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Tischsitten weltweit: rülpsen, füttern, schlürfen

Vergiss, was du zu Hause über Manieren am Tisch gelernt hast: Wie in China, Indien oder Äthiopien gegessen wird, widerspricht allen heimischen Tischsitten. Wir verraten, was du beim Gaumenschmaus im Ausland beachten musst. 

Menschen auf den Philippinen essen mit den Händen von Palmenblättern.
Sich mit anderen einen Teller teilen und mit den Händen essen? In einigen Ländern vollkommen normal.

Foto: unsplash.com/Avel Chuklanov

Tischsitten in Japan: Von Stäbchen und vom Schlürfen

Mit Stäbchen zu essen ist für den nicht asiatischen Teil der Weltbevölkerung generell eine Herausforderung der Feinmotorik. Richtig kompliziert wird es aber, wenn du gleichzeitig noch die japanische Tischetikette beachten musst, die vorschreibt, was du mit den Stäbchen anzustellen hast – und was nicht. Kreuzen darfst du sie nicht, senkrecht in die Reisschüssel stecken, wenn deine Fingermuskeln eine Pause brauchen, auch nicht. 

Ebenso wenig wie du hierzulande dein Messer ablecken solltest, darfst du dies in Japan mit Esstäbchen tun. Und bloß kein Essen mithilfe von Stäbchen an andere weiterreichen, außer, du bist auf einer Beerdigung. 

Erlaubt und erwünscht ist dagegen das Schlürfen: Was hierzulande scharfe Worte von den Eltern, Freunden oder anderen genervten Mitmenschen hervorruft, ist in Japan Ausdruck deiner Anerkennung für den Koch. Besonders, wenn du Nudeln oder Suppe isst. 

Tischsitten in China: Gut gerülpst = gut gekocht

Rülpsen am Tisch? In Deutschland ein Fauxpas! In China gilt das Rülpsen dagegen als Zeichen, dass der Koch dich mit seinem Essen zufriedengestellt hat. 

Hast du als Kind auch gelernt, dass es morgen nur gutes Wetter gibt, wenn du deinen Teller leer isst? In China solltest du immer einen Rest übrig lassen. Wenn nicht, bekommst du nämlich immer wieder einen Nachschlag. Der Rest auf dem Teller ist ein Zeichen an deinen Gastgeber, dass er dir mehr als genug zu Essen angeboten hat. 

Tischsitten in Indien: Nimm’s in die Hand

Anders sieht es in Indien aus, hier wird die Verschwendung von Essen nicht gern gesehen. Deshalb: Unbedingt aufessen. Dafür benutzt du deine Finger. Vorher und nachher musst du die Hände aber gründlich waschen (alles andere wäre auch ekelig). Deine Fingernägel sollten ebenfalls gepflegt sein. Gegessen wird in Indien dann nur mit der rechten Hand, da die linke als unsauber gilt – egal, wie sorgfältig du sie vorher schrubbst. 

Diese Tischsitten hat der britische „Telegraph“ gesammelt. In anderen Kulturen, vor allem asiatischen und afrikanischen, wird übrigens auch mit den Fingern gegessen, zum Beispiel gibt es in Namibia Gerichte, die typischerweise mit der Hand gegessen werden

Tischsitten in Äthiopien: Lass dich füttern 

Du findest es schon komisch, mit deinen Fingern zu essen? Dann solltest du vielleicht nicht unbedingt nach Äthiopien reisen. Denn die dortige Tradition „Gursha“ beinhaltet, dass alle am Tisch von einem Teller essen und sich hin und wieder gegenseitig füttern – mit den Fingern. Es ist Ausdruck der Freundschaft und Teil der kulturellen Identität des Landes. 

Tischsitten in Italien: Pasta essen wie die Profis

Wer wie ich schon einmal das Vergnügen hatte, von einem Italiener mit Pasta bekocht zu werden, weiß: Kaum etwas stößt bei den Italienern auf so viel Unverständnis, wie Spaghetti mit Gabel und Löffel – oder noch schlimmer, Gabel und Messer – zu essen.

Als mich mein Gastgeber danach fragte, ob ich zusätzlich zur Gabel noch Besteck bräuchte, sah er mich an, als würde ich ihm gleich körperliche Schmerzen zufügen. 

Buon appetito! ???? #spaghetti #pomodoro #basilico #laperfezione

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Pasta wird in Italien nur mit der Gabel gegessen. Basta! Einfach in den Spaghetti-Berg stecken, direkt auf dem Teller aufdrehen, darauf hoffen, dass die Menge nicht zu groß oder auf dem Weg zum Mund verloren geht, fertig.

Tischsitten in den USA: Kaugummi als Touri-Magnet

Für diese kleine Anekdote aus dem Land der unbegrenzten (Un-)Möglichkeiten müssen wir etwas weiter ausholen. Wurdest du früher auch mal dabei erwischt, wie du deinen Kaugummi in der Schule heimlich unter den Schreibtisch geklebt hast? Dann gab’s immer richtig Ärger.

Es gibt aber einen Ort, an dem hat sich aus der Unart eine kultige Art der Verewigung entwickelt: Die Wand des Unexpected Productions’ Market Theater am Pike Place Market in Seattle ist über und über mit Kaugummis „zugekleistert“. Ansonsten sind die Tischsitten in den USA aber natürlich gesitteter und ähnlich wie unsere. 

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