Morgens hin, abends zurück. Anstrengend, aufregend. Ein Reiseprotokoll:

Der Tag begann stockfinster und schrecklich früh um 4.30 Uhr. Ich wollte es ja nicht anders. Abflug von Hamburg um 6.45 Uhr. Nur mit ungewohnt kleiner Handtasche (drei Kilo). Pünktliche Landung am Flughafen Charles de Gaulle um 8.15 Uhr. Kurz vor 9 Uhr saß ich bereits im Roissybus, der in rund 70 Minuten vom Terminal in einem Rutsch und einer Art kleiner Stadtrundfahrt (durch Montmartre) bis zur Métrostation Opéra fährt.

Et voilà: Kurz vor zehn war ich genau dort, wo ich sein wollte: mitten in Paris. Und die Zeit lief.

Opernhaus von Paris.
Kurz vor 10 an einem Mittwochmorgen: Ankunft am Opernhaus von Paris. Foto: Christina Mänz

Ich muss gestehen: Acht Stunden Paris funktionieren nicht ohne strategische Vorbereitung. Hört sich unromantisch an, ist aber überlebensnotwendig. Es gibt einen Unterschied zwischen sinnlos umherirren und sich fröhlich treiben lassen.

Und so startete ich meinen Spaziergang durch die Rue Cambon und Rue Saint Honoré, vorbei an den verschwenderischen Flagshipstore-Fenstern und opulenten Designer-Tempeln, vor denen asiatische Touristen hibbelig auf Einlass warteten. Ohne mich. Mein Weg führte weiter entlang des Élysée-Palasts Richtung Champs-Élysées und Avenue Montaigne.

Champs-Elysées
Champs-Élysées um 10.50 Uhr. Foto: Christina Mänz

Nur Window-Shopping. Ehrlich. Mein Ziel war Avenue Marceau (Nummer fünf). Ich hatte ein Ticket für das neue Yves-Saint-Laurent-Museum gebucht. Meine Einlasszeit: 11.30 Uhr. Ich war pünktlich! Das Museum – was soll ich sagen? Für Haute-Couture-Interessierte ein Traum.

Nirgendwo wird man YSL jemals so nah sein wie im Atelier des Meisters selbst, das so wirkt, als habe Monsieur nur mal eben kurz das Haus zum Zeitungholen verlassen. Pi mal Daumen eineinhalb Stunden ließ ich mich verzaubern, flanierte danach an der Seine entlang, am Grand Palais vorbei bis zum Place de la Concorde.

Das Atelier von Yves Saint Laurent.
Für alle Fashion- und Kunstliebhaber: Das Atelier von Designer Yves Saint Laurent. Foto: Christina Mänz

Hier beichte ich jetzt meine einzige (finanzielle) Sünde des Tages: Lunch im Hotel de Crillon. Tartare de boeuf (mit Fritten) und ein klitzekleines Gläschen Rosé. Très délicieuse.

Aber wenn nicht hier, dann wo überhaupt?! Danach etwas Süßes von Ladurée in der Rue de Castiglione. Ich kenne niemanden, der hier freiwillig vorbeiläuft.

Bunte Macarons in allen möglichen Geschmacksrichtungen.
Bunte Versuchung: Macarons von Ladurée. Einer davon fehlte um 15 Uhr. Foto: Christina Mänz

Zurück auf der Rue Saint Honoré stattete ich Colette (Hausnummer 213) einen letzten Besuch ab. Nach 20 Jahren schließt der legendäre Concept-Store im Dezember. Mein Abschiedskauf: eine Tube Mascara. Immer gut.

An der nächsten Querstraße, der Rue Saint-Roch, bog ich rechts ab. Nur wegen des Interieur-Ladens Maison Sarah Lavoine (Hausnummer 9). Manchmal reicht schon ein Blick in den Store für neue Inspirationen.

Mein nächstes und wirklich letztes Ziel des Tages war die große Dior-Ausstellung im Musée des Arts décoratifs (107 Rue de Rivoli), das ich gegen 15.30 Uhr erreichte. Es war überwältigend, übervoll und stickig. Ich schwächelte. Es war 17 Uhr. Ab dann ging’s ohne Plan zurück Richtung Opéra.

Die Ausstellung vom Designerhaus Dior.
Dior-Ausstellung: Abschluss vom Tagestrip um 17 Uhr. Foto: Christina Mänz

Der Bus zum Flughafen fuhr um kurz vor 18 Uhr. Im leichten Handgepäck noch ein paar neue Bücher – und die Mascara. 20.25 Uhr Abflug. Landung in Hamburg um 21.50 Uhr. Der Tag endete stockfinster und schrecklich spät um kurz vor Mitternacht. Vor allem aber war er total beglückend!