Kann ich jetzt, nach dem erneuten Anschlag, noch ruhigen Gewissens nach New York fahren?
Klares Ja! Oder Gegenfrage: Was wäre die Alternative? New York City gehört wie London, Paris und andere Großstädte seit Jahren zu den bevorzugten Anschlagszielen. Allerdings ist die Stadt weder Kriegs- noch Krisengebiet. Reisewarnungen gibt es auch nicht.

Schwingt ein mulmiges Gefühl oder gar Angst vor Anschlägen mit, wenn man im weihnachtlichen New York unterwegs ist?
Um ehrlich zu sein: Wenn überhaupt, dann die Sorge davor, in der Menschenmenge am Rockefeller Center über den Haufen gerannt oder beklaut zu werden. Angst ist aber auch in diesem Fall ein schlechter Berater.

Wenn man allerdings den generellen Rat, große Menschenmassen zu meiden, ganz wörtlich nimmt, dann sollte man sein Reiseziel überdenken: Ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Kaufhäusern, in Museen, in den Avenues, auf der Eislaufbahn im Central Park, auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings, am 9/11-Memorial… man ist nun mal einfach nicht allein unterwegs.

Sind die Sicherheitsvorkehrungen derzeit besonders hoch?
An den Christmas-Hotspots wie rund ums Rockefeller Center, an der 57. Straße, der 5th Avenue und natürlich vor dem Trump-Tower sollen Betonsperren davor schützen, dass Autos in Menschenmassen rasen. Gleiches gilt für die Weihnachtsmärkte zum Beispiel am Union Square.

An den entsprechenden Orten ist auch das Polizeiaufkommen höher als in weniger überlaufenen Ecken der Stadt. An den Bahnhöfen wie Grand Central, Penn Station und eben Port Authority (wo die Bombe explodiert ist) sieht man hier und da auch Soldaten der Nationalgarde mit Maschinengewehren.

Aber an diesen Anblick hat man sich seit 9/11 gewöhnt. Mir ist aufgefallen, dass in den Museen und bei Veranstaltungen strengere Taschenkontrollen durchgeführt werden. Ansonsten empfand ich das Sicherheitsaufkommen kürzlich in Paris zum Beispiel als bedeutend höher.

Was können NYC-Touristen tun, was sollten Sie lieber lassen?
Sie können sich ein Beispiel an den New Yorkern nehmen. Die kehren meist ganz schnell und besonnen zur Realität zurück und reagieren weniger hysterisch als zum Beispiel manch deutsche Medienvertreter. Ganz passend sagte Bürgermeister Bill de Blasio heute nach dem versuchten Bombenanschlag: „Wir sind New Yorker. Lasst uns wieder zur Arbeit gehen.“ 

Wir sind New Yorker. Lasst uns wieder zur Arbeit gehen.

NYC-Bürgermeister Bill de Blasio

Ein persönlicher Tipp: Wenn ich kann, bewege ich mich antizyklisch. Ich bin nicht zur Rushhour in der U-Bahn, gehe ganz früh oder ganz spät in Museen und Attraktionen. Das ist in der Tat eine der wenigen Möglichkeiten, den ganz großen Menschenmassen aus dem Weg zu gehen, hat aber auch eher damit zu tun, dass ich gern freie Sicht oder einen freien Platz habe.

Und sonst?
Gelassen achtsam sein. Und sich auf seine Intuition verlassen. Wenn man kein gutes Gefühl hat, in die U-Bahn-Station zu steigen, dann läuft man eben oder nimmt den Bus. Außerdem habe ich meist wenig Gepäck oder Taschen und Tüten dabei. Man kann sich einfach freier und schneller bewegen. Ansonsten empfehle ich dir, dich des Lebens zu freuen und dankbar zu sein.

Klingt für einige vielleicht albern: Aber einer meiner ersten Wege in New York führt mich auch immer in eine Kirche. Dort zünde ich eine Kerze an und denke, welch wunderbares Glück es doch ist, gesund und munter durch New York zu laufen und immer wieder in diese fantastische Stadt zurückkehren zu dürfen.