Die Suche nach der perfekten Welle | reisereporter.de

Surfer-Bekenntnis: Die Suche nach der perfekten Welle

Für mich gibt es nur eine Sache, die mich restlos und über eine längere Zeit glücklich macht. Nein, ich meine nicht Sex, ich rede vom Surfen. Seit Jahren investiere ich all mein Geld und so viel Zeit wie möglich in die Suche nach Orten, an denen alles stimmt: perfekte Wellen, unberührte Natur und keine Menschen. Warum, das erkläre ich dir.

Strand, Wellen, keine Menschen: Das sind die Momente, nach denen ich suche.
Strand, Wellen, keine Menschen: Das sind die Momente, nach denen ich suche.

Foto: Justus Wildhagen

Zu allererst eine Klarstellung: Mit Surfen meine ich Wellenreiten, nicht Windsurfen oder Kitesurfen. Ich brauche nur ein Surfbrett und, je nach Wassertemperatur, einen Neoprenanzug. Aber jetzt zum eigentlichen Thema:

Seit meiner ersten gesurften Welle in Australien war ich angefixt, konnte mich schwer auf andere Dinge konzentrieren und verschob sämtliche Karrierepläne nach hinten. Ich wollte und will nur eine Sache: surfen, surfen, surfen!

Die ersten Trips „erledigte“ ich noch in Surfcamps, nahm Unterricht und lernte viel über Strömungen, Winde und Wellen. Als ich das Gefühl hatte, zu wissen, was ich im Wasser zu tun habe, packte ich meinen winzigen Golf bis unters Dach voll und fuhr an die französische Atlantikküste.

Campen, Surfen, Bier – so sah jeder Tag auf dem Campingplatz aus.

Aber mit der Zeit wurde ich anspruchsvoller. Ich wollte andere Wellen surfen als die vor dem Campingplatz. Und ich begriff, dass man für gute Wellen ständig in Bewegung bleiben muss.

Romantik pur!
Romantik pur! Foto: Justus Wildhagen

Die suche nach dem perfekten Ort

Also ab nach Deutschland und ein Wohnmobil kaufen! In meinem Fall ist es ein fürchterlich verbastelter Ford Transit geworden, der mir immer wieder Ärger macht. Dank dieses Busses ist es mir aber seit einigen Jahren möglich, meine eigenen, perfekten Orte zu finden, an denen ich meine Sucht nach Wellen stillen kann.

Ein perfekter Surfort muss für mich jedoch einige Faktoren erfüllen: Am Wichtigsten sind natürlich die Wellen. Die Unterwasserlandschaft des Küstenabschnitts muss so beschaffen sein, dass sie kontinuierlich gute Wellen produziert. Außerdem habe ich keinen Bock auf vermüllte Stadtstrände oder völlig überlaufene Stellplätze. Ich will den Ort für mich haben, sowohl an Land als auch im Wasser.

Jackpot! Hammerwellen nur für mich.
Jackpot! Hammerwellen nur für mich. Foto: Justus Wildhagen

DEN Ort gefunden? Ein unbeschreibliches Gefühl

Klar, so ein Ort ist in Zeiten von Satellitenbildern und einer schnell wachsenden Surfszene extrem schwer zu finden. Aber wenn du es dann doch schaffst, ist das Gefühl schlichtweg unbeschreiblich.

Ich habe oft versucht, meine Empfindungen in Worte zu fassen – es gelingt mir leider nie. Am ehesten lässt es sich aber mit einem Kribbeln beschreiben. Eine Unruhe steigt in mir auf und ich verspüre einen unaufhaltsamen Bewegungsdrang.

An einem solchen Ort muss ich sofort in meinen Neoprenanzug steigen, mein Brett schnappen und ins Wasser springen.

Mission erfolgreich: Kein Mensch im Wasser.
Mission erfolgreich: Kein Mensch im Wasser. Foto: Justus Wildhagen

Oberste Regel: Hüte das Geheimnis

Für Surfer versteht es sich von selbst, dass man seinen magischen Ort nicht durch soziale Netzwerke schreit. Man verrät ihn nicht mal seinem besten Freund. Denn: Ein solcher Platz an der europäischen Atlantikküste ist mittlerweile so selten wie ein WM-Sieg für die Niederlande.

Ein solcher Platz an der europäischen Atlantikküste ist mittlerweile so selten wie ein WM-Sieg für die Niederlande. 

Dazu kommt, dass der Spot für ein paar Monate perfekte Wellen liefern kann, im nächsten Jahr aber plötzlich flach wie der Bodensee ist, weil sich der Sand durch kräftige Stürme verschoben hat – und genau diese Tatsache macht die Suche nach der perfekten Welle endlos.

Jedes Jahr setze ich mich wieder in mein Wohnmobil und fahre in wenigen Monaten um die 10.000 Kilometer an der Küste auf und ab. Ich kenne unzählige winzige Straßen in Nordspanien und Portugal und verfahre mich regelmäßig. 

Aber manchmal, nur ganz selten, endet eine dieser Straßen am Ort der Begierde und ich springe über den Strand wie ein Kind, das zu viel Zucker hatte.

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