Antonio Tripodi hat den Niedergang seiner Heimatregion miterlebt. Umso mehr freut sich der Winzer über den erfolgreichen Neustart.

„Dieses Tourismusprojekt tut uns gut, das haben auch Kritiker begriffen“, sagt der 38-jährige Italiener. „Allein hier in unserem Wein- und Olivenanbau haben zwölf Leute aus der Umgebung solide Jobs, die es sonst nicht mehr gäbe.“

Tripodi arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten in Castelfalfi. Das kleine, 800 Jahre alte Dorf zwischen Florenz, Pisa und Siena könnte allein wegen der Aussichtslage in der Hügellandschaft der Toskana die Werbeprospekte für Italiens schönste Urlaubsregionen zieren. Vielleicht wird das bald auch so sein. Der Reisekonzern Tui hat den kompletten Landstrich vor zehn Jahren gekauft, um ein Modellprojekt für sanften Tourismus zu schaffen.

Winzer Antonio Tripodi hat den Untergang und die Tui-Wiederbelebung von Castelfalfi miterlebt.
Winzer Antonio Tripodi hat den Untergang und die Tui-Wiederbelebung von Castelfalfi miterlebt. Foto: Felix Horstmann

Die Tui ist jetzt auch Winzer

Das hat auch Tripodis Winzerjob gerettet. Denn die Urlaubsmacher erwarben nicht nur das beinahe ausgestorbene Landgut mit fast elf Quadratkilometern Grundbesitz, sondern auch den baufälligen alten Ortskern mitsamt Burg und öffentlichem Schwimmbad.

Dazu zwei Dutzend verfallene Gehöfte und Ställe, 110 Kilometer Straßen, ein Golfplatz, 450 Hektar Wald, fast tausend Jahre alte Olivenhaine und zwölf Hektar Chianti-Weinberge.

Wenn Sebastian Ebel nach Castelfalfi kommt, ist der Top-Manager hin- und hergerissen. „Ein luxuriöses Ferienresort in solch fantastischer Umgebung findet man nur selten“, schwärmt der weitgereiste Tui-Konzernvorstand, der für die Hotel- und Kreuzfahrtsparte verantwortlich zeichnet.

Die Aktionäre hingegen zweifelten lange an dem Projekt, das noch der frühere Konzernchef Michael Frenzel initiiert hatte. Als die Tui das Dorf 2007 kaufte, schüttelten manche ungläubig den Kopf. Die Gebäude waren verfallen, bloß fünf von einst 600 Bewohnern lebten noch im Ort, der ein trostloses Bild bot. Zwar gab es schon Tourismus und einen schönen Golfplatz, doch keine zeitgemäße Infrastruktur.

„Ich glaube nicht, dass wir so etwas noch mal machen“, räumt Ebel heute rückblickend ein. „Das gesamte Immobilienprojekt verlief schwierig, frühere Erwartungen zu Baukosten und Genehmigungen erfüllten sich nicht.“

Die Pflanzen müssen noch weiter wachsen: Eingang de „Il Castelfalfi“.
Die Pflanzen müssen noch weiter wachsen: Eingang de „Il Castelfalfi“. Foto: Felix Horstmann

Immerhin sei man deutlich unter den geplanten Gesamtausgaben von 250 Millionen Euro geblieben und dennoch mit 200 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Region. Weitere 350 Menschen profitierten von Aufträgen des Resorts, beim Bau wurden zu 80 Prozent regionale Firmen und Baustoffe eingesetzt.  

Zunächst stieß das Tui-Dorf auch vor Ort auf Skepsis. Naturschützer und alteingesessene Tourismusbetriebe kritisierten den Ausverkauf ihrer Heimat und befürchteten ein überdimensioniertes Luxusprojekt, das nur ein paar Reichen nutze. Das Tui-Land ist so groß ist wie die Altstadt von Florenz, die nur gut eine Autostunde entfernt liegt.

Die verkehrsgünstige, aber dennoch ruhige Lage spielt eine große Rolle. Denn Castelfalfi soll ein exklusives Urlaubs- und Golfressort für Natur- und Kulturliebhaber aus aller Welt werden, ebenso aber Einheimische anziehen. Bis zu tausend Betten sollten ursprünglich in Hotels, Appartements und modernisierten Altbauten entstehen. Rund 200 Villen und Wohnungen wollte der Konzern zudem zu Preisen von 4000 Euro je Quadratmeter aufwärts verkaufen.

Blick in ein Zimmer des 5-Sterne-Hotels „Il Castelfalfi“ von Tui.
Blick in ein Zimmer des 5-Sterne-Hotels „Il Castelfalfi“ von Tui. Foto: Felix Horstmann

Doch der Plan ist nicht richtig aufgegangen, nur ein Drittel der Bettenzahl wurde bisher realisiert. Schon bald gab es Konflikte mit den italienischen Behörden um die Größe des Projekts, um Genehmigungen für Neu- und Umbauten, um Bestands- und Denkmalschutz. Baumaßnahmen verzögerten sich um Jahre, manche wurden ganz gestrichen. Bald galt Castelfalfi als Tui-Sorgenkind. Zeitweise stand das Vorhaben auf der Kippe.

Luxus-Menü statt Langobarden

Daran erinnert heute vor Ort fast nichts mehr. Im aufwendig restaurierten Kastell, wo im Mittelalter die Langobarden über die Region herrschten, empfängt nun das Burg-Restaurant „La Rocca“ zahlungskräftige Gäste. Weit hinaus reicht hier die Aussicht auf sanfte Hügel, weite Olivenhaine und lange Zypressenreihen. In der Ferne schimmert die Silhouette der Bischofsstadt Volterra mit ihren mächtigen Kirchenbauten.

„Hier ist einer der schönsten Flecken Erde, die ich kenne“, sagt Hoteldirektor Marco Metge beim Blick auf die Bilderbuch-Landschaft. Der Manager ist schon viel in der Welt herumgekommen und arbeitete zuvor in Bangkok. Nun leitet er das neue Fünfsterne-Resort „Il Castelfalfi“ von Tui Blue mit 120 Zimmern, das im Frühjahr eröffnet hat. „Es läuft sehr gut, viele  Gäste sind vom Resort und der Region begeistert“, sagt Metge.