Quilotoa-Loop Ecuador: Wanderung zum Kratersee | reisereporter.de

Quilotoa-Loop in Ecuador: Wandern mit Schnappatmung

Du willst wandern ohne Guide und Massentourismus in Südamerika? Wie wäre es mit der Besteigung eines 3.914 Meter hohen Vulkans mit See im Krater? reisereporterin Marcia weiß, wie du ihn findest.

Der Kratersee des Quilotoa-Vulkans in Ecuador.
Der Kratersee des Quilotoas liegt auf 3.914 Metern Höhe.

Foto: Marcia Moritz

„Vor zehn Jahren war hier noch gar niemand“, sagt John aus den USA. Wir treffen ihn mit seiner Familie in unserem zweiten Nachtquartier auf unserer Wanderung zum Quilotoa. Er hat den Trip zu dem ecuadorianischen Vulkan mit See im Krater bereits vor Jahren mit einem Studienfreund gemacht.

Auch heute noch ist der sogenannte „Quilotoa-Loop“ in Ecuador eine der wenigen spektakulären Wanderungen im Andenhochland, die nicht täglich von Tausenden von Wanderern heimgesucht wird. Ein absoluter Geheimtipp ist er aber nun auch nicht mehr.

Zwar sind wir über weite Strecken allein unterwegs. Wir begegnen aber auch immer wieder anderen Wanderern, alles Touristen aus Europa, Kanada und den USA. Ein bisschen fühlt es sich so an wie auf einem wenig bekannten Hüttenwanderweg in den Alpen. Eine gute Mischung aus Abenteuer und Erholung.

Quilotoa-Loop: Gute Vorbereitung ist alles

Es ist nicht nötig, eine Tour zum Quilotoa zu buchen. Unterschätzen solltest du die Wanderung allerdings schon allein deshalb nicht, weil der Weg auf einer für Europäer ungewohnten Höhe liegt. Unser Startpunkt Sigchos liegt auf etwa 2.700 Metern. Bevor du losläufst, solltest du daher auf jeden Fall mehrere Tage einplanen, um dich an die Höhe zu gewöhnen.
 
Es gibt verschiedene Routen zum Quilotoa, einen offiziellen Wanderführer hingegen nicht. Wegbeschreibungen bekommst du aber von den Hostels, die auf dem Weg liegen, zum Beispiel vom Hostal Llullu Llama. Am einfachsten ist es, dort eine Nacht im Voraus zu buchen. Bei der Buchung bittest du um die Beschreibung der Strecke, die du laufen willst.
 
Das Hostel schickt sie dir per Mail. Mir ist vor unserer Unternehmung trotzdem etwas mulmig zumute. Immerhin werden wir drei Tage allein durch unbekanntes Gelände laufen. Verpflegung werden wir nur an unseren jeweiligen Tageszielen bekommen. Und die müssen wir erst einmal finden.

Wir haben uns für die Strecke von Sigchos über Isinliví und Chucchilán nach Quilotoa, einem kleinen Ort auf dem Kraterrand, entschieden. Nach Sigchos fahren wir morgens von Latacunga aus mit dem Bus. Die Abfahrtszeit erfragst du am besten vorher in deinem Hostel in Latacunga.

Wer im Bus auch nach Sigchos fährt, um zum Quilotoa zu laufen, ist sofort klar. Zwischen den Einheimischen sitzen mehrere Europäer in Wanderhosen und Softshelljacken, mit Sonnenbrillen, Wanderstöcken und Multifunktionshalstüchern. Diese Aufmachung ist keinesfalls übertrieben. Auf dem Quilotoa-Loop kommst du vom Sonnenschein in den Regen in den Sturm. Wir laufen aber die meiste Zeit im T-Shirt.

Regenkleidung ist aber unbedingt notwendig, da es Nachmittags fast täglich kräftige Schauer gibt. Außerdem solltest du Fleecepulli, Schal, Mütze und Handschuhe mitnehmen. Auf dem finsteren, stürmischen Kraterrand wirst du sie brauchen. Vorher geht es aber erst einmal durch eine hügelige grüne Landschaft vorbei an Bächen, kleinen Farmen und Maisfeldern.

Maisfeld auf dem Quilotoa-Loop in Ecuador.
Egal wie steil die Hänge sind und wie hoch wir kommen, überall gibt es kleine Farmen und Maisfelder. Foto: Marcia Moritz

Die Wegbeschreibung des Hostels ist sehr exakt. Wir finden den ersten Teil der Strecke problemlos. Bis wir hinter uns ein Kind rufen hören: „Chicos! Chicos!“ Als wir uns umdrehen, sehen wir, dass der kleine Junge auf ein Loch zwischen zwei Büschen zeigt. Wir laufen zurück und merken: Wir sind an unserer Abzweigung vorbeigelaufen. Wir bedanken uns mehrfach für den Hinweis.

Der kleine Junge setzt sein bestes Zahnlückenlächeln auf und fragt: „Tienen chocolate?“ – „Habt ihr Schokolade?“ Aha, hier kommen offenbar öfter Wanderer vorbei. Der kleine Fremdenführer scheint Belohnungen gewohnt zu sein. In ähnliche Situationen kommen wir auf der Wanderung immer wieder. Häufig laufen uns ganze Gruppen von Kindern entgegen, wenn wir auf Dörfer oder Farmen zulaufen.

