Oberjoch im Allgäu: Top Reiseziel 2018 | reisereporter.de

Oberjoch: Mein persönlicher Top Place 2018

Das Bergdorf Oberjoch und das Oberallgäu sind für mich in dieser verrückten Welt vor allem eins: echt. Es ist ein „reisereporter Top Place 2018“ und mein Herzensort.

Fotomontage: Blühende Bergwiese am reisereporter Top Place Oberjoch im Oberallgäu.
Eine blühende Bergwiese. An ihrem Top Place kann reisereporterin Christina einfach mal durchatmen.

Foto: imago/blickwinkel/Montage

Manchmal muss man erst einmal viel Exotisches erfahren und Spektakuläres erlebt haben. Manchmal muss man aber auch nur lange genug weg gewesen sein, um einen Ort zwar mit denselben Augen, aber aus einer anderen Perspektive zu sehen. Deshalb ist es geografisch und meinem Herzen jetzt so nah: Oberjoch, Deutschlands höchstgelegenes Berg- und Skidorf (1.200 Meter).

Die Anreise in die Allgäuer Bergwelt betrug in meiner Zeitrechnung der frühen Achtziger eine ganze Nacht. Wir fuhren von Hamburg aus mit dem Autoreisezug. Schlafwagen bis Sonthofen. Wenn beim ersten Blinzeln durchs elende Plastikrollo der Blick auf schneebedeckte Gipfel fiel, war die Freude groß. Nur wenig später fuhren wir durchs Ostrachtal, von dort die kurvige Pass-Straße nach Oberjoch hinauf. Dort, am Iseler (1.876 Meter), lernten wir Skilaufen, später auch rückwärts mit Jagertee. Hier war die Welt so in Ordnung, die Kirche so im Dorf, der Himmel so bayernblau und das Leben so unbeschwert wie grenzenlos.

Irgendwann wurde aus der „Gmieatlichkeit“ Langeweile. Plötzlich taten sich in der heilen Bergwelt Abgründe auf, reichte der Horizont gerade noch bis zur Talstation. Bis ich durch Zufall vor drei Jahren nach drei Jahrzehnten an diesen fremdvertrauten, friedlichen Ort aus Kindestagen zurückkehrte und seitdem immer wiederkomme. Bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Oberjoch: Im Sommer riecht’s nach Blumen, im Winter nach Kamin

Oberjoch und das Oberallgäu sind für mich in dieser verrückten Welt vor allem eins: echt. Und ehrlich. Und unaufgeregt. Noch immer! Im Sommer riecht’s nach Bergblumen, weil hier noch Blumen blühen, im Winter nach Kamin, weil hier echtes Feuer kokelt. Man atmet auf und schläft durch, weil die Luft so mild und rein ist und die Nächte so still sind.

Das „Grüß Gott“ macht Sinn, weil die Sterne zum Greifen nah sind. Und das Pfeifen der Murmeltiere ist klar hörbar, weil das Handy mancherorts einfach keinen Empfang hat. Die Butter schmeckt nach Butter, weil die Milchkuh nebenan grast. Die Einheimischen sind so störrisch wie pragmatisch, so bodenständig wie liebenswert, weil sie hier seit Generationen leben; mit dem Wetter, der Familie, dem Vieh und den Touristen.

Mit ihrem Schicksal halt. Hausmusik wird hier weiterhin mit „au“ und ohne „e“ geschrieben. Die Kreuze auf den Friedhöfen tragen Namen wie Besler, Blanz und Brutscher – und Bergbauern tragen ranzig-verfilzte Joppen, weil sie die schon immer getragen haben; auch die Bärte, grau und wild, und die tiefen Falten in ihren Gesichtern erzählen Geschichten von langen Bergsommern und kargen Wintern, von harter Alpwirtschaft und melancholischer Zufriedenheit. Sie sind wie Trophäen eines gelebten, erfüllten Lebens. Beneidenswert!

Was auch immer Imageberater und Influencer von Wohlfühloasen und Achtsamkeitserfahrungen, von Entschleunigung, Selbstfindung und einem „Zurück zur Einfachheit“ schwadronieren: Das Bergdorf Oberjoch ist kein Abziehbild, kein Freizeitpark für Sinnsuchende und Gefühlstaumelnde. Es ist kein Auswurf vom Schreckgespenst Zeitgeist. Oberjoch im Oberallgäu ist einfach Oberjoch im Oberallgäu. Es ist.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite