuspolizei begleitet. „Sie sollen helfen, falls wir eine Panne haben und liegen bleiben“, erklärt unser Guide. Für diese Fälle sind sie allerdings recht schwer bewaffnet. In einem anderen Bus weist der Guide ausdrücklich darauf hin, dass es zu gefährlich wäre, allein durchs Land zu reisen. Mindestens ein Fahrer und vielleicht sogar noch ein Guide sollten dafür sorgen, dass man nicht falsch abbiegt und in einem gefährlichen Viertel oder Dorf landet.

Die Santa-Lucía-Kirche an der Plaza Central.
In einem kleinen Museum auf dem Gelände sind auch Fundstücke oder Nachbildungen zu sehen. In Suchitoto lohnt es sich, die Santa-Lucía-Kirche an der Plaza Central zu besuchen. Foto: Sabrina Friedrich

Salvadorianer, die es sich leisten können, wohnen in sogenannten Residencias. Diese Gated Communities sind Nachbarschaften, die von hohen Zäunen oder Mauern umgeben und nur zu erreichen sind, indem man den Wachdienst an den Zufahrten passiert. Vergitterte Fenster, Stacheldraht und Gewehre gehören vielerorts zum Straßenbild. Auch in der Hauptstadt San Salvador.

Die meisten Hotels, Restaurants und Geschäfte, aber auch das sehenswerte Museo de Arte de El Salvador befinden sich in der Zona Rosa in San Benito. Das Gebiet entstand in den Achtzigerjahren, um die Bedürfnisse der Besserverdienenden zu bedienen. US-amerikanische Ketten säumen die breiten Straßen. Hinter glitzernden Fassenden befinden sich schicke Bars, Restaurants und Geschäfte.

Wie überall sonst im Land stehen aber auch hier an vielen Straßenecken Stände, an denen die Menschen etwas zu essen kaufen können. In den meisten Fällen Pupusas. Die Maisfladen, die wahlweise mit Käse, Fleisch und Bohnen oder Loroco, einer essbaren Blüte, gefüllt werden, sind das Nationalgericht. Und nur wer sie probiert hat, war wirklich in El Salvador.

Tipps für deine Reise nach El Salvador

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Flüge von Europa nach El Salvador an. Iberia fliegt zum Beispiel von Madrid nach San Salvador. Direktflüge aus Deutschland gibt es nicht. Bei Copa Airlines und Avianca gibt es Flüge innerhalb Zentralamerikas.

Einreise: Für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen ist für Deutsche kein Visum nötig.

Beste Reisezeit: Ende Oktober bis März – nach dem Ende der Regenzeit. Sie dauert von Mai bis Oktober. Die Temperaturen liegen durchschnittlich zwischen 25 und 28 Grad Celsius.

Attraktionen: Marte – Museo de Arte de El Salvador, Avenida La Revolución, sonntags Eintritt frei, sonst Eintritt 1,50 Dollar. Geöffnet: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Unterkünfte: Los Almendros de San Lorenzo: elegantes Boutiquehotel in einem Kolonialbau im historischen Zentrum von Suchitoto.

La Posada de Suchitlán: koloniale Hazienda mit großem Garten und lauschigen Höfen und einem großartigen Ausblick auf den Lago Suchitlán.

Das Sheraton- und das Intercontinental-Hotel stehen in der Zona Rosa in San Salvador, von dort aus sind die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt gut erreichbar. Die meisten Touristen buchen deshalb hier die Zimmer.

Währung: Seit 2001 die eigene Währung, der El-Salvador-Colón, aufgegeben wurde, ist der US-Dollar das übliche Zahlungsmittel.

Sicherheit: Das Auswärtige Amt hat eine ganze Reihe Sicherheitshinweise für das Land zusammengestellt. Die Tourismuspolizei bietet auch privaten Gruppen auf Anfrage Begleitung bei Ausflügen an.

Weitere Informationen: Die Central America Tourism Agency (CATA) mit Sitz in San Salvador wurde 2002 gegründet. Die Mitgliedsstaaten sind Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama.

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