Sie kennen die Wanderer und hoffen auf Süßigkeiten oder Geld. Einige fragen uns, ob wir sie fotografieren möchten, gegen Belohnung, versteht sich. Ein paar Schokoriegel, Bonbons und Kekse gehören also auch mit ins Gepäck. Du solltest allerdings nicht darauf setzen, dass dich immer jemand zurückpfeift, sobald du den falschen Weg nimmst.

Auch wir verlaufen uns. Statt den Weg rechts von uns hinaufzulaufen, biegen wir nach rechts ab und laufen hinunter. Dass wir falsch sind, merken wir erst nach einer halben Stunde. Als wir abends im Hostel ankommen und von unserem Abenteuer erzählen, lacht das Mädchen an der Rezeption: „Alle verlaufen sich. Ich habe noch mit keinem Gast gesprochen, dem es anders ging“, sagt sie.

Der Quilotoa-Loop wird zunehmend schwieriger

Den Weg zu finden ist nicht die einzige Herausforderung auf dem Quilotoa-Loop. Während der erste Tag noch recht leicht zu bewältigen ist, wird das Gelände zunehmend schwieriger. Wir laufen Strecken hinunter, die mehr Bach und Schlammpfützen sind als Wege, kämpfen uns Berge hinauf, die mehr Sanddüne als Fels sind. Und dann sind da natürlich noch die Höhenmeter. 

Auf dem Quilotoa-Loop läufst du jeden Tag erst einmal hinunter in ein Tal, um am Ende des Tages mehrer Stunden steil bergauf zu laufen. Ja, das klingt deprimierend. Ist es aber nicht. Erstens ist die Landschaft rund um dich herum wunderschön. Zweitens wird jeder Aufstieg mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Und drittens sind da noch die Hostels, in die du am Ende des Tages einkehrst.

Eine Schlucht auf dem Quilotoa-Loop in Ecuador
Am dritten und letzten Tag unserer Wanderung werden die Schluchten tiefer und die Täler schmäler. Foto: Marcia Moritz

Die Namen der besten sprechen sich zwischen den Wanderern herum. Wir haben im „Llullu Llama“ und im „Black Sheep Inn“ übernachtet. Einige der Hostelgäste aus der ersten Unterkunft treffen wir in der zweiten wieder. Die Hostels sind perfekt auf Touristen eingerichtet. Das ist das Schöne daran, dass der Quilotoa-Loop nicht mehr völlig unbekannt ist.

Anstrengungen werden belohnt

Denn hier gibt es mitten in winzigen, abgelegenen Andenbergdörfern, in denen Kinder teilweise eine Stunde lang zur Schule laufen, heiße Duschen, gemütliche, saubere Betten und richtig leckeres Essen. Das wird in der Regel mit allen Gästen gemeinsam an langen Tafeln eingenommen. „Family-Style“, erklären uns die Mitarbeiterinnen beider Hostels bei unserer Ankunft. So fühlt es sich auch fast an. Und nach einem langen, anstrengenden Tag ist das genau das Richtige.

Die beste Belohnung kommt natürlich ganz zum Schluss. Natürlich ist es auch diejenige, die du dir am härtesten erkämpfen musst. Die letzten zwei Stunden hinauf zum Krater sind gefühlt die längsten. Statt auf hübschen, kleinen Wanderwegen wie zuvor laufen wir eine breite Schotterstraße hinauf. Hinter jeder Kurve kommt eine weitere.

Der Weg scheint kein Ende zu nehmen. Jetzt drückt nicht mehr nur der Rucksack mit dem Gepäck für drei Tage. Spätestens jetzt macht sich die Höhe richtig bemerkbar. Das Atmen fällt schwerer, jeder Schritt ist schwer wie Blei. Je höher wir kommen, desto stärker und kälter weht der Wind.

Als ich schon kurz vor dem Aufgeben bin, weil ich wirklich, wirklich, wirklich nicht mehr kann, ist es endlich geschafft. Wir stehen auf dem Kraterrand. Vor uns geht es steil in die Tiefe. Unter uns liegt ein tiefgrüner, dunkler See. Ein stürmischer Wind zerrt so sehr an uns, dass wir aufpassen müssen, nicht den Abhang hinabzustürzen.

Der Weg um den Krater ist eine Wanderung für sich

Ganz zu Ende ist die Wanderung hier aber noch nicht. Der Kraterrand ist keinesfalls eben, sondern zerklüftet. Den Krater einmal zu umrunden ist eine Tageswanderung für sich. Wir müssen zum Glück nur noch eine Stunde weiterlaufen. Der Weg bis ins Dorf Quilotoa ist so schön wie anstrengend.

Wildblumen auf dem Kraterrand des Quilotoa in Ecuador.
Auf dem Kraterrand wachsen erstaunlich viele unterschiedliche Wildblumen. Foto: Marcia Moritz

Wir laufen über steile Hänge und über sandige Wege in Richtung Ziel. Überall am Wegesrand wachsen bunte Wildblumen, die so gar nicht zum finsteren Kratersee passen. In Quilotoa angekommen könnten wir noch eine Nacht bleiben und am nächsten Morgen hinunter zum See laufen. Aus Zeitgründen verzichten wir darauf.

Zurück geht’s nicht zu Fuß. Ein netter Herr im „Quilotoa-Informationscenter“ – ein Einraumbüro mit Schreibtisch und PC – besorgt uns ein privates Taxi für zehn Euro pro Person zurück nach Latacunga.

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