Doch wer sich südlich hält, entdeckt eine nicht minder spektakuläre Landschaft – und eine der schönsten Städte Amerikas: Sedona.

Ein paar Kilometer hinter Flagstaff wird es plötzlich eng und kurvig. Durch dichte Wälder stürzt sich die Straße über 700 Meter hinab nach Sedona. Für den Mann oder die Frau am Steuer heißt es jetzt, sich noch mehr auf die Straße zu konzentrieren und sich vor allem nicht von den „Ahs“ und „Ohs“ ablenken zu lassen, die mit jeder Kurve mehr vom Beifahrer- oder Rücksitz in sein Ohr dringen. Doch nach 45 Minuten darf auch der/die Fahrer(in) die grandiose Aussicht genießen.

Angekommen im Land der Roten Felsen

Wir sind angekommen im „Red Rock Country“, im „Land der Roten Felsen“: Eingebettet zwischen majestätischen Monolithen aus Sandstein liegt Sedona, vom US-Magazin „Weekend“ zum schönsten Ort der USA gekürt. Doch der Grund dafür ist nicht nur die atemberaubende Kulisse, die dieses 12.000 Einwohner zählende Städtchen umgibt. Da ist noch etwas anderes, das einen in den Bann zieht, schon wenn man aus dem Wagen steigt. Etwas, das sich nur schwer in Worte fassen lässt, etwas, was offensichtlich nicht nur das Auge, sondern auch die Seele erquickt: Sedona ist einer dieser Orte, die von einer seltsamen Magie der Stille erfüllt zu sein scheinen. Auch oder trotz der Touristen, die sich an den Souvenir-Läden in der Hauptstraße vorbeischieben.

Max Ernst liebte die Magie des Ortes

Einer der ersten Künstler, der von diesem magischen Ort fasziniert war, war der deutsche Maler und Bildhauer Max Ernst, der sich mit seiner Ehefrau Dorothea 1950 hier für drei Jahre niederließ. Neben der Stille schätzte er besonders das angenehme Klima, die milde trockene Luft und das einzigartige Licht, das über diesem Ort liegt. Sedona war damals noch ein verschlafenes Städtchen.

Erweckt aus seinem Dornröschenschlaf wurde es von Anhängern der „New Age“- Bewegung, die in den 1980er Jahren hierher kamen. Sie glauben noch bis heute, dass die Felsen, Klippen und Flüsschen von Sedona elektromagnetische Energie ausstrahlen. In ihrem Gefolge zogen immer mehr Künstler, Sinnsuchende und andere Spirituelle hierher, was dem Städtchen einen Charme gibt, den man nur selten in den USA antrifft. Inzwischen sind hier mehr als 500 Maler und Kunsthandwerker sowie 80 Galerien ansässig, und fast an jeder Straßenecke lockt ein kleiner Laden mit spirituellen und metaphysischen Produkten und Dienstleistungen.

Die meisten Touristen zieht es aber in die Natur, in den Oak Creek Canyon zum Beispiel oder mit dem Allrad-Jeep in die bizarren bis zu 1500 Meter hohen Felsformationen, die auf so klangvolle Namen wie „Bell Rock“, „Coffeepot Rock“ oder „Rabbit Ears“ hören. Am besten erkundet man die Umgebung, in dem man im umliegenden Coconino National Forest wandert oder radelt. Dazu braucht man allerdings einen „Red Rock Pass“, den es für 5 Dollar/Tag in den meisten Hotels und Visitorcenters zu kaufen gibt.

Unbedingt probieren: „Kaktus Frites“

Auch wer auf seinem Weg durch die Staaten des Burgers langsam überdrüssig geworden ist, wird in Sedona aufatmen. Die Restaurants und Lokale bieten erstklassige italienische, französische, asiatische und mexikanische Küche an. Unbedingt probieren sollte man einmal scharfe „Kaktus Frites“ als Alternative zu den klassischen Pommes Frites.

A propos „Pommes“: An der 2380 W State Route 89a befindet sich auch der einzige McDonald’s in Sedona. Vermutlich genauso oft fotografiert wie die roten Felsen. Es war der einzige McDonald’s weltweit, dessen Logo nicht gelb auf rotem Grund ist. Stattdessen ziert nur ein blassgrünes „M“ die Fassade des Schnellrestaurants. Nichts soll das Auge des Betrachters stören, wenn die rot glühenden Felsen langsam in der Nacht verschwinden und den Vorhang aufziehen für einen geradezu verschwenderisch prächtigen Sternenhimmel.