Driving Home for Christmas ohne Stress | reisereporter.de

Driving Home for Christmas ohne Stress – so geht’s

An Weihnachten führt der Weg in die Heimat einmal quer durch den Vorhof der Hölle. Doch das geht auch anders. Wie wir entspannt reisen.

Ein Auto fährt durch eine verschneinte Landschaft.
Romantische Vorstellung: In märchenhafter Kulisse ganz entspannt nach Hause zu den Lieben fahren. Die Realität sieht leider oft anders aus (Symbolfoto).

Foto: unsplash.com/adrian

Überall Ampeln, aber bald ist die Straße frei. Chris Rea kann es kaum erwarten, diese Gesichter zu sehen. Er blickt zum Fahrer im Nachbarauto, und dem geht es genau wie ihm. Driving Home for Christmas. Yeah. Rea sang den Song mit einem entspannten Lächeln.

Ich will nicht lächeln. Ich will nach Hause. Chris Rea hat gelogen. Zu Weihnachten nach Hause zu fahren ist alles mögliche, aber nicht entspannt. 

Ich bin ein niedersächsisches Kleinstadtkind und habe alle Reisearten durchprobiert: mit dem Flugzeug aus Freiburg, mit dem Auto aus Hamburg, zwei Stunden in einer zugigen S-Bahn aus Paderborn (jepp, das geht), mit dem ICE aus Köln.

Es gab nur ein gutes Jahr: 2011 wohnte ich in der gleichen Straße wie meine Eltern und lief mit Taschen voller Geschenke erst den Berg hinauf, am Tag darauf wieder hinunter. Ansonsten habe ich eigentlich immer alles falsch gemacht. Sogar als ich einmal zu Hause blieb, ging es daneben: Ich verdrehte mir bei einem Weihnachtslauf das Knie.

Doch Reisen könnte so einfach sein.
Ja, auch an Weihnachten. 
Man muss nur wissen, wie es geht. 
Es gibt zwei Kategorien, in denen wir ganz dringend mal was ändern müssen. Erstens: die Reise selbst. Zweitens: das, was wir daraus machen. 

Flugreisen an Weihnachten

Flieg an Heiligabend, das spart Zeit und Nerven! Klingt nach einer progressiven Lösung, denn welcher normale Mensch würde schon am schokoladigsten Tag des Jahres fliegen? Das britische Portal Skyscanner hat mal nachgerechnet und festgestellt: Flüge an Weihnachten sind gar nicht immer die billigsten. Schade.

Passagier und Kinder mit Weihnachtsmütze am Flughafen.
Driving Home vor Christmas – oder doch lieber in den Urlaub fliegen? Foto: imago/i Images

Die großen Vergleichsportale sind nützlich für einen ersten Überblick. Ist die günstigste Airline auf der eigenen Strecke gefunden, schaue ich lieber bei denen direkt auf der Seite. Die meisten Fluglinien zeigen Uhrzeiten und Preise übersichtlich für mehrere Tage an. Wer Hin- und Rückflug gleichzeitig bucht, spart Geld.

Eine lange kalte Nacht auf dem Flughafen Manchester hat mich von Nachtflügen übrigens endgültig kuriert. Wenn ich nicht muss, fliege ich nicht mehr am Abend. Fällt der Flug aus oder ist die Verspätung zu groß, kann ich so im Notfall noch den Zug nehmen oder eine andere Verbindung suchen. 

Pro-Tipp 1: Geschenke im Handgepäck könnten zum Problem werden. Ich schicke sie entweder direkt nach Hause oder transportiere sie unverpackt. 

Passagiere am Flughafen St. Petersburg in Russland mit Geschenken von Air France auf dem Gepäckband.
Weihnachtliche Überraschung am Flughafen – mit etwas Glück passiert dir das vielleicht auch. Foto: imago/ZUMA Press

Pro-Tipp 2: An diesen Tagen sind jede Menge Reiseanfänger unterwegs. Sie packen in der Warteschlange ihre Notebooks nicht aus, haben zu viele Flüssigkeiten dabei und diskutieren indiskutable Dinge mit dem Sicherheitsdienst. Das kostet Zeit, die plane ich bei der Anreise zum Flughafen mit ein.

