Viele meiner Freunde sind schon früher während der Schulzeit mit ihren Eltern in den Skiurlaub gefahren, während ich mit meiner Familie vier Wochen an den unterschiedlichsten Stränden der Türkei in der Sonne vor mich hin brutzelte.

Urlaub im Schnee ist besonders in meiner Kultur nicht üblich und war für mich bis zu dieser Reise unvorstellbar. Ich meine: Wer begibt sich freiwillig in die Kälte – und bezeichnet das auch noch als Erholung?!

Aber ich wurde älter. Und ich wurde neugieriger. Schließlich mag ich Schnee, zumindest, wenn der schön glitzert und pudrig vom Himmel fällt. Vielleicht könnte es also auch ganz nett sein, auf zwei Brettern drüberzusauen.

Und da ich keine Freundin halber Sachen bin, gönne ich mir für mein erstes Mal auf Skiern gleich das volle Programm: Ski-Opening mit Andreas Bourani in einem der bekanntesten Skigebiete Österreichs, Obertauern.

Ski-Opening in Obertauern

Nur… ich habe keinen blassen Schimmer, wo es liegt. Peinlich! Google verrät mir, dass sich Obertauern mitten im Herzen Österreichs und ungefähr eine Stunde Autofahrt südlich von Salzburg befindet. Hier liegt Anfang Dezember schon meterhoch Schnee. Perfekte Bedingungen also.

Warme Sachen und viel Sonnencreme sind eingepackt (auf die typischen Skibrille-Abdrücke und Sonnenbrand im Gesicht bin ich ehrlich gesagt nicht so scharf) und auch mein Ziel für die kommenden Tage ist klar: Die blaue Piste soll gemeistert werden!

Für alle Neulinge unter uns: Es gibt drei Schwierigkeitsgrade, die durch Farben kenntlich gemacht werden. Leichte Pisten sind blau markiert, mittlere rot und schwere schwarz. Und dann gibt es noch sehr einfache Übungshänge, die in vielen Skigebieten grün markiert sind. 

Jetzt heißt es aber erst mal: In die Skiklamotten schlüpfen!

Die grüne Übungspiste in Obertauern.
Der grüne Übungshang: Hier geht es mit dem Ankerlift nach oben. Perfekt zum Üben. Foto: Seden Aydogdu

Der Zwiebellook sitzt

Es sind nicht die gefühlt zehn Lagen Thermounterwäsche und Klamotten, die mir am meisten zu schaffen machen – die sollen mich zwar vor der Kälte schützen, ich schwitze aber wie bei 40 Grad Fieber. Zuletzt hatte ich ein solches Gefühl am Strand in Didim. Ein Sprung ins Wasser und gut war. Das geht hier aber nicht.

Nein, die Skischuhe sind mein größter Feind: viel zu schwer, unbequem und eng. Sie umschlingen meine Waden und machen mir jeden Schritt zur Qual. Ich spüre, wie sie sich direkt in meine Beine fressen. Und so soll ich Ski fahren?!

Begrüßung von Ski-Lehrerin Sabine.
Unsere Ski-Lehrerin Sabine begrüßt die Anfänger-Gruppe. Foto: Seden Aydogdu

Sabine von der Skischule Koch ist für die nächsten zwei Tage meine Lehrerin. Die Frau hat eine Geduld, sage ich dir. Die Geduld, die mir im Leben schlicht und ergreifend fehlt und an meinem ersten Tag auf Brettern leider auch. Zu meinem Glück geht sie die Übungen und Basics zügig mit uns durch.

Anfangs üben wir mit einem Ski die typischen Bewegungen, um daraufhin Bremsen und Kurven zu lernen. Das Wichtigste: „Po zum Berg, Titte zum Tal – und immer schön lächeln!“ Das kann ich mir gut merken.

Skifahren ist für mich wie Inlineskaten

Für mich fühlt sich Skifahren wie Inlineskaten an. Und das kann ich. Den Vergleich können gerade bestimmt die wenigsten nachvollziehen, aber mit dem Gedanken habe ich weniger Angst vor der Piste.

Im Gegenteil: Als es das erste Mal auf den Übungshang geht, grinse ich wie ein Honigkuchenpferd und flitze direkt wieder nach oben.

Auf der Übungspiste zeigt uns Sabine die wichtigsten Basics.
Jetzt heißt es vor allem eines üben: Bremsen! Foto: Seden Aydogdu

Viele meiner Freunde erzählten mir von Bänderrissen und gebrochenen Armen. Aber vor allem davon, wie lange es dauert, vernünftig auf zwei Skiern zu stehen. Ich beweise das Gegenteil – oder bin vielleicht einfach eine Ausnahme?

Für mich sollte es am zweiten Tag bereits auf die blaue Piste gehen, verspricht mir Sabine: „Und dein Lächeln nicht vergessen“, hieß es schon wieder. Vor lauter Nervosität fiel mir das schwerer als gedacht.

