Surftrip mit Hund & Wohnmobil „Jürgen“ | reisereporter.de

Für die Reise mit Wohnmobil „Jürgen“ gaben sie alles auf

Michelle und Stephan haben ihr altes Leben aufgegeben, um bei dem größten Abenteuer ihres Lebens zu sich selbst zu finden. Drei Jahre Surftrip mit Wohnmobil „Jürgen“. Im Gepäck: Hund Turner, Surfbretter und viele Emotionen.

Stephan und Michelle mit Surfbrettern und Hund Turner am Wohnmobil.
Surftrip mit Hund und Wohnmobil „Jürgen“ – dafür gaben Michelle und Stephan ihr altes Leben auf.

Foto: Surf and Work (Fotomontage)

Die Grundidee der Reise ist einfach: Dorthin fahren, wo es gute Surfspots gibt. Als Stephan (35) und Michelle (26) aus Hannover sich vor vier Jahren kennenlernten, steckte er sie mit seiner Leidenschaft für den Sport an. „Surfen ist für mich ein Gefühl purer Freiheit“, sagt Stephan. „Ich bin wie ein Staubkorn im Wind, ich reagiere auf die Natur. Das Gefühl ist einmalig. Wenn ich beim Line-up auf die Wellen schaue, ist das pure Meditation für mich.“

Seit vier Monaten machen die beiden einen Roadtrip – von Deutschland ging’s über Frankreich und Spanien nach Portugal – immer entlang der Atlantikküste. Wo immer sie hinter einer Abzweigung einen tollen Ort vermuten, biegen sie ab und parken ihr Wohnmobil „Jürgen“. Über ihre Erlebnisse berichten sie auf ihrer Seite „Surf and Work“.

Leben in Wohnmobil „Jürgen“ auf acht Quadratmetern: Michelle, Stephan und Hund Turner.
Leben in Wohnmobil „Jürgen“ auf acht Quadratmetern: Michelle, Stephan und Hund Turner. Foto: Surf and Work

Sie haben auch Tipps für andere Surfer parat. Ihren liebsten Surfspot in Spanien haben sie zum Beispiel in Liencres gefunden, etwa 20 Kilometer von Santander entfernt. Warum? „Mehrere Peaks mit lefts and rights an zwei voneinander abgetrennten Stränden. Mitunter viel Strömung und nicht unbedingt anfängerfreundlich. Freundliche Locals und der Spot ist nicht zu überlaufen.“ 

Roadtrip mit Hund 

Und, ganz wichtig: Der Ort ist hundefreundlich. Denn Reisemitglied Nummer drei ist Turner, ein Rhodesian Ridgeback. Mit Hunden sei es in Spanien nicht immer ganz einfach gewesen, denn an vielen Stränden gebe es ein Hundeverbot. „Turner ist durch den Trip sehr viel entspannter geworden, er kann immer draußen rumlaufen. Vielleicht bringen wir ihm irgendwann auch noch das Surfen bei“, sagt Michelle und lacht.

Surftrip am Atlantik: Zurück zur inneren Mitte

Durch einen entspannten Lebensstil, Surfen, Yoga, lange Spaziergänge und Begegnungen mit neuen Menschen haben Michelle und Stephan ihre Mitte wiedergefunden.  

Vor der Reise war ihre Welt aus den Fugen geraten. In den vergangenen drei Jahren erlitten beide schwere Schicksalsschläge: Stephans Eltern starben, Michelle verlor ihre Schwester. Zudem spannte Stephans Job ihn derart ein, dass „ich nah am Burn-out war“. Zunächst wollten sich beide nicht eingestehen, dass sie eine Veränderung brauchten.

Doch als Stephans Mutter im Oktober 2016 starb, war sie da, die Erkenntnis: So, wie wir jetzt leben, können wir nicht weitermachen. „Wir hatten das Gefühl: Wir müssen das verarbeiten, müssen raus aus unserem Alltag.“ Und das radikal: Stephan verkaufte seine Firma, Michelle kündigte ihren Job, sie lösten ihre Wohnung auf, lagerten nur wichtige Dokumente ein. „Es hat nicht einen Moment wehgetan, sich von den Dingen zu lösen“, sagen beide.

Und dann schlug das Schicksal noch einmal zu, erzählt Stephan. „Wir gingen mit 150 Euro ins Kasino, wollten ein bisschen Spaß haben. Nach fünf Minuten knackten wir den Jackpot an einer Geldmaschine. 17.800 Euro. In dem Moment war uns völlig klar: ‚Alles richtig gemacht, es muss so sein.‘“

Sie kauften ein Wohnmobil – Baujahr 1993, 75 PS, acht Quadratmeter – und bauten es mit viel Herzblut um. „Wir haben die Polster neu bezogen, das Bad neu gestaltet und eine Chill-Ecke für uns und Turner eingerichtet.“ Viel Platz haben sie nicht, „aber wenn man mal Freiraum braucht, geht man halt surfen“, sagt Stephan.

 

Surftrip mit Wohnmobil und Hund

Außerdem haben sie eine Solaranlage auf dem Dach installiert; so können sie völlig autark leben. „Aber alle zwei Woche fahren wir mal auf einen guten Campingplatz für eine richtig schöne warme Dusche – so Kleinigkeiten wissen wir inzwischen viel mehr zu schätzen“, sagt Michelle.

So wurde aus dem Wohnmobil „Jürgen“

Sie tauften das Wohnmobil „Jürgen“, nach Stephans Stiefvater. „Er ist vor zwei Jahren gestorben und unser Begleiter“, sagt Stephan. „Ich habe von ihm die Firma übernommen und ihn kurz vor seinem Tod gefragt, ob er cool damit wäre, wenn ich das mal nicht mehr machen will und stattdessen reise.“ Sein Papa war cool damit.

Michelle und Stephan stellen auf ihrer Reise fest, dass es vielen Paaren ähnlich wie ihnen geht. „Sie suchen nach einem neuen Lebensmodell, wollen aus dem Standard raus.“ Dass sie ihre Sicherheit aufgegeben haben, bereuen die zwei bisher kein bisschen, sagen sie. „Ein freies Leben zu haben ist etwas viel Wichtigeres.“

Und was passiert nach den drei Jahren? Alles offen – nur ins alte Leben zurück wird es nicht gehen. „Vielleicht gehen wir zurück nach Deutschland, vielleicht kaufen wir uns aber auch im Ausland ein Stück Land.“

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