Eurowings: Offener Brief an Air Berliner | reisereporter.de

Eurowings: Offener Brief an Air Berliner sorgt für Unruhe

Air Berlin ist Geschichte. Was das Aus für die Mitarbeiter bedeutet, ist in vielen Fällen noch unklar. Ein offener Brief, angeblich von Eurowings-Europe-Mitarbeitern verfasst, sorgt für Unruhe. Darin werden der Lufthansa-Tochter schwere Vorwürfe gemacht.

Eine Maschine von Eurowings und eine von Air Berlin am Flughafen Düsseldorf International.
Der angebliche Brief von Eurowings-Mitarbeitern sorgt für Unruhe (Symbolbild).

Foto: imago/Jochen Tack

Flüge mit AB-Kennzeichnung gibt es nicht mehr, die Pleite-Airline Air Berlin hat ihren Flugbetrieb eingestellt. Die Lufthansa hat große Teile gekauft: Sie übernimmt die Air-Berlin-Töchter LG Walter, die österreichische Airline Niki sowie weitere 20 Flugzeuge. Die britische Billig-Airline Easyjet übernimmt 25 Maschinen von Air Berlin.

Wie es für die Mitarbeiter der insolventen Airline weitergeht, ist in etlichen Fällen noch unklar. Viele könnten bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen. 

Offener Brief warnt Air-Berlin-Mitarbeiter

Doch ein offener Brief, der angeblich von Mitarbeitern der österreichischen Eurowings Europe verfasst wurde und den das Branchenportal „Austrian Aviation“ veröffentlicht hat, sorgt für Unruhe und wohl auch für Verunsicherung bei Air-Berlin-Mitarbeitern. 

Der Brief richtet sich vor allem an die ehemaligen Beschäftigten von Air Berlin und warnt vor einem Wechsel zu Eurowings Europe. Wer genau die Verfasser sind, ist unklar. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die österreichische Lufthansa-Tochter in Bezug auf die Bezahlung, die Arbeitsbedingungen und die Sicherheit in der Luftfahrt. Die Rede ist unter anderem von gekürztem Lohn im Krankheitsfall. Wenn Mitarbeiter aus diesem Grund krank zur Arbeit erschienen, würde die Flugsicherheit aufs Spiel gesetzt, heißt es in dem Brief.

Auf reisereporter-Nachfrage gab ein Eurowings-Sprecher folgende Stellungnahme ab: „Der Brief ist uns bekannt. Auf den ersten Blick enthält er in weiten Teilen falsche Behauptungen.“ Die Lufthansa und Eurowings halten sich „zu 100 Prozent an das geltende Recht und Gesetz des jeweiligen Landes, in dem sich einer unserer Flugbetriebe beziehungsweise einer unserer Standorte befindet. Außerdem ist Sicherheit jederzeit oberste Priorität für alle Flugbetriebe der Eurowings und der Lufthansa Group.“

Geschäftsführung von Eurowings schreibt Mitarbeiterbrief

Am Dienstag wandte sich die Geschäftsleitung der Eurowings Europe, Robert Jahn und Dieter Watzak-Helmer, zudem in einem Mitarbeiterbrief, der dem reisereporter vorliegt, an die Belegschaft. Der offene Brief lasse sich „nicht mit unserer Firmenkultur vereinbaren und missbraucht die Ängste der Air-Berlin-Crews in ihrer schwierigen Situation für eigene Zwecke.“

Jahn und Watzak-Helmer fordern die Verfasser auf, sich mit ihnen zusammenzusetzen: „Wir sind jederzeit zu einem konstruktiven Dialog bereit: auf Augenhöhe, mit offenem Visier und gerne auch kritisch – aber nicht unter dem Deckmantel der Anonymität und über die Medien.“

Niedrige Bewerberzahlen bei Eurowings?

Der Offene Brief unterstellt zudem niedrige Bewerberzahlen auf die ausgeschriebenen Stellen von Eurowings Europe. Davon könne keine Rede sein, so der Sprecher, der folgende Zahlen liefert: „Auf 400 benötigte Piloten-stellen kommen inzwischen 1.100 Bewerbungen, davon mehr als 300 von Air Berlin. Für die rund 800 ausgeschriebenen Flugbegleiterjobs liegen Eurowings bereits 1.400 Bewerbungen vor, davon 450 von Air Berlin. Wir haben bereits mehr als 400 Einstellungszusagen an Air Berliner gegeben.“ Es sei „schlimm, dass mit den Ängsten von Air Berlinern gespielt wird, die sich eventuell bei uns bewerben wollen“.

Zu weiteren Behauptungen im Brief „können wir uns aktuell noch nicht äußern. Wir wollen den Brief in seiner Gesamtheit zunächst einer faktischen und rechtlichen Bewertung unterziehen“, so der Sprecher. 

Gewerkschaft Vida: Aufschrei nicht überraschend

Die österreichische Gewerkschaft Vida hingegen schreibt in einer Stellungnahme: „Die vorgebrachte Kritik in dem offenen Brief ist dem Vida-Fachbereich Luftfahrt bekannt und wird als ernsthaftes Problem angesehen.“

Für Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft, komme der Aufschrei daher nicht überraschend: „Es ist nicht das erste Mal, dass wir von den fragwürdigen Arbeitsbedingungen bei Eurowings Europe hören. Unermüdlich haben wir versucht, die Spannungen im Unternehmen, nach guter österreichischer Tradition sozialpartnerschaftlich am Verhandlungstisch zu lösen. Das Management der Eurowings Europe, allen voran Geschäftsführer Dieter Watzak-Helmer, will weiter einen beinharten Lohn- und Sozialdumpingkurs fahren. Insbesondere auch gegen die anderen Lufthansa-Konzernairlines in Deutschland, der Schweiz und auch Österreich.“

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