5 Life-Hacks für deine Island-Reise | reisereporter.de

5 Life-Hacks, um Island ohne Massenaufläufe zu genießen

Anstehen an einer Gletscherlagune? Landschaftsbilder nicht ohne Schlauchboot? Der große Run auf Island hat das Land verändert. Etwas Entscheidendes ist verloren gegangen – etwas, das man mit viel Zeit und Geduld aber noch finden kann.

 

Die isländische Hauptstadt Reykjavik sollte trotz allem einen Besuch wert sein.
Der bekannteste Weg ist nicht immer der beste: Schlage neue Routen ein, um Island von einer ganz anderen Seite zu entdecken.

Foto: pixabay.com/12019

In Island soll es etwas geben, das man fast nirgendwo mehr findet: Stille! Orte, an denen es keine quietschenden Bremsen, keine surrenden Stromhäuschen und auch kein „Pass doch uff, wo de hinlatscht“ gibt. Nichts außer Stille. Mancherorts soll es so still sein, dass einem das als Großstadtbewohner so unheimlich erscheint, dass man nach der versteckten Kamera sucht. Still, stiller, am stillsten. Stiller Tag, stille Nacht.

Mag sein, dass das mal so war – vor 20 oder zehn, vielleicht sogar vor drei Jahren noch. Es ist aber nicht mehr so. Seit der große Run aufs Stilleparadies begonnen hat, muss man nach der Stille suchen. Das sieht man natürlich nicht auf den Fotos, die Eva und Max von ihrer Island-Reise mitgebracht haben – weil Max immer so lange mit dem Abdrücken wartet, bis mal gerade kein Tourist zwischen den Eisklumpen am schwarzen Diamond Beach entlangläuft, kein Schlauchboot mit Besuchern in knallroten Anzügen durch die Gletscherlagune schippert. Im Notfall hilft Eva mit Photoshop nach.

Ist ja auch verlockend, diese Ringroad – denn schon nach einer nur siebentägigen Inselumrundung auf Asphalt sind Speicherkarte und Aufnahmekapazität gut gefüllt.

Besonders skurril wird es, wenn man auf der Ringstraße, auf der das Besuchervolk die Insel umkreist, mal kurz irgendwo rechts ranfährt, weil man für kleine Abenteurer muss oder eine neue Packung Kekse aus dem Kofferraum holen will. Es dauert keine 30 Sekunden, bis ein, zwei, drei andere Selbstfahrer neben einem halten, die Tür aufreißen, aus dem Auto springen, Handy im Anschlag, knipps, knipps, Autotür zu, weiter geht’s. Stehendes Auto heißt also: Hier muss es etwas zu sehen geben. Ist aber auch schwierig in einem Land, das nur seine höchstfrequentierten Sehenswürdigkeiten überhaupt beschildert.

Die Ringstraße ist die bekannteste Touristenroute Islands.
Monstertruck mieten und runter von der Touri-Route, meint reisereporterin Maria. Foto: unsplash.com/Tim Trad

Wie man dem ganzen Zirkus entgeht? Man tauscht seinen ziemlich überteuerten Mietwagen gegen einen noch teureren Monstertruck, um von der Ringroad herunterzukommen und über Schotterpisten, Felsenansammlungen und durch Flüsse hindurch ins Inland zu flüchten, wohin es die wenigsten schaffen – die meisten aus Zeitmangel und Pragmatismus. Ist ja auch verlockend, diese Ringroad – denn schon nach einer nur siebentägigen Inselumrundung auf Asphalt sind Speicherkarte und Aufnahmekapazität gut gefüllt.

Dennoch: Es gibt andere Varianten, Island abseits des Mainstreams zu erkunden. Voraussetzungen: Zeit, Geduld und eine Autoversicherung, die auch gegen Steinschlag absichert – schließlich ist man auf Island abseits der Ringstraße irgendwie immer „offroad“ – da fängt das Abenteuer schließlich erst an.

1. Runter von der Ringroad

Das Gute an der Ringroad: dass die Masse der Touristen sie tatsächlich nie verlässt. Sobald man also Straßen und Wege abseits davon einschlägt, wird der Strom schnell dünner. Das funktioniert nicht überall, weil Island schlichtweg nicht überall gut erschlossen ist. Vielerorts geht es aber doch.

