Trekking in Pai, Thailand: Lena & Oleg | reisereporter.de

Lena & Oleg auf Weltreise: Trekking in Thailand

Lena (25) und Oleg (27) aus Hannover haben es getan: Sie haben ein One-Way-Ticket in die Freiheit gekauft und sind auf Weltreise. Gerade trekken sie durch den Dschungel Thailands. Beim reisereporter lassen sie euch am Abenteuer ihres Lebens teilhaben.

Lena Pres in einem Fluss im Dschungel bei Pai, Thailand
Ohne Kondition, aber mit Trekkingschuhen: Lena auf Trekking-Tour in Thailand.

Foto: Oleg Burhanau

Wisst ihr, während ich ganz allein (mit Oleg) für achteinhalb Stunden durch den tiefsten Dschungel Thailands lief, konnte ich bereits die Zeilen meines Artikels über diesen Ausflug vor meinem inneren Auge sehen. Mein Gedanken liefen auf Hochtouren und mein Kopf sprudelte. Textfetzen über all die Dinge, die ich sah, hörte und fühlte. Wir beendeten unsere Tour und ich hatte das dringende Bedürfnis diese Worte und Sätze sofort zu Wort zu bringen.

Und dann? Dann kamen meine menschlichen Bedürfnisse zum Vorschein, die in dieser surrealen Dschungel-Lena-Welt zum Teil in Vergessenheit geraten sind: Durst, Hunger, müde.

Meine Füße machten sich bemerkbar, meine Beine wurden mit jedem Schritt schwerer – das Adrenalin der letzten Stunden verließ meinen Körper. Das Bedürfnis nach einer Dusche war riesig. Allerdings fiel es mir leicht, dieses Bedürfnis zu unterdrücken. Der aktuellen Unterkunft sei Dank. Denn bei der Sauberkeit unseres Badezimmers hätte ich genauso gut in einem Kuhstall in Deutschland duschen können.

Bei der Sauberkeit unseres Badezimmers hätte ich genauso gut in einem Kuhstall in Deutschland duschen können...

Aber zurück zum Anfang des Tages. Nachdem wir in Chiang Mai bereits ein paar Roadtrips zur Erkundung der Gegend hinter uns hatten, wollten wir in Pai nochmal etwas Neues probieren: Trekking! In Nordthailand sehr beliebt und häufig als Touri-Tour mit Guide angeboten. Unser Trek sollte jedoch auch allein zu bewältigen sein und führt zum Mae Yen Wasserfall.

Ausführliche Tripadvisor-Recherchen ergeben: Manche schaffen es / Manche schaffen es nicht bis zum Wasserfall / Mindestens drei Stunden für den Hinweg einplanen / Schuhe werden nass / Proviant nicht vergessen / Vor Dunkelheit zurück sein. Ooookay, verstanden.

Für mich sollte das alles Neuland werden. Mit neuen Trekkingschuhen, wenig Kondition und einer eingestaubten Historie mit meiner Yoga-Matte fühlte ich mich zwar nicht bestens vorbereitet, aber war immerhin bereit herauszufinden, wo meine Grenzen sind. Und das sollte ich spüren.

Vom Stadtkern aus folgten wir der Straße in Richtung des weißen Buddhas und nahmen vorher eine Einfahrt bergauf. Dieser Weg führte an ein paar Gasthäusern, Resorts und Wasserbüffeln vorbei zum „Eingang“ des Dschungels: Der Punkt an dem die befahrbare Straße endete und sich ein Bach vor uns breit machte. Dieser Bach sollte für die nächsten acht Stunden unser Freund werden.

Oleg Burhanau auf einer Brücke aus Bambus im Dschungel bei Pai, Thailand.
Brücken gibt’s im thailändischen Dschungel eher selten. Foto: Lena Pres

Der richtige Weg ist immer der Weg direkt am Bach entlang - zu jedem Zeitpunkt konnten wir ihn hören, sehen oder unter uns fühlen. Und so ging alles los – ab ins Wasser und quer durch den Bach, der an manchen Ecken eine erstaunliche Strömung aufwies.

