Alles wie im Krimi! Stilecht geht es im Dampfzug der Dart Steam Railway ganz nach Art der Meisterdetektive Miss Marple und Hercule Poirot nach Kingswear bei Dartmouth, einem jener idyllischen Hafenorte im Süden Devons. Dann weiter per Boot hinüber zu jenem prächtigen Anwesen, in dem Agatha Christie ihre Sommer verbrachte: Greenway, ein Landsitz hoch über dem Fluss Dart. Christie und ihr zweiter Ehemann Max Mallowan erwarben das Haus samt üppigem Garten 1938.

Greenway in Agatha Christies Krimis

Es lässt sich unschwer erahnen, wie einem in diesem Landstrich, in dem sich der Dart malerisch in einer Kurve in Richtung Meer schlängelt, so manch Idee für einen Krimi entstand. Zwar soll Christie in Greenway nie einen ihrer Romane geschrieben haben; doch ihr das Anwesen taucht gleich mehrfach in ihren Büchern auf: In „Dead Man’s Folly“ („Wiedersehen mit Mrs. Oliver“) etwa als Nasse House, ebenso das kleine Bootshaus direkt am Fluss. Die Motive sind immer noch gefragt. Das Fernsehnetzwerk Independent Television (ITV) drehte vor wenigen Jahren direkt vor Ort die jüngste Verfilmung des Romans.
 
Auch im „Unvollendeten Bildnis“ soll Greenway Pate gestanden haben für das darin erwähnte Alderbury House. Wie vielen Autoren wird auch Christie ein gewisser Hang nachgesagt, ihr Umfeld in Romanen verarbeitet zu haben – nicht immer zur Freude der Beteiligten. „Einer ihrer früheren Freunde wurde später in einer Geschichte zum Mordopfer“, sagt Alex Graeme, ein Tourguide aus Devon.

Schlafen im Haus von Agatha Christie

Christie besuchte Greenway bis zu ihrem Tod im Jahr 1976. Ihre Familie lebte dort noch viele Jahre. Inzwischen gehört das Anwesen dem britischen Denkmalschutzfonds, der es nicht nur für Besucher geöffnet hat – er bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten im Haus an. So nah  bist du der Geschichte von Englands bekanntester Krimiautorin sonst nirgends.
 
Das Grand Hotel im unweit entfernten Badeort Torquay vermarket geschickt bis heute ihren einzigen Aufenthalt dort. 1914 verbrachte die Autorin in dem viktorianischen Prachtbau ihre Flitterwochen. Noch heute pilgern Fans der Autorin aus aller Welt in das inzwischen etwas morbide und mehrfach umgebaute Haus.

Beacon Cove – hier ging Christie ins Wasser

Torquay ist übrigens auch Geburtsort Christies. Einmal im Jahr rund um den Geburtstag am 15. September wird in der Innenstadt ihr zu Ehren ein großes Festival gefeiert. Das Elternhaus der wohl erfolgreichsten englischsprachigen Autorin gibt es zwar längst nicht mehr, doch hat die Stadt eigens eine Agatha-Christie-Meile ausgeschildert. Sie zeigt beginnend am Grand Hotel einige Stationen im Leben der Autorin auf und endet am Imperial Hotel, einem weiteren prachtvollen Bau hoch über Torquay, in dem Christie mit Vorliebe zum Afternoon Tea eingekehrt sein soll.
 
Dazwischen liegt unter anderem das Princess Pier, eine Seebrücke aus der großen viktorianischen Zeit Englands. „Hier lief Christie gern Rollerskates“, hat Experte Graeme recherchiert. Und auch sonst wusste sich die Autorin offenbar ganz gut zu erholen vom Erdenken skurriler Morde. So manche Bucht an der englischen Riviera, wie die Gegend um Torquay wegen ihres beständig regenarmen Wetters gern genannt wird, gilt als beliebter Badeplatz Christies. Allen voran Beacon Cove, heute ein eher ruhiger, meist steiniger Strandabschnitt.
 
Ali Marshall hat einen weiteren Ort in Torquay zur Pilgerstätte der Krimifans entwickelt – auch wenn bis heute nicht klar ist, ob Christie dort überhaupt jemals gewesen ist: Die Chefgärtnerin von Torre Abbey, einem Klostergebäude aus dem Mittelalter, widmete sich als Fan ausgiebig den Mordopfern aus den Büchern der Autorin. „Mehr als die Hälfte von ihnen wurde mit Substanzen vergiftet, die aus ganz normalen Pflanzen stammen“, fand Marshall heraus. Und so schuf sie im Garten von Torre Abbey einen Abschnitt, der ausschließlich Pflanzen aus der Welt der Agatha Christie enthält.
 
Wer sich eingehender mit den Schauplätzen von Christies Romanen befassen will, muss noch ein Stück weiter in den Süden Devons fahren. Burgh Island ist eine Gezeiteninsel, die im Wesentlichen aus einem Hotel besteht, dem Burgh Island Hotel. Der weiße Bau im Stil des Art déco thront an der Ostseite und sorgt durch seine Abgeschiedenheit zwangsläufig für Ruhe und Entspannung. Gäste können ihn nur bei Ebbe zu Fuß erreichen, sonst müssen sie einen Seetraktor nutzen. Eine einmalige Kulisse, die auch Christie inspiriert hat. In zwei ihrer insgesamt 66 Romane hat sie es verewigt, in „Das Böse unter der Sonne“ sowie „Und dann gab’s keines mehr“.