Eine riesige Anzahl an Kunden, die ihr Geld zurückwollen, kommt auf die Pleite-Airline Air Berlin zu. Aber: Die allermeisten werden wohl leer ausgehen. Denn: Die Insolvenzmasse reicht nicht aus, um alle Verbindlichkeiten zu erfüllen. 

Kurze Zeit nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens der ehemals zweitgrößten deutschen Airline am 1. November teilte der Sachverwalter Lucas Flöther „drohende Massenunzulänglichkeit“ mit. Einfach ausgedrückt: Gläubiger, die Geldforderungen gegenüber Air Berlin erheben, gehen voraussichtlich leer aus. Das gilt etwa für Rechnungen für Tickets, Kerosin, Mieten, Löhne oder Anleihen.

Zu den Verbindlichkeiten zählen vor allem alle finanziellen Verpflichtungen, die Air Berlin nach dem Insolvenzantrag am 15. August 2017 eingegangen ist. Dazu gehört auch der 150 Millionen Euro schwere Überbrückungskredit der Bundesregierung – allerdings ist dieser speziell besichert und muss zuerst zurückgezahlt werden. Air Berlin ist zuversichtlich, dass das klappt. Durch den Verkauf der Unternehmensteile an Lufthansa (für 210 Millionen Euro) und Easyjet (für rund 40 Millionen Euro) nimmt Air Berlin etwa 250 Millionen Euro ein.

Das müssen Air-Berlin-Kunden wissen

Die meisten Kunden mit nicht mehr nutzbaren Tickets und Entschädigungsansprüchen werden aber wohl auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Für Flugausfälle oder Verspätungen vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. November 2017 werden derzeit keine Entschädigungen gezahlt. 

Kunden können ihre Forderungen noch bis zum 1. Februar 2018 beim Sachverwalter unter www.airberlin-inso.de anmelden. Sie werden bis zum 1. August 2018 geprüft – danach könnte Geld ausgezahlt werden. Theoretisch.

Infos zum Topbonus-Programm: Meilen für Flüge mit Air Berlin und Niki können nicht mehr gesammelt oder eingelöst werden. Am 25. August hatte Topbonus einen Insolvenzantrag eingereicht. Auch Gutscheine können weder eingelöst noch ausbezahlt werden, die Forderung aus einem Gutschein kann zur Insolvenztabelle angemeldet werden. 

Die erste Gläubigerversammlung für Flugkunden findet am 24. Januar 2018 statt. Dort soll auch über den Stand des Verfahrens informiert werden. 

Hintergrund zur Insolvenz von Air Berlin

Nachdem die Airline jahrelang nur noch Schulden gemacht hatte, eine Kooperation von Tuifly und Air Berlins Schwesterunternehmen Niki platzte und Hauptaktionär Etihad die finanzielle Unterstützung beendete, stellte Air Berlin am 15. August 2017 einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Ab dem 28. Oktober stellte die Airline den eigenen Flugbetrieb komplett ein. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. November eröffnet. Lufthansa und Easyjet kaufen große Teile des Unternehmens.