Am Anfang waren wir beide etwas nervös über die Natur, Tiere und Herausforderungen, die auf uns zukommen würden. Der Puls pochte, die Gedanken rasten wild. Jeder Meter Dschungelpfad war ein kleiner Erfolg, jeder überquerte Bachabschnitt wurde zu abenteuerlichen fünf Minuten.

Lena Pres im Dschungel bei Pai, Thailand.
Ab durchs Wasser: Trockenen Fußes kommt niemand durch den Dschungel. Foto: Oleg Burhanau

Wir starteten unseren Trek gleichzeitig mit einem anderen Paar, die ein paar Meter vor uns liefen. Nach knapp einer halben Stunde standen sie auf einmal vor uns und berichteten sich gegen die Tour entschieden zu haben – den richtigen Weg nicht gefunden und doch zu ängstlich vor dem, was in den Tiefen des Dschungels ruhen mag. Doch Oleg und ich blieben tapfer und marschierten weiter.

Nach eineinhalb Stunden wurde der Dschungel etwas mehr zur Routine, aber mit spannenden Passagen. Unter Lianen hindurch, über Baumstämme hinweg und auch die steilsten Pfade entlang – so führte der Weg uns vier Stunden lang Richtung Wasserfall.

Nicht immer war eindeutig welcher Weg der Richtige sein würde und es gab zum Teil zwei Varianten einen Abschnitt zu laufen – links oder rechts vom Bach entlang. Ein Labyrinth aus Grün. Doch Oleg hatte immer den richtigen Riecher und so verloren wir nur wenig Zeit durch falsche Abbiegungen.

Oleg Burhanau im Dschungel bei Pai, Thailand.
Sieht nicht so aus, aber: Oleg hat’n Plan. Foto: Lena Pres

Es kam der Punkt, an dem ein Schild uns den Namen des Wasserfalls anzeigte, auf die Gefahr des rutschigen und steilen Weges hinwies – und uns bestätigte richtig zu sein. Wir beschlossen es zu versuchen und kletterten im Schneckentempo den Berg im Dschungel hinauf.

Es war sehr anstrengend – ich merkte meine fehlende Kondition, spürte fehlende Muskelkraft in den Beinen und pustete lauter als jedes Insekt im Umkreis von zehn Metern.

Lena im Dschungel bei Pai, Thailand.
Wo ist Walter, äh, Lena? Foto: Oleg Burhanau

Der Weg schien ewig lang zu sein und maps.me zeigte noch 1,2 Kilometer Weg bis zum Wasserfall an. Meine Gedanken waren mürrisch und wütend. Der Weg war doch das Ziel, wieso musste ich so kämpfen für einen Wasserfall, den auf Tripadvisor sowieso niemand hübsch fand?! Ich versuchte durchzuhalten. Für Oleg. Er ist ein ehrgeiziger Sportsmann und für ihn ist das Ziel das Ziel.

Wieso muss ich so kämpfen für einen Wasserfall, den auf Tripadvisor sowieso niemand hübsch findet?!

Leider kam zu meinen nachlassenden Kräften auch der Faktor Zeitdruck ins Spiel: Wir hatten beschlossen spätestens um 14 Uhr den Rückweg anzutreten, damit wir rechtzeitig den Weg aus dem Dschungel finden würden.

Meine Sorge, nie wieder aus dem Dschungel zu kommen, entwickelte sich zu einer leichten Panik.

Oleg-Burhanau im Regencape am Bachlauf im Dschungel bei Pai, Thailand.
Blaues Cape gegen den Urwald-Regen: Oleg kann’s tragen. Foto: Lena Pres

Es hatte zwischenzeitlich stark geregnet und die Wege vom Hinweg würden matschig und rutschig sein. So war für mich um 14 Uhr klar, dass ich jetzt umdrehen und möglichst in Ruhe zurückgehen möchte – anstatt zum Wasserfall zu hetzen, fünf Minuten zu bleiben und den Rückweg anzutreten.

