Ein Surf-Tagestrip an die Nordsee | reisereporter.de

Für Wellen-Junkies: Ein Surf-Tagestrip an die Nordsee

Wenn du ans Surfen denkst, hast du meist bestimmte Bilder im Kopf: türkisblaues Wasser, Sonnenschein, muskulöse Oberkörper. Doch als norddeutscher Surfer, der in der Stadt gefangen ist, hast du dich längst von diesen Klischees verabschiedet – ein Tag in der eiskalten Nordsee reicht auch.

Lohnen sich auch schon für einen Tag: die Wellen an der Nordsee.
Lohnen sich auch schon für einen Tag: die Wellen an der Nordsee.

Foto: Christoph Schlüter

Es klingt vollkommen bescheuert, aber die Sucht eines Surfers nach Wellen kann in unvorhersehbaren Abständen so unerträglich werden, dass du mal eben 100 Euro für drei Stunden Wellenreiten ausgibst. Im Winter. Auf Norderney.

Damit das auch klappt, müssen etliche Faktoren zusammenspielen. Das Zeitfenster für gute Wellen in der Nordsee beschränkt sich nämlich meist auf wenige Stunden.

Dazu muss der Wind schwach blasen und die Dünung (für die Nichtsurfer: durch Wind erzeugter Wellengang) groß genug aus Norden kommen. Dann sollte die Gezeit, je nach Ort, exakt zur Ankunft am Strand passen. Ach, und die Autobahn muss frei sein, damit man die Fähre erwischt. Und der Inselbusfahrer darf nicht zicken und den Surfbretttransport verweigern (denn dann läufst du zu Fuß einmal quer über die Insel).



Wenn alles passt das nächste Problem: die Kälte

Wenn das alles stimmt, steht dir tatsächlich nur noch die Kälte im Weg. Denn: Leider schickt Neptun im Sommer kaum Wellen an die ostfriesische Küste, was die Insel zu einem Winterspot macht. Minusgrade und Schneefall sind keine Seltenheit bei diesen suchtstillenden Ausflügen.

Mit dem richtigen Equipment lassen sich der Frost und die Wassertemperatur von vier Grad aber geradeso aushalten. Die Ausrüstung erinnert allerdings stark an ein Michelin-Männchen-Kostüm: Neoprenanzug, Haube, Handschuhe und Stiefel (alles aus mindestens fünf Millimeter dickem Neopren) lassen dich am Strand langwatscheln wie eine übergewichtige Ente.

Irgendwie schaffst du es trotzdem ins Wasser, machst die ersten Paddelzüge, kriegst einen Gehirnfrost – und bist einfach nur glücklich!

An deinem Bart sammeln sich erste Eiszapfen und du merkst, wie dir deine Wampe (entweder wegen des Michelin-Männchen-Outfits oder wegen der Tatsache, dass du zu lange nicht auf dem Brett warst) im Weg liegt. Du erwischst die erste Welle, springst auf, gleitest die schlammfarbige Wand aus feinstem Nordseewasser entlang und fährst bis zum Strand: Das nennt man Stoke!



Okay, zugegeben: Nicht immer lohnen sich der Stress, die Kosten und das frühe Aufstehen. Aber im schlimmsten Fall hast du einen Tag am Meer verbracht. An den Tagen, an denen die Faktoren jedoch stimmen, sitzt du mit einem unverschämt breiten Grinsen auf der Fähre zurück zum Festland – zumindest solange, bis die Sucht wieder zu stark wird.

 
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