Zum Beispiel in den Westfjorden, in denen man auf verlassene Bauernhöfe und das an touristische Steinzeiten erinnernde Hotel Bjarkalundur, schlicht: auf die teilverklärte Schönheit von Melancholie stößt, mit dem 180 Meter hohen Dynjandi-Wasserfall aber auch echte Highlights findet.

2. Einnorden statt einordnen

Ein klassischer Island-Kurztrip sieht so aus: Flug nach Reykjavik, zwei Tage in der Hauptstadt – Hallgrísmkirskja, Harpa, Shoppen auf dem Laugavegur. Tagestrip zum Golden Circle – Geysir, Gullfoss, Silfra-Spalte. Dann einmal entlang der Südküste: Svartifoss, Jökuslarlon, Vatnajökull, Diamond Beach. Zurück nach Reykjavik. Abflug nach Hause. Fertig.

Vom Norden der Insel sehen die meisten Besucher also: nichts – und verpassen damit allerhand Schönes. Die Westfjorde mit dem Dynjandi-Wasserfall sind schon erwähnt worden. Dann den Myvatn-See. Das Hafenstädtchen Husavik. Um nur einige zu nennen. Auch wenn die Hauptstadt schön ist: Wer die isländische Stille erleben möchte, kann sie überall finden – „everywhere but in Reykjavik“.

3. Wenn alle nach Osten fahren, fahr nach Westen

Und doch ist die Stille manchmal gar nicht so weit von der Hauptstadt entfernt. Während von dort aus alle nach Norden und Osten pilgern, fahren die wenigstens einfach mal an den westlichsten Zipfel nach Gardskagi, wo 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt ein ausrangierter Leuchtturm ein kleines Café beherbergt. Der beste Platz: das Tischchen im Lampenhaus mit Blick auf den Atlantik.

4. Städtisches Schwimmbad statt Blaue Lagune

Wer unbedingt einmal in der Blauen Lagune schwimmen möchte, sollte das tun. Wer sich Menschenauflauf und 80 Euro aber sparen möchte, findet nicht nur günstigere, sondern vor allem auch schönere Alternativen – zum Beispiel die Myvtn Nature Baths im Norden Islands, die etwas kleiner, aber auch nur halb so teuer sind.

Unschlagbar authentisch allerdings: das öffentliche Schwimmbad – Hot Pot und Sauna inklusive, denn die gibt es hier in jedem noch so kleinen Badetempel. Für 520 Isländische Kronen aka 4,20 Euro darf man hier mit echten Isländern planschen. Und weil die zumeist freudig überrascht sind, vereinzelt fremde Gäste in ihren heiligen Hallen zu begrüßen, bekommt man von ihnen auch allerhand Tipps für die Umgebung – ob man danach gefragt hat oder auch nicht.

Die schönste aller Varianten aber: die natürlichen und öffentlichen Hot Pots. Wie in Drangsnes, einer kleinen Stadt in den Westfjorden, in der der Hot Pot direkt neben der Dorfstraße am Rande des Fjordes liegt – drei Becken, in denen man zusammen mit waschechten Isländern auch bei Minusgraden Feierabendbier und Waschritual zelebrieren kann. Kostenpunkt: keine müde Krone – weil unbezahlbar.

5. Nicht auf den schönsten Wegen wandern

Der Laugavegur gilt als einer der schönsten Wanderwege Islands. Weideland, Sandwüste, Schneefelder: Kaum ein Trek, auf dem man in drei Tagen so viele verschiedene Landschaftszonen durchwandert wie auf diesem. Es gibt allerdings auch kaum einen Trek, auf dem man so viele andere Wanderer trifft wie auf diesem. Der Laugavegur ist längst kein Geheimtipp mehr. Wer in Stille und Einsamkeit wandern möchte, zieht am besten weiter gegen Norden – zum Beispiel in das Gebiet um Sauðárkrókur oder für Abenteuerlustigere ins Hjaltadalur-Tal.

Aber zugegeben: Der Laugavegur ist tatsächlich atemberaubend schön. So schön, dass man ja vielleicht versuchen könnte, sich all die anderen Menschen einfach wegzudenken – zumindest die, die ihr Gepäck von einem Monstertruck von Nachtlager zu Nachtlager transportieren lassen.

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