Mein Horror-Flug mit Eurowings | reisereporter.de

Mitten im Mega-Sturm: Mein Horror-Flug mit Eurowings

Eigentlich wollte reisereporter Hans-Peter einfach nur schnell von Düsseldorf nach Berlin fliegen. Die Eurowings-Maschine startete, trotz heftigem Sturm über Norddeutschland. Der Beginn seines persönlichen Horror-Flugs EW 9040.

Auf irrer Sturm-Odyssee: Der Flug von reisereporter Hans-Peter Gaul musste den Umweg nach Hamburg statt Berlin nehmen.
Auf irrer Sturm-Odyssee: Der Flug von reisereporter Hans-Peter musste den Umweg nach Hamburg statt Berlin nehmen.

Foto: Hans-Peter Gaul (Fotomontage)

„Wärst du doch in Düsseldorf geblieben...“ – das habe ich mir gesagt, wie vermutlich auch etliche der anderen Passagiere des Eurowings-Flugs EW 9040 von Düsseldorf nach Berlin am Abend des 5. Oktober. 

Begonnen hatte es an diesem angekündigt-stürmischen Tag mit einer freundlichen Mail des Eurowings-Kundendienstes, die mich am Airport Düsseldorf erreichte. „Ihr Flug wird 20 Minuten später starten. Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“

Längst hatte nicht nur meine Unwetter-Warn-App des Deutschen Wetterdienstes Alarm geschlagen – auch auf den Bildschirmen am Airport und den Handys der umstehenden Leute wurde immer eindringlicher vor „Xavier“, dem heftigen Sturm im Norden und Osten Deutschlands gewarnt. Im TV war die Sprache vom ersten Todesopfer in Hamburg, die Bahn stellte aus Sicherheitsgründen flächendeckend den Zugverkehr im Norden Deutschlands ein.

Mein Co-Pilot Maximilian wird Sie nun in 50 Minuten nach Berlin fliegen. Dort ist es zwar etwas windig. Wir wünschen Ihnen aber einen guten Flug...

Währenddessen hatte der Deutsche Wetterdienst die vorab berechnete Route des Mega-Sturms veröffentlicht: „Xavier“ sollte exakt zum geplanten Landetermin auf Berlin treffen. Dennoch erfolgte (zum Staunen der Passagiere) das Boarding des A320.

„Willkommen an Bord. Entschuldigen Sie bitte die durch das Wetter entstandene kleine Verspätung“, meldete sich routiniert-freundlich der Kapitän aus dem Cockpit. „Mein Co-Pilot Maximilian wird Sie nun in 50 Minuten nach Berlin fliegen. Dort ist es zwar etwas windig. Wir wünschen Ihnen aber einen guten Flug.“ 

Vorab: Das klappte nicht. Nach acht Stunden (!) erreichte ich Berlin.

Unmittelbar vor Berlin kam es dann, das befürchtete Schaukeln und Rütteln zwischen riesigen dunklen Wolkenbergen. Alles wackelte, der Co-Pilot hatte das Kommando... Ich gebe zu, ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. 

Nachdem wir die Wolkendecke durchstoßen und am Berliner-City-Panorama vorbei Kurs auf Tegel genommen hatten, verstärkten sich die Turbulenzen. An eine Landung war nicht mehr zu denken.

Also passierte, was passieren musste: Die Maschine startete wieder durch. Aus dem Cockpit war zu erfahren, dass wir genügend Treibstoff haben und nun eine weitere Runde drehen würden, um einen zweiten Landeversuch zu probieren.

Nach einer bangen halben Stunde, in der der Eurowings-Airbus von weiterhin extrem kräftigen Windböen geschüttelt wurde, setze der Co-Pilot zur zweiten Landung in Tegel an – und startete direkt wieder durch...

Blick aus Eurowings EW 9040 am 5. Oktober 2017 beim Landeanflug auf Berlin während des Sturmtiefs „Xavier“
Die stürmischen Landeversuche im tobenden Sturmtief „Xavier“ sind beängstigend. Foto: Hans-Peter Gaul

Zugegeben: Da beruhigte dann auch die Nachricht aus dem Cockpit „Wir werden jetzt nach Hamburg fliegen“ nicht wirklich. Schon vor dem Abflug in Düsseldorf war ja bereits bekannt, dass der Orkan „Xavier“ Hamburg in den Ausnahmezustand gestürzt hatte.

So ging das Staunen nach der Landung in Hamburg also weiter, als die Stewardess die Passagiere mit einer routiniert-freundlichen Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten in Hamburg statt in Berlin begrüßte und ohne weitere Informationen lediglich auf die Kollegen an Land verwies.

Sturm Xavier: Flugroute Eurowings EW 9040 von Düsseldorf nach Berlin (Hamburg) am 5. Oktober 2017.
Die Route des Eurowings-Fluges EW 9040 sieht aus wie vom Kleinkind auf die Deutschlandkarte gekritzelt. Foto: Flightradar24 (Screenshot)

Auf der Fahrt des Flughafenbusses zum Terminal telefonierte mein Sitz-Nachbar mit der Sixt-Autovermietung am Flughafen. Meine Chance! Ich fragte ihn nach einer möglichen Mitfahrgelegenheit, wir tauschten Handynummern aus.

Als Passagiere einer anderen Easyjet-Maschine per Mikrofon zum Abflug nach Berlin aufgerufen wurden, bat ich (mit meinem Flugticket in der Hand) die Dame am Schalter, mir die Umstände zu erklären. Ihre Antwort: Es würden Busse kommen, die die Passagiere nach Berlin bringen.

Dieses Kapitel habe ich dann nicht mehr erlebt, weil mein Flughafenbus-Nachbar zum Glück einen der letzten verfügbaren Mietwagen für die Fahrt nach Berlin ergattern konnte.

Was bis heute bleibt: Offene Fragen!

Warum startet ein Flugzeug auf der Kurzstrecke trotz allgegenwärtiger Warnungen des Wetterdienstes vor einem extremen Sturm am geplanten Zielort? Warum lässt die Eurowings-Crew die Passagiere nach dem Irrflug in Hamburg aussteigen, bevor es Infos von der Zentrale zum weiteren Prozedere gibt? Warum fliegt Easyjet seine Passagiere unmittelbar nach unserer Landung in Hamburg ins da bereits wieder sturmberuhigte Berlin, während wir uns zunächst selbst überlassen waren?

Matthias Eberle, Leiter der Unternehmenskommunikation von Eurowings, hatte mir auf meine telefonische Nachfrage am Tag darauf erklärt, dass es für solche Extremfälle natürlich „entsprechende Notfallpläne“ gebe. Doch die schienen hier offensichtlich – wie übrigens auch bei der Bahn – zumindest hinsichtlich der Kommunikation zwischen Fluggesellschaft und gestrandeten Passagieren leider nicht funktioniert zu haben. Was ist mit den anderen Passagieren passiert?

Von Eurowings warte ich bis heute auf die Antworten auf meine Fragen. Bleibt mir also nur die Hoffnung, dass sich die Airline für diesen Irrflug bei den Fluggästen entschuldigen – und die nötigen Konsequenzen zieht. Denn der nächste Sturm, der kommt bestimmt...

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