Nusa Penida – Bali wie vor 50 Jahren | reisereporter.de

Erlebe das ursprüngliche Bali: Auf nach Nusa Penida!

So wunderschön Bali ist, so laut und hektisch kann es auf der Tropeninsel werden. Besonders im Süden, findet reisereporter Flemming. Aber: Wer sich dem Massentourismus entziehen möchte, muss nur noch ein wenig weiter nach Süden fahren.

Ausblick auf Felstransformationen auf Nusa Penida.
Nusa Penida, Balis kleine Schwester ist eine vom Tourismus verschont gebliebene Insel. Fragt sich nur, wie lange noch.

Foto: Flemming Goldbecher

Mancherorts musst du auf Bali schon ein wenig laufen, bevor du aus dem Dschungel aus Modeboutiquen, stylischen Burgerläden und Sternehotels an Stellen gelangst, die wieder den ursprünglichen und einzigartigen balinesischen Charme versprühen.

Und dort angekommen kann es dir durchaus passieren, dass besagter Charme durch das Bild zahlloser Touristen getrübt wird, die dort mit ihren Smartphones und Go-Pros posieren. So erging es auch mir und meiner Freundin. Wir stellten fest: Bali hat zwei Gesichter. Auf der einen Seite herrliche Strände und beeindruckende Natur, auf der anderen Seite Umweltverschmutzung, Verkehrschaos und von Touristen überfüllte Orte.

Du willst diesem Trubel entgehen und authentische balinesische Kultur erleben? Dann lege ich dir Nusa Penida ans Herz. Die kleine Schwesterinsel liegt einige Kilometer südöstlich von Bali und ist bisher vom Massentourismus verschont geblieben.

Blick auf eine wunderschöne Naturlandschaft auf Nusa Penida.
Massen an Touristen, die in Schlangen für das perfekte Foto stehen, findest du auf Nusa Penida nicht. Foto: Flemming Goldbecher

Aus diesem Grund entschieden auch meine Freundin und ich uns dafür, einige Tage unserer Indonesien-Reise auf Nusa Penida zu verbringen. Auf die einstündige, unbequeme und wellenreiche Überfahrt mit dem Schnellboot von Sanur folgte ein etwa vierstündiger Marathon durch die Unterkünfte der Insel. Wir stellten schnell fest: Es gibt tatsächlich merklich weniger Touristen, aber die vergleichsweise wenigen Unterkünfte sind nahezu ausgebucht.

Einige frustrierende und schweißtreibende Stunden und ein hektisches Nasi Goreng später fanden wir schließlich eine geeignete Bleibe für etwa 17 Euro pro Nacht. Für weitere fünf Euro konnten wir uns endlich unserem eigentlich Ziel widmen: Der Erkundung der entlegensten Winkel der Insel mit dem Roller.

Nusa Penida: Mehr Schlaglöcher als Straßen

Tatsächlich war die Entscheidung für ein eigenes Gefährt eine gleichermaßen notwendige wie unglückliche Entscheidung. Einerseits fühlten wir uns so frei wie selten zuvor in Indonesien.

Auf den endlosen und nahezu unbefahrenen Straßen die Küste entlangzutuckern reicht völlig aus, um Nusa Penidas Herrlichkeit zu erahnen. Im Inland wären wir am liebsten auf jedem Hügel stehen geblieben, um einfach nur die Aussicht auf die dichten Wälder und den Ozean hinter ihnen zu genießen.

Auf der anderen Seite klagte vor allem meine Freundin, die stets den hinteren Teil des Rollers besetzte, bereits nach kurzer Zeit über Rückenschmerzen. Ich konnte einfach nicht jedem Schlagloch ausweichen. Zumal die Straße, so sie diesen Namen denn noch verdiente, an einigen Stellen mehr Schlagloch als Straße war. 

Paradoxerweise waren die meisten Sehenswürdigkeiten, die fast allesamt im Südosten der Insel liegen, am schlechtesten zu erreichen. Irgendwann hörten die asphaltierten Abschnitte einfach auf und wir mussten uns über eine improvisierte Mischung aus Geröll und Felsen quälen.

Die Insel ist eben noch nicht auf den Tourismus ausgerichtet. Rückblickend betrachtet halte ich es für ein kleines Wunder, dass der einzige Unfall, den wir auf Nusa Penida erlebt haben, nicht auf einem dieser Horrorpfade passierte, sondern auf der gut befahrbaren Küstenstraße zwischen zwei größeren Orten.

Die Natur ist eben noch immer allgegenwärtig in Indonesien. Zum Glück! 

Der riesige Stock, der im Dunkel der Nacht quer über der Fahrbahn lag und den wir aus etwa 50 Metern Entfernung noch als harmlos erachteten, entpuppte sich als gigantische Schlange, die sich auf die gegenüberliegende Straßenseite schob.

Unberührte Natur wie im Bilderbuch

Die Natur ist noch immer allgegenwärtig in Indonesien. Zum Glück! Auf Nusa Penida hat uns gerade dies am meisten beeindruckt. Die spektakulären Felsformationen am Saren Cliff, der natürliche Pool mit dem klangvoll-modernen Namen Angel’s Billabong, der Adrenalin garantierende Abstieg zum traumhaften Kelingking Beach und der mystisch anmutende Tembeling Forest – es sind nur einige der zahlreichen Naturwunder, die sich auf Nusa Penida darbieten und uns ein ums andere Mal die Sprache verschlugen.

Ausblick auf Felstransformationen auf Nusa Penida.
Schöne, aber schwer zu erreichende Spots fanden wir im Süden der Insel. Foto: Flemming Goldbecher

Außerdem befinden sich zwischen Nusa Penida und der kleineren Nachbarinsel Nusa Lembongan einige der besten Schnorchel- und Tauchspots der Region, wenngleich die Strömung eine enorme Herausforderung darstellt.

Zurück in der Zivilisation, in den kleinen Städten und Dörfern der Insel, gleicht das Leben sehr dem der Bewohner Balis. Überall befinden sich Tempel, kleine, große und unterirdische, der Duft von Räucherstäbchen erfüllt die Luft und die Hindus kommen hier und da in ihren traditionellen Trachten zusammen und halten ihre Zeremonien ab.

Auf Nusa Penida ist eben vieles wie auf der großen Schwesterinsel – nur meist noch ursprünglicher, noch balinesischer.

Traditionelle Zeremonie auf Nusa Penida.
Ein toller Anblick: In traditionellen Trachten halten die Bewohner ihre Zeremonien ab. Foto: Flemming Goldbecher

So muss Bali vor 50 Jahren gewesen sein. Das macht es nicht gerade leichter, sich zu verständigen. Die Bewohner der Insel sind zwar herzlich, wenn sie auch oft noch sehr fasziniert wirken vom Anblick der Touris. Aber Englisch zu sprechen ist eine Fähigkeit, die sie sich bisher nur bedingt aneignen mussten.

Eine Erinnerung an die Insel tragen wir noch immer täglich mit uns herum: Unsere dreifarbig geflochtenen Armbänder, die wir in einem kleinen Straßenimbiss von der Köchin erhielten. Die Farben sollen die Hindugottheiten Shiva, Vishnu und Krishna symbolisieren, die uns vor bösen Geistern beschützen sollen, sagte sie.

Schlechte Straßen, schlechtes Englisch und ein paar süße Armbänder – diesen Preis haben wir gern gezahlt, um Einzigartigkeit zu erleben.

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