Bahnreisen und Fernbusse

Züge an den Tagen vor Weihnachten sind teuer, die Chance auf einen Stehplatz ziemlich groß. An Heiligmorgen geht’s noch. An den Feiertagen oder wenn’s schneit würde ich immer die direkte Verbindung wählen. Je seltener ich umsteige, desto größer ist die Überlebenschance die Chance, dass ich keinen Anschlusszug verpasse. Ich bete vorsorglich zum Gott der Oberleitungen und Klimanlagen und warte, bis es vorbei ist. 

Ich hab übrigens mal bei der Deutschen Bahn nachgefragt: Hauptreisetag ist der 23. Dezember; dann sind etwa 40 Prozent mehr Menschen unterwegs als an einem durchschnittlichen Tag. Aus rund 360.000 Menschen werden mehr als 500.000. Deshalb fahren mehr Züge; Schienen und Bahnhöfe sind also auch voller. 

Der Sparpreisfinder zeigt für jeden gewählten Tag die günstigsten Verbindungen an – frühmorgens am 23. Dezember kann ich meine 300 Kilometer Heimreise für 36 Euro bekommen – plus 4,50 Euro, ohne Reservierung würde ich diese Fahrt nicht wagen. Fernbuspreise vergleicht zum Beispiel Fernbusse.de. Auf einigen Strecken nähern sich die Preise jetzt schon den Bahn-Sparpreisen an, dafür dauert die Fahrt deutlich länger. Auch die günstigen Spritpreise könnten zum Problem werden – sie füllen die Autobahnen. 

Autofahrten an Weihnachten

Im Weihnachtsfeierabendverkehr zählen nicht nur die Autobahnen – es zählt auch der Verkehr in der Stadt! Von Hamburg nach Hannover habe ich gern mal 50 Prozent meiner Fahrtzeit nördlich der Elbe verbracht. Mein weihnachtlicher Tiefpunkt war 2014 erreicht: Das Auto sprang nicht an. Ich hatte Spätdienst und wollte eigentlich um 1 Uhr in der Nacht auf die Autobahn. Stattdessen musste ich mit der Bahn ins Büro und am nächsten Vormittag 90 Minuten auf den Pannendienst warten. Gelernt: vorher prüfen, ob die Batterie läuft. 

Ich hatte mich gerade aus dem Hamburger Elbtunnel gewunden, da bliesen Sturmböen und feindliche Autofahrer schon zur Jagd. Wetter- und Stauprognosen gibt’s beim ADAC, Radio hören hilft auch. Wer am Stadtrand arbeitet, spart Zeit und Benzin, wenn er alle Mitfahrer ins Büro bestellt und von dort losfährt. 

Übrigens: Nachts reisen ist super, großartig, entspannt – hängt aber von zwei Dingen ab. Erstens sollte das wirklich nur machen, wer fit genug ist und eine eher kurze Strecke zurücklegen muss. Zweitens ist die Idee bei Frost denkbar bescheuert – wer allein auf Autobahn und Landstraße ist, kann schnell zum Opfer von Glätte werden. Nicht machen. 

Eine gute Reise findet im Kopf statt

Und das ist vielleicht der wichtigste Tipp. Denn wer sich unbedingt aufregen will, der wird das auch hinkriegen. Statt Teil des Chaos zu sein, lehne ich mich zurück und sondiere die Lage. Die meisten Gesichter zeigen ein Extrem: Vorfreude oder Stress pur. Vielleicht zähle ich in diesem Jahr die Launen und prahle nach der Ankunft vor meiner Familie mit der kleinen Studie.

Was auch hilft: Einfach mal der netteste Mensch in der Umgebung sein. Freundlich die Sicherheitsleute am Flughafen grüßen; die wären jetzt sicher auch gern woanders. Sitzplatz-Angreifer anlächeln, anderen Menschen mit ihrem Gepäck helfen.

Wir fühlen uns selbst besser, wenn wir nett zu anderen sind. Und wir sind direkt in der richtigen Stimmung für Weihnachten – wer in den Kampf-oder-Flucht-Modus schaltet, der vergiftet seinen Körper mit Stresshormonen und muss sich nach der Reise mühsam wieder umgewöhnen. In diesem Sinne: Gute Reise und ein frohes Fest. 

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