Costa Blanca: Survival für Anfänger | reisereporter.de

Survival für Anfänger: Wanderung an der Costa Blanca

Die Neugier ist manchmal größer als die Vernunft. Dies erkannte auch reisereporter Flemming, der sich an einem heißen Maitag auf Entdeckungstour begab – und gefühlt ums Überleben kämpfte.

Atemberaubende Aussicht während meiner Wanderung entlang der Costa Blanca in Spanien.
Aussichten wie diese spornen mich an, immer weiter zu erkunden – auch wenn mein Wasservorrat dafür nicht reicht.

Foto: Flemming Goldbecher

„Hola, qué tal? Gehst du nach Benidorm auf der anderen Seite?“, fragen mich zwei Wanderer, die sich für einige Minuten im Schatten einer Pinie niederlassen, um der spanischen Mittagshitze zu entkommen.

„Nein, nur noch auf den nächsten Hügel. Mir geht das Wasser aus, deshalb muss ich bald umkehren“, erwidere ich und laufe weiter. „Ja, ohne Wasser hält man es hier nicht lange aus. Am besten drehst du bald um“, ruft mir einer der beiden noch hinterher.

Ich wäre besser seinem Rat gefolgt. Etwa fünf Stunden später werde ich nämlich völlig dehydriert einen alten Getränkeautomaten am Ausgangspunkt meines kleinen Survival-Abenteuers erreichen, dessen Inhalt ich in wenigen Sekunden in und über mich schütte, als hätte ich zu Fuß die Sahara durchquert.

Ein Selfie mit Blick aufs Meer!
Noch schnell ein Selfie und es kann losgehen! Motiviert und energiegeladen starte ich meine Wanderung. Foto: Flemming Goldbecher

Dabei beginnt der Tag so vielversprechend. Mit eineinhalb Litern Wasser im Gepäck starte ich meine Wanderung auf der Sierra Helada, einer 400 bis 500 Meter hohen Bergkette an der Costa Blanca zwischen den Städten Benidorm und Altea. Schon jetzt, um 11 Uhr morgens, brennt die spanische Maisonne erbarmungslos auf mich herab.

Der atemberaubende Ausblick, der sich mir nahezu die gesamte Zeit über bietet, lässt mich jedoch zunächst kaum an die zu erwartenden Strapazen des Rückwegs denken, geschweige denn an meine schwindenden Wasservorräte. 

Im Gegenteil: Überwältigt vom unendlichen Blau des Mittelmeeres, das sich zu meiner Linken erstreckt, und dem hügeligen, Mitte Mai noch immer grünen Inland der Costa Blanca, marschiere ich naiv und unbekümmert weiter. „Ich will nur sehen, was hinter dem nächsten Hügel liegt“, belüge ich mich ein ums andere Mal.

Wanderung auf der Sierra Helada.
Was sich wohl hinter diesen steinigen Stufen verbirgt? Ich will es wissen! Foto: Flemming Goldbecher

Zwei Stunden geht das so. Bis ich feststelle, dass mein Wasser nur noch für den Rückweg reicht, wenn ich auf der Stelle umkehre. Natürlich ist die Neugier größer als die Vernunft. Vor dem letzten großen Anstieg halte ich ehrfurchtsvoll inne. „Nein, verdammt! Dreh um, es reicht!“, denke ich.

Oder habe ich es laut gesagt? Die spanische Mittagshitze hat mir bereits schwer zugesetzt, sodass ich kaum mehr rational denke. Aber hier ist wirklich Schluss. Enttäuscht mache ich mich auf den Rückweg.

Die Gruppe von Spaniern, der ich auf dem Weg begegne, stimmt mich optimistisch. Im Notfall würde ich einfach ein paar Wanderer um Wasser bitten, denk ich. Nur dass ich von nun an keiner Menschenseele mehr begegnen würde, konnte ich nicht ahnen.

Blick auf das Mittelmeer während meiner Wanderung.
Das Mittelmeer leuchtet in der Mittagssonne in den verschiedensten Blautönen. Am liebsten wäre ich für eine Abkühlung reingesprungen. Foto: Flemming Goldbecher

Auf einer Anhöhe trinke ich den letzten Schluck Wasser, der mir noch bleibt. Das ist inzwischen nur noch warme Plörre. Wenig später steigt Nervosität in mir auf, denn ich erblicke weit entfernt am Horizont den Abstieg zum Parkplatz. „Wie soll ich das ohne Wasser schaffen?“, frage ich mich. „Was würde Bear Grylls tun?“

Entschlossen nehme ich den „Überlebenskampf“ an und beginne, den wilden Rosmarin zu kauen, der hier in Massen wuchert. Tatsächlich nehme ich eine leichte Erfrischung wahr. Oder bilde ich sie mir nur ein?

Irgendwann erreiche ich einen Felsbrocken mit der Aufschrift „Welcom to Hell“. Dass der Verfasser ein „e“ vergessen hat, führt mich zu dem Schluss, dass auch er zum Zeitpunkt der Niederschrift kaum mehr bei Sinnen gewesen sein kann.

Eine Botschaft während meiner Wanderung.
„Welcom to hell“ – die Mittagssonne Spaniens fühlt sich wortwörtlich wie die Hölle an! Foto: Flemming Goldbecher

Wenig beruhigt schleppe ich mich weiter. Die letzten hundert Meter befinde ich mich in einem tranceartigen Zustand, der erst endet, als ich den Getränkeautomaten plündere. Survival-Tipp für Anfänger: Immer genug Wasser dabeihaben.

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