Après-Ski nach dem ersten erfolgreichen Tag.
Après-Ski gehört jeden Tag zum Pflichtprogramm. Das gilt auch für mich (links) und meine Pistenfreunde. Belohnt werden sollte schließlich jeder kleine Erfolg. Foto: Seden Aydogdu

Aber zuerst heißt es: Après-Ski. Die Bars sind voll mit Menschen in halb ausgezogenen Skiklamotten. (Zu meinem Bedauern bleiben die schweren und lästigen Skischuhe natürlich an.) Hier wird getanzt, mitgesungen und viiiiiel getrunken.

Nach einem Getränk ist es das dann aber auch schon für mich. Denn: Schlagermusik, zu dicke Klamotten und bereits angeschwollene Beine machen mir das erste Après-Ski-Erlebnis zur Qual. Wo sind die erfrischenden Cocktails und leichten Klamotten, wenn man sie braucht?! 

Hier möchte ich nicht noch mal hin. Und somit geht es für mich direkt ins Hotel. Der Spa-Bereich wartet schon.

Müde, Muskelkater – volles Programm

Der zweite Tag ist angebrochen und mein Schienbein beklagt sich jetzt schon über leichte Beulen. Ich bin müde, der Muskelkater sitzt bereits tief in den Knochen und auf mich wartet ein volles Programm. 

Hingefallen bin ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was ich dann am Frühstückstisch natürlich freudig verkünde. Nur so viel an dieser Stelle: Hochmut kommt vor dem Fall.

Nur so viel an dieser Stelle: Hochmut kommt vor dem Fall.

Heute will ich ein Abenteuer, und das kann mir nur die blaue Piste bieten. Ein Sessellift transportiert Sabine und mich hoch in die Berge. Die Aussicht von hier oben löst ein ganz kribbeliges Gefühl in mir aus – oder ist das schlicht und ergreifend die immer mehr steigende Aufregung?

Es ist das gleiche, das ich auf Reisen in heiße Länder habe, wenn mich unbekannte Orte verzaubern. Obertauern hält da locker mit: Alles ist wie mit einem weißen Tuch bedeckt. Atemberaubend. 

Blick auf Obertauern.
Ein Ausblick zum innehalten und genießen. Obertauern ist ein wahres Winterwunderland. Foto: Seden Aydogdu

„Fahr mir immer schön hinterher“, schreit mir Sabine zu. „Und immer schön lächeeeln!“ Okay, langsam habe ich es auch begriffen. Also wie ging das noch mal? Titte zum Tal… oder doch umgekehrt? Egal. Runter geht immer.

Die Frage ist nur wie – und wie lieber nicht. Mein Schwung reicht nicht immer aus, ich bin irgendwie zu schwach. Auch als es wirklich darauf ankommt und die Piste auf der linken Seite steil hinuntergeht. 

Plötzlich rolle ich mehrere Meter den Hang hinunter. Halt gibt es nirgends, und so stoppe ich irgendwann von allein – und sehe aus wie eine Schneefrau.

Ich kann mich vor Lachen kaum halten. Hier, Sabine, ich lächle. Das Aufrichten stellt sich als ein zusätzlicher Kampf mit meinem Gleichgewicht und dem Schnee heraus, ohne Sabines Hilfe, die schon hergeflitzt kommt, würde ich bestimmt noch Stunden dort liegen. Alles noch heile, Après-Ski spare ich mir heute aber.

Abschleppdienst Barney: Auf Skiern zu gehen war anstrengender als gedacht.
Runter geht immer – hoch leider nicht wirklich. Barney hilft, wo er kann. Auch wenn es heißt, mich hinter sich her zu ziehen. Foto: Katharina Leib

Mein Fazit nach zwei Tagen auf Brettern: Ich habe all die Jahre ganz schön was verpasst. Und damit meine ich nicht nur schöne, weiße Berglandschaften und leckeres österreichisches Essen.

Urlaub im Schnee? Ja, bitte!

Skigebiete sind nämlich eine Welt für sich. Gut gelaunte Menschen aus aller Welt, die die Pisten hinuntersausen und sich nachmittags in Skiklamotten beim Après-Ski hochprozentig belohnen. Am Ende jedes Tages hatte ich das Gefühl, Sport für das ganze Jahr getrieben zu haben.

Say Cheese: Gruppenfoto vor der Beatles-Statue.
Viel Unterstützung und Lob gibt es von Pistenfreunden, die ich zum Teil über das Wochenende kennengelernt habe. Foto: Christina Handcock

Der Muskelkater sitzt mir auch einige Tage später im nass-grauen Hannover noch tief in den Knochen. Aber jede Sekunde, jeder Sturz und jeder eisige Windschlag haben sich gelohnt. Schnee statt Sonne? Vielleicht. Denn bei dem Gedanken an Sonne ist mein Bikini für den nächsten Türkeiurlaub im Kopf bereits gepackt.