Nachdem der Beschluss gefasst war, kamen uns noch fünf mutige Backpacker entgegen, die das mit der Dämmerung deutlich sportlicher sahen als ich. Und als wir nach nur 2,5 Stunden dem Ausgang des Dschungels so nah waren, dass es sich anfühlte als wären wir gleich Zuhause, beglückte uns die Sonne mit ihren wärmsten und stärksten Strahlen, die Pai jemals gesehen haben mag. Es war so hell wie noch nie.

Lena Pres auf einer Lichtung im Dschungel bei Pai, Thailand.
Hello Sunshine: Wenn die Sonne durch die Wolken bricht, entschädigt das alle Strapazen. Foto: Oleg Burhanau

Nachdem meine Erleichterung, es geschafft zu haben, in eine lässige Ruhe überging, fing mein schlechtes Gewissen an sich zu melden. Ich hatte Oleg seinen Siegermoment genommen und konnte meine Grenzen nicht überwinden.

Nach einer Stärkung im Stadtzentrum konnten wir beide jedoch glücklich und stolz auf unsere Tour zurückblicken – meine erste Trekking-Tour!

Die Natur war zum Teil sehr beeindruckend, zum Teil erwartungsgemäß. Die durch die Bäume strahlende Sonne war für mich jedes Mal ein Highlight. Tiere haben wir keine entdeckt (außer riesige Ameisen, Würmer, Spinnen und kleine Geckos – und natürlich Mücken).

Lena und Oleg vor dem „I am Pai“-Schild.
Double-Trouble in Pai: Lena und Oleg sind stolz auf ihr thailändisches Trekking-Abenteuer. Foto: Lena Pres

Meine erste Trekking-Tour in Zahlen

Wir haben 8,5 Stunden im Dschungel verbracht und sieben Menschen getroffen. Ich bin drei Mal hingefallen, 18 Mal fast hingefallen. Wir sind locker 20 Mal über Wasser gelaufen und haben drei Wasserbüffel gesehen. 

Können wir die Tour weiterempfehlen?

Wir können die Wanderung durch den Dschungel durchaus weiterempfehlen. Ich bin klein (1,63 Meter), habe zu kurze Beine und keine Erinnerung an meine letzte Fitnesseinheit. Ich bin am Ende sehr an meine Grenzen gestoßen und habe es nicht bis zum Wasserfall geschafft. Auf dem Trek gab es für mich häufiger Momente, in denen es hilfreich war, dass Oleg mich stützen oder halten konnte.

Oleg Burhanau hebt Lena Pres über einen Bach im thailändischen Dschungel.
„Hab dich!“: Dass Oleg ein wahres Muskelpaket ist, kommt Lena auf der Trekkingtour zugute. Foto: Lena Pres

Wer etwas mehr Erfahrung und bessere Beinmuskulatur als ich mitbringt, sollte keine Probleme haben den Weg zum Mae Yen Wasserfall zu meistern. Wir hatten Turnschuhe (Oleg) und Trekkingschuhe (ich) an und sind damit die 20 Male durch den Bach gegangen. Viel Wasser und ein ganzer Eimer Sand waren das Resultat im Inneren unserer Schuhe. Ich denke, dass Trekkingsandalen eine optimale Lösung gewesen wären, auch barfuß könnte gehen.

Für mich war es eine aufregende Erfahrung mit viel Nervenkitzel. Wer mit einem Sixpack im Rucksack einen feucht-fröhlichen Marsch durchs Grün plant, der sollte lieber eine andere Route wählen. Wanderlustige, Kletteräffchen, Sportbegeisterte und Naturliebhaber werden einen unvergesslichen Tag erleben.

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