Da ist es, das Bilderbuch-Griechenland: eine kleine Insel mit beschaulichen Ortschaften – weiß leuchtende Tupfer zwischen erdigen Wein- und Olivenhainen. Mit kleineren und größeren Kirchen. Mit quaderförmigen, kalkweiß getünchten Häuschen und blauen, grünen oder roten Türen und Fenstern. Mit schmalen Gassen und Stromkabeln, die sich darüberspannen.

Es gibt Sonne und weiße Sandstrände, zu viel Gyros und schweren griechischen Wein. Und danach gibt es immer Ouzo, der hier Souma heißt. Manchmal auch schon vorher. Auch zum Mittagessen – was deine kognitiven Fähigkeiten bei 30 Grad im Schatten vorübergehend wohltuend beeinflusst.

Dorfgasse mit Mann und Esel auf Paros in Griechenland.
Idyllische Straßenszene auf Paros. Foto: imago/allOver-MEV

So weit, so schön – und wenig überraschend. Griechenland eben, habe ich auf den ersten Blick gedacht, als könnte das hier jede griechische Insel im Ägäischen Meer sein. Ist es aber nicht. Vor allem ist es – wie ich freudig und vielleicht etwas polemisch feststellen darf – nicht das Ballermann-Äquivalent Naxos. Nein, das hier ist Paros, eine andere der 56 großen und kleinen Kykladen-Inseln im Ägäischen Meer, auf der die Menschen noch bis in die 1980er-Jahre hinein vor allem vom Fischfang lebten. Eine, die man vielleicht ein bisschen weniger auf dem Schirm hat – ein weiterer Pluspunkt in meinem persönlichen Places-Ranking.

Paros: malerischer Top Place 2018

Nun könnte man sagen, dass es bisher nicht so viel Besonderes über Paros zu sagen gab – abgesehen davon, dass es malerisch ist, und dass es ziemlich schnurzegal scheint, auf welcher der Kykladen-Inseln man seinen Jahresurlaub verbringt. Könnte man.

Man könnte aber auch etwas genauer hinsehen und feststellen, dass Paros etwas anders macht als manch andere griechische Insel. Während andere nämlich ein buntes Nachtleben und hochklassige Hotels an ihre digitalen Litfaßsäulen plakatieren, gibt es vermutlich kein Inselvolk, das so souverän dabei aussehen kann, ein Hülsenfrüchtegericht mit Salz und Olivenöl als hyperlokales Kulturgut zu feiern. I like!

Der Hafen von Paros, das ist Bilderbuch-Griechenland und ein Top Place 2018.
Paros, das ist Bilderbuch-Griechenland und ein Top Place 2018. Foto: imago/blickwinkel

Natürlich höre ich auch hier, dass Sanitäter hin und wieder einen betrunkenen Touristen aus einer Bar im Hafen tragen müssen. Und natürlich nerven mich die Quads, die zwischen der Restaurantmeile und dem Strand der Hauptstadt Parikia patrouillieren.

Tatsächlich aber sehe ich trotz des wachsenden Touristenansturms keinerlei Hotelbettenburgen. Dafür sehen Urlauber jede Menge junge, im Ausland gut ausgebildete Parianer, die mitten in der Krise zurück auf ihre Insel gekommen sind – der junge Manager, der seine Karriere in London aufgegeben hat, um ein parianisches Bier zu brauen. Die Brüder, die das Weingut ihres Vaters übernommen haben. Die junge Beraterin des Bürgermeisters, die in England studiert hat und schlichtweg aus Liebe zur Insel zurückgekehrt ist. Eine Generation mutiger, junger, heimatverbundener Leidenschaftler. Eine Generation, die nicht flieht, sondern einen Gegenentwurf schafft zu den Bildern von leerstehenden Hotels der krisengeschüttelten Urlaubsdestination Griechenland.

Schön ist Paros allemal. Das Besondere ist, dass hier Inspiration und Zuversicht in der Luft liegen – eine Zuversicht, die du als Reisender mit der Meeresbrise einatmest.